MUNDART Dr Schorsch vrzählt

Bönnigheim / JÜRGEN KUNZ 23.02.2015
Dem Gedanken von Johann Wolfgang von Goethe „Jede Provinz liebt ihren Dialekt: denn er ist doch eigentlich das Element, in welchem die Seele ihren Atem schöpft“ will wöchentlich der schwäbische BZ-Kolumnist „Schorsch“ gerecht werden. In der alluminiumblonden Lebensphase angekommen spricht und schreibt er – und darauf legt Schorch besonderen Wert – im Stuttgarter Honoratiorenschwäbischen. In der Rubrik „Dr Schorsch vrzählt“ wird er – ausgestattet mit großer Lebenserfahrung, einer gesunden Halbbildung und einem ordentlichen Maß an Selbstüberschätzung – seine schwäbische Sicht der Dinge formulieren. Dies wird heiter oder ernsthaft, weitblickend oder bodenständig, aktuell oder geschichtlich, immer aber auf schwäbisch sein.
An dera Stell’ werd’ i Euch an jedem Samstich en dr Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitong en dr Mundart ebbes vrzähle. Wia die schwäbische Mädle, so kâ mr onsern Dialekt, wo so vielfältig ond onderschiedlich isch, wia dia Leut en onserm Ländle, oifach bloß möge. Wia Sprâchforschr rausgefonde hen, macht dr Dialekt onser globalisierte Welt heimelig ond er isch a Zeicha für Vrtraua. Er wird deshalb nemme belächelt, ganz em Gegenteil, er hât a reglrechte Renaissance. Heut will i mi âmol grondsätzlich mit onserem Dialekt beschäftiga, weil der isch mendestens vier Mâl so alt, wia die Luthersprâch. Dem Reformator hen mir’s halt zom „vrdanke“, wia mir em Alltag zom schreiba hen, abr schwätza dehn mir eba schwäbisch ond des seit mendeschtens 2000 Jâhr. Mâ muss ihn abr auch bewusst pflege, sofern mr mit dr Gnad dr schwäbischen Geburt gsegnet isch. Denn ois isch klar: Wenn mr des Schwätze net mit dr Muttermilch schon en sich neigsaugt hât odr wenigschtens bereits als Pfetschakendle em schwäbischa Dialektraum uffgwachse isch, nâ wird's nex meh mit'm Schwäbischa – denn oifach lerna kâ mr schwäbisch net. Ond mir Schwâbe brauchet uff koin Fall onser Licht onder dr sprichwörtlicha Scheffel stella, weil mir schwätzet nämlich des richtige Deutsch ond befendet ons en dr beschta Gsellschaft. Dr Sprâchforscher Hermann Wax hât en de 1950er-Jâhr en Tübenga Neuphilologie, Romanistik, Französisch, Englisch ond Gschichte schtudiert ond der isch dr Autor der „Etymologie des Schwäbischen“. Nâch dem seine Rechercha isch „der Butter“ dr Beweis drfür, onser Schwäbisch isch auf Augahöh’ mit sämtliche europäische Kultursprâcha. Em Griechische ond Lateinische isch dr Artikel vom Butter – butyrum – no neutral. Aber französisch – le Beurre – oder italienisch – il Burro – isch’r bereits männlich. A Missvrschtändnis bei dr Übrsetzung vom Lateinische hât em Mittelalter bei dr Hälfte onserer Nation – dem nördlicha Toil – dr Butter weiblich gmacht. A Fehler. Mir Schwâbe hend ons dagega für dr ursprünglicha ond korrekta Artikl entschieda – ehba der Butter. I wünsch’ Euch â guate Woch’ ond em Herrgott sein Sega
Eur Schorsch
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