Bönnigheim Ein Hauch Impressionismus

Die Vernissage des Malers Friedrich Strauss ist im Rathausfoyer zu besichtigen.
Die Vernissage des Malers Friedrich Strauss ist im Rathausfoyer zu besichtigen. © Foto: Helmut Pangerl
Bönnigheim / Susanne Yvette Walter 07.04.2018

Die Stadt Bönnigheim feiert gerne ihre verborgenen Talente, indem sie Künstler, die im Ort  wirken und arbeiten, eine Plattform zum Ausstellen im Rathaus gibt. Ölgemälde des Bönnigheimer Malers Friedrich Strauss zieren aktuell die rauen Betonwände. Es sind gegenständliche Arbeiten und Landschaften, die aussehen wie fotografiert und doch die Liebe des Malers zum Impressionismus zeigen.

An seinem 80. Geburtstag begann der Bönnigheimer Maler Friedrich Strauss sich selbst einen Wunsch zu erfüllen. Er würde gerne im Bönnigheimer Rathaus sein Lebenswerk ausstellen, ließ er Bürgermeister Kornelius Bamberger wissen. Da die Mitarbeiter der Stadtverwaltung froh sind, wenn farbige Bilder das Grau der Betonwände überdecken, willigten sie ein.

Die Qual der Wahl

Sein Lebenswerk umspannt mehr als 150 Arbeiten. Davon wählte er nun 53 für das Rathaus aus. Zur Vernissage am Donnerstagabend füllte sich das Rathausfoyer mit neugierigen Kunstfans. Zwei bekannte Musiker aus der Region, Matthias Leucht am Saxophon und Tobias Seyb an der Konzertgitarre, umrahmten mit Jazzklängen wie Autumn leaves, Blue Bossa und All you need.

Abgebildete Landschaften der Region sind unter den Exponaten. Kleine Ortschaften, die in Feldern versinken und sehr authentische Gemälde zur Weinlese, die in ihre Arbeit vertiefte Lesehelfer zeigen. Stillleben nach altmeisterlicher Sitte gehören dazu und einige im Stil von Claude Monets geprägte Landschaften im Süden, etwa am Comer See. Immer wieder fällt auf, wie Strauss die Technik des Pointelisierens, des Nebeneinandersetzens von Pinselstrichen anwendet, was den Eindruck einer belebten Oberfläche schafft und einen Hauch von Dreidimensionalität in seine Bilder bringt. Der Bönnigheimer Maler liebt es auch, Menschen in charakteristischen Situationen festzuhalten, etwa zwei junge Frauen, die sich am Strand auf einer Bank sitzend unterhalten, oder zwei Mädchen, die sich für das Mittsommerfest gegenseitig die Haare flechten.

Im ersten Stock zeigt der Künstler, der seit seiner Jugend malt, eine Reihe sinnlich geprägter Aktbilder. Und immer sind es die klaren schwarzen Konturen, die seine Figuren vom Hintergrund trennen. Friedrich Strauss richtet seinen Fokus auf schlichte ungeschönte Abbildungen einer heiteren oft ländlich geprägten Realität.

Neben dem Impressionisten Claude Monet nennt der Künstler einen zweiten Großen als seinen Lieblingsmaler: Jan Vermeer. Wie er wählt er Motive aus dem Landleben. Auch Friedrich Strauss Werke verströmen eine heitere Grundstimmung. „Ich male, weil es mir Spaß macht. Wenn eine Arbeit fertig ist, löst das in mir ein Glücksgefühl aus“, verrät Strauss bei der Vernissage.

Authentische Ölgemälde

Seine Motive findet der Künstler in der freien Natur ebenso wie auf Kalenderblättern, in Zeitschriften oder auf Postkarten. Strauss beschränkt sich rein auf die Ölmalerei. „Da liegen oft vier bis fünf Farbschichten übereinander“, lässt er wissen. Erst dann leuchten seine Farben, wie etwa im impressionistischen Weinberg oder in den Lavendelfeldern der Provence. Für Einheimische besonders beeindruckend: Die authentisch festgehaltene Gasse im Beberhäuser Hof. Schon in seiner Jugend hat der Bönnigheimer ein Gespür für Situationen entwickelt, die er im Kopf fotografiert und dann auf die Leinwand gebracht hat.

Ein Gang durch die Ausstellung lohnt sich auch für Liebhaber von Blumenmotiven. Wie sein impressionistisches Vorbild Monet richtet auch Friedrich Strauss seinen Blick auf die Schwertlinien oder die auch Seerosen. Die Gemäldeausstellung ist bis Freitag, 11. Mai, im Bönnigheimer Rathaus zu sehen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel