Stadtapotheke Ein Italiener begründet das Haus

Die Stadtapotheke am Marktplatz in Bönnigheim. Sie wurde 1764 von Johann Peter Brentano gebaut.
Die Stadtapotheke am Marktplatz in Bönnigheim. Sie wurde 1764 von Johann Peter Brentano gebaut. © Foto: MARTIN KALB
Bönnigheim / Michael Soltys 31.08.2018

Die Stadtapotheke ist eines der prächtigsten Gebäude im Bönnigheimer Altstadtkern. Sie ist im Unterschied zu manch anderen Häusern der Altstadt relativ jung. Im Jahr 1764 erwirbt der Italiener Johann Peter Brentano das Anwesen, auf dem zu dieser Zeit vier kleinere Häuser standen. Er lässt sie abreißen, die Häuser werden „aus der Steuer herausgethan“, hat Stadtarchivarin Helga Engster-Möck in den Güterbüchern der Stadt herausgefunden. Dafür wird der Neubau, die heutige Stadtapotheke „in die Steuer gelegt“, also besteuert.

Nicht nur Kauf und Neubau deuten darauf hin, dass die Brentanos eine reiche Händlerfamilie waren. Sie kamen aus der Nähe des Comer Sees nach Bönnigheim, so Kurt Sartorius, der Vorsitzende der Historischen Gesellschaft. In dem neuen Gebäude, das über mehrere Generationen in ihrem Besitz bleibt, betrieben sie einen Südfrüchtehandel, eine weitere Niederlassung hatten sie in Frankfurt am Main.

Den Reichtum bezeugt auch der Nachlass der Frau von Franz Anton Brentano, die 1792 stirbt. Sie hinterlässt unter anderem einen Brillantring, der heute einen Wert von etwa 2400 Euro haben dürfte, eine Perlenkette für 3200 Euro, ein Pantaleon, das ist ein Vorläufer des Hammerklaviers, einen Regenschirm und vier Hirschgeweihe. Viel wertvoller sind allerdings die Kaufmannswaren, die sie hinterlässt: Kaffee, Kandis, Tabak, Gewürze, Stoffe und Kurzwaren im Wert von 50 000 Euro. Ihr Vermögen wird mit 258 000 Euro beziffert, ihre Schulden auf 221 000 Euro.

Und das ist wohl auch ein Grund für den Verkauf des Hauses an Philip Christian Meurer, den Kronenwirt. Während ihrer vier Jahre dauernden Ehe erwirtschaften die Brentanos einen Verlust von 89 000 Euro. Franz Anton versteigert 1792 den großen Teil des Besitzes seiner Frau. Als seine kleine Tochter 1793 an den Pocken stirbt, so Engster-Möck, verkauft er den gesamten Besitz, um die Schulden zu tilgen.

Zur Apotheke wird das Haus erst, als es der vermögende Louis Rommel 1856 erwirbt. Am 20. Januar 1857 wird die Verlegung der Apotheke aus der Kronenstraße 22, die ebenfalls Rommel gehört,  in dieses Haus genehmigt, hat Engster-Möck herausgefunden. Das Inventar seiner Hochzeit mit Karoline König aus Horrheim weist für die Eheleute ein gemeinsames Vermögen von rund 740 000 Euro aus. Jeder besitzt eine goldene Uhr, die Holzmöbel im Haus sind „geschliffen“ und entsprechend teuer. Die Apotheke muss eine gute Entwicklung genommen haben. Die Historische Gesellschaft hat herausgefunden, dass sie in den 1920er-Jahren bis zu 7300 Rezepte jährlich bearbeitete.

Ein weiterer interessanter Besitzer der Stadtapotheke war Ludwig Kehrwald. Er war mit einer Halbjüdin verheiratet. Das Ehepaar geriet in Schwierigkeiten, als die Nationalsozialisten 1941 per Gesetz beschlossen, dass nur Arier eine Apotheke führen durften. Kehrwald zog nach München, so Kurt Sartorius, wo er Krieg und Nazizeit mit seiner Frau überstand. Nach dem Krieg kehrte er zurück und übernahm die Apotheke wieder. Bis 1981 gehörte ihm das Gebäude.

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