Bönnigheim / Susanne Yvette Walter

Bönnigheim war Vorreiter in Baden-Württemberg, wenn es um die Einrichtung von Bläserklassen an einer Grundschule geht. Diese Kooperation zwischen Ganerbenschule, Musikschule und Musikverein war damals Neuland. Heute, nach 20 Jahren Bläserklassen in Bönnigheim, feierte die Stadt mit allen Trägern gemeinsam dieses besondere Jubiläum mit einem Festakt am Freitagabend und einem charmanten Konzert am Sonntag in der Sporthalle. Dort packten rund 160 Kinder ihre Instrumente aus.

Gut besucht war bereits der Festakt am Freitagabend. Es gab nicht nur einen glanzvollen Aufmarsch von 160 Kindern und Jugendlichen quer durch die Halle, alles Kinder aus den Bläserklassen Bönnigheim, Erligheim und Kirchheim, die hier zeigten, was sie im Klassenverbund alles musikalisch auf die Beine stellen können. Es gab auch spannende Interviews von Thilo Staudenrausch über die Bildung der Bläserklassen und ihren Werdegang bis heute. Für das Jubiläum war eigens ein Projektorchester gebildet worden mit Schülern aus allen drei beteiligten Gemeinden sowie dem Jugendorchester der Stadtkapelle Bönnigheim.

Festakt am Freitagabend

So kam es, dass nach der groß angelegten feierlichen Eröffnung der Interviewpart „Bläserklasse hautnah“ die Gäste in Atem hielt. Thilo Staudenrausch befragte dazu verschiedene Gäste in einzelnen Blöcken rund um die Bläserklassen. Eine Gesprächsrunde formierten die Schulleiter Susanne Zimmer (Erligheim), Uwe Schäfer (Bönnigheim), Rainer Kalter vom Staatlichen Schulamt Ludwigsburg von Seiten der Kooperationspartner auf der Bühne.

Ein zweiter Block brachte Musiker aus den Reihen der Stadtkapelle auf die Bühne, um ihre Sicht zu den Bläserklassen zu erfahren. Das waren Tom Wenz, Pia Vogelmann und Nils Pottoft. Zum Rückblick gehörten auch Statements von Walter Layer, der damals Schulamtsdirektor war, als die Bläserklassen in Bönnigheim gegründet wurden.

Eine Gesprächsrunde stellten auch die Bürgermeister Albrecht Dautel aus Bönnigheim, Rainer Schäuffele aus Erligheim, Roland Haug als Vertreter der Bläserjugend Ludwigsburg und Ulrike Staudenrausch als erste Vorsitzende der Blaskapelle. In diesen Gesprächen ging es auch um die finanzielle Seite des Dauerprojekts Bläserklasse. „Wir sind stolz darauf, mit die ersten in der Region zu sein, die das Potential gesehen haben, das Potential das hinter dieser Kooperation steckt“, erklärt Rainer Falk.

Der fulminante Abschluss gab ihm recht: Sämtliche 150 Kinder formierten sich gemeinsam zum Schlussbild und zogen musizierend durch die Halle zu „We are the world“ in Memoriam an Michael Jackson. Die Idee, die hinter diesem Abend stand: Das 20-jährige Bestehen der Bläserklassen in Bönnigheim sollte ein unterhaltsamer Abend werden, an dem eben keine formellen Reden gehalten werden. „Deshalb entschied man sich für die Interviewform in wechselnder Besetzung ähnlich einer Talkshow im Fernsehen“, erklärt Rainer Falk.

Konzert „Bläserwelten“

Den sprichwörtlichen Punkt aufs „i“ zum Jubiläum 20 Jahre Bläserklasse setzte am Sonntagabend das Konzert Bläserwelten in der Sporthalle 2 in Bönnigheim, das ebenfalls für volles Haus sorgte. Unter dem Titel „Bläserwelten“ gab es ein spannendes Konzert mit Highlights aus der Bläserliteratur. „Rund 95 Prozent unserer Musiker in der Stadtkapelle sind einst aus den Bläserklassen zu uns gekommen“, brachte es Stadtmusikdirektor Rainer Falk auf den Punkt. Das Programm sollte entsprechend festlich ausfallen mit der Ouvertüre aus der „Diebischen Elster“ von Gioachino Rossini. Daraufhin folgen zwei Lieblingsstücke aus der Bläserliteratur „Dragon Fight“ von Otto M. Schwarz und „Of sailors and wales“ – ein fünfsätziges Werk, das den Spuren des legendären weißen Wales Moby Dick folgt. Im Programmheft erfuhr man sehr viel Wissenswertes zu den einzelnen Stücken, Hintergründe, die erst den ganzen Inhalt einiger Kompositionen vermittelten.

Zum Beispiel hatten sich die musizierenden Schüler der Bläserklassen das Stück „Die große Seefahrt“ von Pavel Stanek ausgesucht. Es handelt sich um eine Art Programmmusik, denn dem Stück liegt ein Erlebnis zugrunde, das über das rein Musikalische hinausgeht. Das Stück greift das 15. Jahrhundert auf, Spanien im Mittelalter. Christoph Kolumbus bricht nach Indien auf. Schon das hört man. Als es auf dem Meer dann so richtig stürmisch wird und auch mal eine Flaute gibt, hört man das auch. Was für ein Jubel macht sich breit, als Kolumbus statt Indien plötzlich die Neue Welt entdeckt. Da jubelt das ganze Orchester. Kinder sind begeisterungsfähig. Je jünger sie sind desto besser klappt das. Das Neue Welt-Finale setzte den Feierlichkeiten die Krone auf. Doch es geht auch solistisch in den Bläserwelten. Das zeigt Sarah Mühleck in Variationen zu Gioachino Rossini.

Für diese beiden fulminanten Jubiläumsveranstaltungen wurde intensiv geprobt. „Da kam die Bläserklasse als Institution endlich einmal so richtig ins Rampenlicht“, bringt es eine Mutter auf den Punkt. Das ganze Jahr steht in Bönnigheim unter dem Fokus des Bläserklassenjubiläums auch das Kulturwochenende im Sommer.