Kirchheim Drei Tage Bauwagenkneipe

Höhepunkt der Kirchheimer Bauwagenkneipe ist der durch den Posaunenchor musikalisch festlich gestalteter Freiluftgottesdienst am Sonntag.
Höhepunkt der Kirchheimer Bauwagenkneipe ist der durch den Posaunenchor musikalisch festlich gestalteter Freiluftgottesdienst am Sonntag. © Foto: Helmut Pangerl
Kirchheim am Neckar / Birgit Riecker 30.07.2018

Von der angeheizten Stimmung, die zwischen Profi-Fußballer Mesut Özil und dem Deutschen Fußballbund (DFB) herrscht, ist im beschaulichen Kirchheim nichts zu spüren. Dort trafen sich am Wochenende auf dem ehemaligen Spielfeld bei der alten Turnhalle Mannschaften der evangelischen und katholischen Kirche, der griechisch-orthodoxen Kirche und der türkisch-islamischen Vereinigung im Rahmen der Bauwagenkneipe zu ihrem jährlichen Fußball-Wettkampf. Und dieser fand nun schon zum 25. Mal statt.

Friedliches Kicken

„Mir ist da gar nichts aufgefallen. Bei uns hat sich nichts geändert“, sagt Pfarrer Dirk Kubitschek zum öffentlichen Konflikt. Hier kennt man sich. Und man respektiert sich. „Bei uns wird friedlich gekickt“, sagt Gerhard Rosenberger, Organisator des Fußballturniers. Verletzte gibt es keine, der griechische Ersthelfer hat nichts zu tun. Und Profi-Schiedsrichter Hayati Ilceli, der türkischer Herkunft ist und sonst an den Wochenenden Verbandsspiele bis hinauf zur Bezirksliga pfeift, kann die kleinen Konflikte zwischen den Spielern mit einem ernsten Blick und Appellen an Vernunft und Fairness umgehend ausräumen.

Doch es gibt ein anderes Problem: Die Bälle werden im Laufe des Turniers immer weniger. Entweder sie schwimmen im benachbarten Neckar oder verschwinden im angrenzenden Betonwerk. „Wir brauchen einen neuen Ball“, ruft der Schiedsrichter. Gerhard Rosenberger zuckt die Schultern: „Es gibt keinen mehr.“ „Stadionsprecher“ Dirk Kubitschek, der evangelische Pfarrer, möchte die Panne mit einigen Worten überbrücken. Demnach findet bei Gleichstand im Entscheidungsspiel ein Elfmeterschießen statt. Doch womit? Alle lachen. Schließlich werden Bälle aus ihren Verstecken geholt und es kann weiter gehen.

Angesichts der Hitze auf dem schwer bespielbaren Acker ist keiner der Akteure über die Unterbrechung traurig. Schon in den ersten Spielen musste sich die ökumenische Mannschaft der westlichen Kirchen den Griechen und Türken jeweils mit 2:0 geschlagen geben. Und die Vorjahressieger, die türkisch-islamische Vereinigung, hatte dann im entscheidenden Spiel wieder die Nase vorn. Nach spannenden Angriffen und gegen einen starken Torwart gewann sie mit 4:0. Einer der strahlenden Sieger ist Suat Cihanoglu.

Er hofft, dass beide Seiten im Streit zwischen Özil und dem DFB „bald runter kommen“. Den Vorwurf des Rassismus beim DFB kann er nicht wirklich nachvollziehen. „Dann hätten sie ihn doch gar nicht erst spielen lassen“, so seine Meinung. Gerhard Rosenberger nickt. „Schlimm war vor allem, was im Internet abging. Anonyme Drohungen und Beschimpfungen, das ist unmöglich“, sagt er. „Ja, Radikale gibt es bei uns und ein paar auch bei euch“, meint Cihanoglu. „Und die Erklärung von Bierhoff war ungeschickt“, findet er weiter. Denn Özil habe noch am besten gespielt verglichen mit beispielsweise Thomas Müller. „Und die Aussage von Uli Hoeness passt gar nicht. Ist der überhaupt noch zurechnungsfähig?“, fragt sich Rosenberger. Beide sind sich einig, dass die Politik und die Medien das Thema aufgebauscht haben. „Von Gündogan redet oder schreibt doch keiner“, stellt Cihanoglu fest.

Jedenfalls habe das „Theater“ keine Auswirkungen auf die Hobby-Kicker in Kirchheim. Suat Cihanoglu bietet vielmehr an, dass sich die türkisch-islamische Vereinigung bei der Verköstigung der Bauwagenbesucher im nächsten Jahr beteiligt. „Denn der Erlös ist ja für eure Kirche“, wendet er sich an Rosenberger und Kubitschek. „Wir wollen den Erlös für die Jugendarbeit einsetzen“, erklärt Judith Hennig, eine der vier Organisatoren der Bauwagenkneipe. Deshalb sind auch viele Konfirmanden als Helfer dabei. Spiele, das Konzert mit „Nichtschwimmer im Meer“ und „Hannah & Fred“ und viele nette Unterhaltungen umrahmen zudem den Open-Air-Gottesdienst mit dem Posaunenchor.

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