Bönnigheim Die Lust am schönen Auto

Bönnigheim / Von Uwe Deecke 12.06.2018

Hier waren schon einige Schönheiten zu bewundern, die von ihren Besitzern für die Ausfahrt aufpoliert worden waren. Ein betagter englischer MG startete am Autohaus Vogt ebenso wie ein schöner Mercedes 300 SL mit 190 PS. Davor gingen zwei alte NSU-Motorräder, Baujahr 1929, an den Start zur Vormittagsrunde, nachdem sie noch einmal unterm Startzelt kurz begutachtet worden waren. „Die Startprozedur war was für harte Männer“, erklärte Matthias Gerst vom TÜV-Süd die Besonderheit der alten Motorräder, die mit 75 Kilo Gewicht gerade mal 65 Kilometer pro Stunde erreichen. Welche Serie an welchem Kühlergrill zu erkennen ist und was die damaligen Neuerungen an den jeweiligen Fahrzeugen waren, auch darüber weiß Gerst bestens Bescheid, denn er ist deutschlandweit bei solchen Veranstaltungen gefragt.

Es war die 26. Veteranenausfahrt des MSC Bönnigheim, den es seit 1951 gibt. „Anfangs“, erklärt Vorstand Armin Schwegler, „gab es hauptsächlich Motorrad-Geländefahrten und Rallyes“. Heute fahre man die Fahrzeuge von einst immer noch, nur eben auf der gemütlichen Veteranenausfahrt. Er selbst hat bereits bei den deutschen Rallyemeisterschaften teilgenommen und ist seit 25 Jahren Vorstand im Verein. Einer mit Benzin im Blut, wie man in der Szene gerne sagt. Selbst besitzt er auch Veteranen, besonders liegt ihm sein Escort MK 2 am Herzen.

Zwei Rundkurse

„Hier fahren sie spazieren“,  so Schwegler, und die ersten seien schon morgens um halb acht da gewesen. Zwei Rundkurse gibt es mit Aufgaben, die unterwegs zu lösen sind, ansonsten gibt es Strafpunkte. Vormittags geht es über Brackenheim, Pfaffenhofen, Zabefeld, Sternenfels zurück nach Bönnigheim, 83 Kilometer durch die schöne Natur. Am Nachmittag gibt es einen verkürzten Kurs nach Cleebronn, Ochsenbach, Hohenhaslach, Tripsdrill zurück ans Autohaus Vogt im Industriegebiet. Den Gewinnern der ADAC-Ausfahrt winkt ein Pokal für die heimische Vitrine.

Es ist mit 69 Startern eine relativ kleine Veteranenausfahrt, die der MSC mit rund 48 ehrenamtlichen Helfern veranstaltet. Ein halbes Jahr Vorbereitung brauche es, um den Kurs abzustecken, Genehmigungen einzuholen und alles zu organisieren, erklärt der Vorstand. Auf der Strecke sind die Helfer, die die Prüfungen abnehmen, in der Fahrzeughalle und im Außenbereich gibt es anschließend das Essen, das man in diesem Jahr vom Caterer liefern ließ und im Startgeld inbegriffen ist. Sollte einmal einer Hilfe unterwegs benötigen, dann hat er auf seiner Bordkarte die Nummer von Schweglers Sohn Marc, der auch die technische Abnahme am Start macht.

Bereits seit vielen Jahren sind Gaby und Lothar Gailing aus Bietigheim dabei, die in ihrem marsroten Golf GTI Cabrio, Baujahr 1983, auf den Start warten. „Unser Hochzeitsauto“, verrät die Fahrerin, die im letzten Jahr hier Beste bei den Frauen geworden ist. „Schön ist, dass man Gleichgesinnte trifft“, so die Fahrerin, die besser fährt als ihr Mann – was dieser bestätigt. „Früher sahen noch nicht alle Autos gleich aus“, findet Gaby Gailing, „und auch die Farben waren etwas bunter“. Das Paar nimmt regelmäßig an solchen Ausfahrten teil und weiß auch warum. Sein Schätzchen auch mal zu zeigen, das bewegt die meisten hier bei den Veteranen, die sich über die Jahre schon kennen.

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