Freudental Eigene Heizung nun überflüssig

Um die Nahwärmeversorgung einzurichten, wurde ein Kilometer Leitungen verlegt, unter anderem in der Schlossstraße.
Um die Nahwärmeversorgung einzurichten, wurde ein Kilometer Leitungen verlegt, unter anderem in der Schlossstraße. © Foto: Uwe Deecke
Freudental / Von Uwe Deeke 13.03.2018

Bereits seit Ende Oktober läuft die Nahwärmeversorgung in Freudental. Am Sonntag wurde die Technik  im Rahmen einer Informationsveranstaltung in der Grundschule offiziell eingeweiht.

Ob nun zehn oder hundert Besucher in die Aula kommen würden, Bürgermeister Alexander Fleig wusste es bis zum Mittag nicht. Umso mehr war er überrascht, als es dann doch ganz voll wurde im Saal, wo das ganze Projekt noch einmal vorgestellt wurde. Ein Kilometer Leitungen sind im letzten Jahr verlegt worden, um Häuser mit dem heißen Wasser zu versorgen, das die eigene Heizung überflüssig macht.

Eine Million Euro

Dafür nahm die Gemeinde rund eine Million Euro in die Hand und realisierte zusammen mit der Bürgerenergie Neckar-Enz (BENE) das System aus Vor- und Rücklauf über die Gartenstraße, die Schlossstraße, die Hauptstraße und Teile der Strombergstraße. Folgen sollen noch die See- und die Jägerstraße sowie ein weiteres Stück der Strombergstraße. Beheizt wird das System vom umgebauten Pelletkessel in der Schule, ein kleiner Ölkessel dient als Reserve für den Anfang. Im Außenbereich wurde ein Container mit einem 800-KW-Ölkessel als große Reserve errichtet.­

„Ein wichtiger Schritt war die Betreibersuche“, so Fleig, der anfangs die Unterstützung des gesamten Gemeinderats bekam. „Der Gemeinderat hat das Projekt von Anfang an konstruktiv begleitet, auch wenn es aus wirtschaftlicher Sicht manchmal schwer war, eine Entscheidung zu treffen“, erklärte der Rathauschef. Doch die Investition soll sich sowohl für die Gemeinde als auch für die Bürger, die ihre Heizung umrüsten mussten, auf lange Sicht amortisieren. Und nicht zuletzt einen Beitrag zur Energiewende leisten, indem hier 80 Prozent der CO2-Emmissionen eingespart werden.

Bürgermeister Fleig dankte allen Beteiligten und auch allen Bürgern, die im Ort mit lang andauernden Baustellen leben mussten. Mit der Bürgerenergie Neckar-Enz habe man einen Betreiber gefunden, der die Nahwärmeversorgung langfristig und sinnvoll in Freudental realisieren könne. Von Vorteil war es, das das Ausbaugebiet in einem Sanierungsgebiet liegt, was die Kosten für die Kommune in Grenzen hielt. Man habe im Gemeinderat festgelegt, im Jahr 2018 auch die See- und die Jägerstraße zu prüfen und mit den Bürgern über die Möglichkeit eines Anschlusses zu sprechen.

Ganz schön smart

Die Heizzentrale war für die Besucher geöffnet, eine Übergabestation ausgestellt, und in der Aula demonstrierte Jürgen Gölz von der Bürgerenergie Neckar-Enz (BENE) auf der Leinwand wie flexibel die neue Heizung funktioniert. Per Smartphone kann die Steuerung für Tage und Uhrzeiten programmiert werden und Heizkurven festgelegt werden. Der eigene Verbrauch könne so an die individuellen Bedürfnisse angepasst und optimiert werden. Im Februar, als es richtig kalt war, kam das ganze System der Heizzentrale in der Schule mit allen Reserven zum Einsatz. Für den Sommer könnte, so Gölz, eine Solaranlage auf dem Grundschuldach die Brenner im Grundschulkeller vielleicht ganz überflüssig machen.

„Wird es in 25 Jahren noch Öl- und Gasheizungen geben?“, fragte Wolfgang Schuler vom Bietigheimer Ingenieurbüro IBS, der das Projekt begleitet hatte. Hier habe man eine langfristige Lösung gefunden, mit Bürgern, die auch mit weniger Rendite zufrieden seien und ihren eigenen Beitrag zur Energiewende leisteten.

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