Bönnigheim Durchs Land mit dem wilden Schwaben

Was manche für Kalauer halten, ist bei Leibssle Kunst.
Was manche für Kalauer halten, ist bei Leibssle Kunst. © Foto: Helmut Pangerl
SUSANNE YVETTE WALTER 28.10.2013
Die "Schlabbergosch" ist sein Kapital, egal ob er musiziert, textet oder wie am Samstag im Burgplatzkeller in Bönnigheim die Menschen mit seinem schwäbischen Holzfäller-Charme als Leibssle verzaubert.

Mit seinem neuen Programm "Leibssle würfelt - Gott würfelt nicht" " haut der Dauerstrohwittwer Eckhard Grauer, alias Leibssle genau in die Kerbe, die man so an ihm mag: Kräftig wird auf den Busch geklopft und dabei "koin Stuss verzählt". Die Bönnigheimer im Burgplatzkeller des Kulturfensters biegen sich vor lachen.

Typisch schwäbisch-staubtrocken ist der Leibssle in Bönnigheim. Diskutierfreudig kennt man ihn von Ulm über Aalen bis hinter Bietigheim, den Schreiberling, der sich als schwäbischer Lippenbekenner einen Namen auch jenseits der Grenzen des Ländles gemacht hat.

Weit aus dem Fenster lehnt sich der Leibssle nicht nur in seiner Stammkneipe beim Würfeln. Er wagt sich vor in die große Politik und hält dabei die eigene Tugend immer gern besonders hoch. "Der Schwabe isch für seine Nächstenliebe bekannt", rühmt er die eigenen Reihen. "Deshalb entstehen im Winter bei uns auch immer so viele Kinder". Jedem anderen würde man so manchesmal vielleicht den Stempel Kalauer-Erzähler aufdrücken. Eckhard Grauer auch, nur mit dem Unterschied, dass er die Meisterschaft im Kaulauererzählen längst erreicht hat und sogar noch darüber hinausgewachsen ist.

Die Zufälle im Leben beschäftigen ihn in Bönnigheim: "Es hätt sein können, ich hätt die Alexandra im Publikum hier gar nicht getroffen, weil ihre Mutter vor 20 Jahren schon einen Massai kennengelernt hat und nach Afrika ausgewandert ist. Dann hätt die Alexandra jetzt eine viele gesündere Gesichtsfarb". In dieser und ähnlich trefflicher Weise rollt Pointe um Pointe im Plauderton ab. Der Schwabe wird zum Nabel der Welt, wenn Leibssle singt und reimt: "Dr Schiller, dr, Hauff, das isch ganz normal bei uns und fällt uns gar net auf."

Wenn er schon als Dauerstrohwittwer sein persönliches Sonnensystem, Ehefrau Lisbeth, dauernd ziehen lassen muss, muss halt die ungeliebte Schwägerin den Regenguss seines Zornes ertragen, wenn sie ihn mit allem, was die Vollwertküche zu bieten hat, versorgen kommt. Eckhard Grauer, der "Leibssle mit der losen Klappe", nimmt auch die Nordic Walking Mädels auf den Arm. "I dät ja do glei mitmache, aber i bin net befugt. Mir tut net mei Schulter weh", hält er der schwatzenden Meute, die morgens schon schnatternd durch den Friedhof läuft, entgegen.

Der Schwabe lacht doch gern über seine eigene Mentalität. Wie peinlich ist es ihm doch, wenn er an der Kasse steht mit einer Rolle Klopapier, "und jeder weiß, was Du vorhasch". Gemüse soll er essen, will seine bessere Hälfte. Dabei nimmt er mit "Zwiebelring, Peterling und saure Gurken im Veschperteller schon so viel auf, wie ein Mann nur braucht." Eckard Grauer inszeniert sich selbt, mit seinem schleichenden Gang als durchquere er im Stroposkop-Gewitter die Tanzfläche einer Discothek. Mit all seinen losen Sprüchen, die einschlagen wie Wurfgeschosse und so gar nicht von der Stange sind, hat er keine Klischees nötig. Seine Beobachtungsgabe ist scharf genug, um eine individuelle Stand-up-Comedy vom feinsten wie ein Gewitterregen über sein Publikum prasseln zu lassen.