Bönnigheim Die Jagd ist schwieriger geworden

2017 hat der Bönnigheimer Jagdpächter Matthias Grünenwald 50 Wildsauen erlegt. Die scheuen Tiere machen es den Jägern nicht einfach, denn wo einmal ein Tier erlegt wurde, lassen sich die anderen nicht mehr blicken.
2017 hat der Bönnigheimer Jagdpächter Matthias Grünenwald 50 Wildsauen erlegt. Die scheuen Tiere machen es den Jägern nicht einfach, denn wo einmal ein Tier erlegt wurde, lassen sich die anderen nicht mehr blicken. © Foto: Foto: dpa
Bönnigheim / Von Uwe Deecke 17.08.2018

In Litauen wurde unlängst der größte Ausbruch der gefährlichen afrikanischen Schweinepest  gemeldet, Anfang August gab es diese in einem Zuchtbetrieb in Lettland. Dänemark plant einen Schutzzaun an der Grenze, um eine Einschleppung zu verhindern. Und sogar nach China hat es die Krankheit geschafft: Dort wurden nach 47 aufgetretenen Fällen gerade 8000 Tiere vorsorglich gekeult.

Die Sorge, dass es die Seuche von Tschechien aus auch nach Deutschland ausbreiten könnte, treibt seit Jahresanfang nicht nur die Vertreter der Landwirtschaft um, sondern auch den baden-württembergischen Minister Peter Hauk, der sich vehement für Jagderleichterungen und Anreize für Jäger einsetzt. Die Schonzeit im März und April wurde aufgehoben, Nachtzielgeräte wurden erlaubt, um der Wildschwein-Bestände Herr zu werden.

Für den Bönnigheimer Jagdpächter Matthias Grünenwald hat sich die Population zwar in den letzten Jahrzehnten stark vergrößert, ist aber in den letzten zehn Jahren relativ konstant geblieben. „Im Schnitt haben wir im Jahr 30 bis 34 Sauen erlegt“, so der Jäger, 2017 seien es um die 50 gewesen. Er hat zusammen mit seinem Vater mit 1100 Hektar, davon 410 Hektar Wald, die größte Jagdpacht in Bönnigheim und kann auf viele Jagdjahre zurückblicken. Über die Jagd hinaus kümmert er sich zusätzlich um Wildschadensverhütung und muss nachts auch raus, wenn ein Tier überfahren wurde und an der Straße liegt.

Die scheuen Tiere machen es den Jägern nicht einfach. „Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger“, so der Bönnigheimer, der seit 2015 auch stellvertretender Kreisjägermeister im Kreis Ludwigsburg ist. Die Tiere seien sehr intelligent, und sie ließen sich dort nicht mehr so schnell blicken, wo einmal ein Tier erlegt wurde. Stattdessen suchten die Tiere ihre Rück­zugsgebiete auf, wo sie kaum aufzuspüren sind.

Eine große Drückjagd gab es in diesem Jahr zusammen mit dem Forstamt Eppingen, an der 50 Jäger und 30 bis 40 Treiber sowie Hunde im Einsatz waren. Normalerweise gehen zehn bis zwölf Jäger nachts regelmäßig in seinem Revier mit raus, er selbst ist meist vier Mal pro Woche nachts auf der Jagd, wenn die Chancen am besten stehen. Nachtzielgeräte benutzt er noch nicht, er nutzt am liebsten Vollmondnächte, auch aus jagdethischen Gründen. Die Ausbeute in diesem Jahr: Sieben Sauen, die in Bönnigheim erlegt wurden, die Hauptjagdzeit kommt aber erst im Herbst.

„Es kann durchaus passieren, dass die Seuche ausbricht“, beurteilt er die Gefahr durch die afrikanische Schweinepest (ASP). Viele osteuropäische LKW fahren durch die Landkreise Ludwigsburg und Heilbronn, was zum Problem werden kann, wenn Mülleimer an den Raststätten und Parkplätzen für Tiere zugänglich sind. Hier wandte sich die Jägervereinigung bereits an die Behörden und wies auf mangelhafte Zäune an den Raststätten hin, erklärt Grünenwald.

„Der Freizeitdruck schafft Unruhe im Wald“, sagt er, die Tiere blieben länger in ihren Einstands- und Rückzugsgebieten. Und sie hätten gleichzeitig ein Überangebot an Nahrung bei warmen Wintern, die mit dem Klimawandel einhergehen. „Es gibt keine natürliche Selektion mehr“, sagt Grünenwald, der die Gefahr einer stärker steigenden Population nicht ausschließt. Da helfen seine Ansicht nach die geltende Mengenregelungen, wie bei den Kirrungen, mit denen Tiere angelockt werden, gar nichts. Auch hier sollte über Änderungen nachgedacht werden, so Grünenwald, der seit 1999 Blutproben von erlegtem Schwarzwild ans Veterinäramt schickt.

Monitoring im Landkreis

Der Landkreis führt ein Monitoring-Programm bezüglich der afrikanischen und europäischen Schweinepest durch, um die Erkrankung frühzeitig erkennen zu können. Einerseits entnehmen die Jäger von erlegten und verendeten Wildschweinen Proben, die auf Schweinepest hin untersucht werden. Andererseits entnehmen die Amtstierärzte des Veterinäramtes Blutproben von augenscheinlich gesunden Schweinen in Schweineauslauf- und Freilandhaltungen, die ebenso auf Schweinepest untersucht werden.

„Bisher verliefen die Untersuchungen allesamt negativ, das heißt die Erkrankung wurde bisher hier im Landkreis nicht nachgewiesen“, erklärt Andreas Fritz, Sprecher des Landratsamtes. Als dringende Maßnahmen empfiehlt die Behörde, Fleischprodukte nie außerhalb der Müllverwertung zu entsorgen. Auf der Jagdfläche sollte auf eine Entsorgung von Resten erlegter Wildschweine verzichtet werden. „Eine weitere wichtige Maßnahme zur Verhinderung der Ausbreitung der Schweinepest ist die Errichtung von sogenannten Verwahrstellen für Wildschweine. Dort werden die Tierkörper gesammelt, gekühlt und anschließend seuchenhygienisch sicher entsorgt. Der Landkreis plant, drei solcher Verwahrstellen einzurichten“, so der Sprecher.

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