Schwerpunkt Pferdemarkt Ein fruchtiger Blickfang auf dem Pferdemarkt

Sie gehört seit vielen Jahren zum Umzug beim Pferdemarkt-Montag dazu: die Riesentraube der Weingärtner Stromberg-Zabergäu.
Sie gehört seit vielen Jahren zum Umzug beim Pferdemarkt-Montag dazu: die Riesentraube der Weingärtner Stromberg-Zabergäu. © Foto: Martin Kalb
Bönnigheim / Von Susanne Yvette Walter 01.09.2018

Bibelfeste Menschen wissen, was eine Kalebstraube ist: eine Riesentraube, die aus vielen einzelnen Trauben besteht und von mindestens zwei Männern geschultert werden muss. Im Turnus des Bietigheimer Pferdemarktes machen sich Mitarbeiter der Strombergkellerei in Bönnigheim jedes Mal frisch ans Werk und binden eine solche zentnerschwere Kalebstraube, die im Festumzug alle Blicke auf sich zieht.

Der Brauch bei den Bönnigheimer Weingärtnern zum Pferdemarkt in Bietigheim eine Kalebstraube zu stellen, währt schon ewig. Albrecht Hauber, Vorstand für Önologie und Technik, kann sich an die Anfänge dieses Rituals kaum mehr erinnern. Die Kalebstraube steht für Reichtum und Wohlstand.

Diesmal freie Auswahl

In diesem Jahr, mit der extrem frühen Traubenlese und dem hitzebedingt hohen Reifegrad der Früchte, hatten die Weingärtner keine Schwierigkeiten eine passende Sorte zu finden, die im Farbton schon so kräftig genug ist, so dass sie für die Vorzeigetraube, die Kalebstraube passen würde. „Sonst nehmen wir immer die frühen Sorten wie Dornfelder oder Acolon. In diesem Jahr haben wir freie Auswahl“, lacht Albrecht Hauber.

Die Bibelgeschichte rund um die Kalebstraube spielt auf eine Erzählung aus dem vierten Buch Mose, Kapitel 13 und 14, an. Dort heißt es: „Aus der Wüste Paran schickte Moses zwölf Kundschafter aus, die das Land Kanaan erkunden sollten, darunter auch Joshua und Kaleb. Sie brachten von ihrem Erkundungsgang nach 40 Tagen eine Rebe mit einer Weintraube mit, die so groß war, dass sie von zwei Männern auf einer Stange getragen werden musste.“  Der Brauch, eine Riesentraube als Zeichen für eine erfolgreiche Ernte durch den Ort zu tragen ist allerdings viel jünger.

„Zwei Mann reichen gar nicht, um die Kalebstraube, wie wir sie auch intern nennen, zu tragen. Wir machen zwischendrin Schichtwechsel“, erzählt Albrecht Hauber.

Das Binden der Bönnigheimer Riesentraube liegt in der Hand der Frauen der Vorstände. Das Tragen der Traube übernehmen die Vorstände selbst. „Hier greifen immer die gleichen Zahnräder ineinander. Da gehen leicht zwei Stunden ins Land, bis an jede einzelne Traube ein Draht gebunden ist und sie mit den anderen verbunden wurde“, beschreibt Hauber den Ablauf.

Danach geht’s ins Kühlhaus

Nach ihrem „Spaziergang“ über den Bietigheimer Pferdemarkt wandert die Riesentraube ins Kühlhaus. „Falls in den nächsten zehn Tagen irgendwo ein Weinfest ist, bei dem wir Präsenz zeigen, nehmen wir sie natürlich mit. Doch länger bleibt sie leider nicht frisch“, weiß er aus Erfahrung.

Das Drahtgerüst wird als erstes gebogen und daran werden dann die einzelnen Trauben gehängt. Am Montagmorgen um acht treffen sich auch jetzt wieder vier bis sechs Frauen zum Binden, denn diesmal gibt’s wohl Anlass die Kalebstraube besonders hoch zu halten beim Pferdemarktumzug.

Der Jahrgang wird sich wohl durch die vielen Sonnentage sehen lassen können.

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