Konzert Die Handschrift einer Frontfrau

Teresa Bergmann und ihre Band spielten erstmals in Bönnigheim.
Teresa Bergmann und ihre Band spielten erstmals in Bönnigheim. © Foto: Richard Dannenmann
Bönnigheim / Susanne Yvette Walter 12.03.2018

Teresa Bergman kennt, wer beim Straßenmusikfestival in Ludwigsburg schon mal seinen Ohren gefolgt ist, wie Jürgen Frey zum Beispiel vom Verein Kulturfenster Bönnigheim. Am Samstagabend eroberte die markante Musikerin den Burgplatzkeller in Bönnigheim.

 Das Selbstbewusstsein einer Joan Baez, die Energie einer jungen Frau, die weiß, was sie musikalisch zu sagen hat, und die Stimme dazu hat sie auch: Teresa Bergman liebt die Straße, die Begegnung mit Menschen auf Straßenmusikfestivals und auf kleinen Bühnen im Grünen, wenn gerade die Sonne untergeht. Seit sie neun Jahre alt war, ist die Neuseeländerin mit ihrer Gitarre verschmolzen – bis heute.

Sie kokettiert mit dem bunten Bild einer Straßenmusikerin und schreibt ihre Songs seit vielen Jahren schon selbst.  Dabei mischt sie den Scat-Gesang im Jazz mit funkigen und souligen Impulsen, und das mit der Stimme einer begnadeten Folk-Sängerin. Kaum einer kennt sie in Bönnigheim, wo sie am Samstagabend im Kulturkeller am Burgplatz zum ersten Mal mit ihrer Multi-Kulti-Band aus Berlin ein Gastspiel gibt. Jürgen Frey war auf dem Straßenmusikfestival in Ludwigsburg so fasziniert von der musikalischen Kraft dieser Ausnahmekünstlerin, dass er ihr die Tür zum Burgplatzkeller öffnete – einer von vielen kleinen und großen Orten, wo Teresa Bergman und ihre Band auf ihrer Tournee Station machen.

2009 wagte sie den Sprung von Neuseeland nach Berlin, ihrer neuen Wahlheimat. Dort lebt auch ihre Multi-Kulti-Band, alles Vollblutmusiker, die es verstehen, auf ihre vielseitige Stimme einzugehen, mit Kontrabass wie im Jazz, mit Schlagzeug „auf Samtpfoten“ und mit einem nicht weniger einfühlsamen Keyboarder sowie einem wabernden Bass. Das One-Way-Ticket hat im Fall Bergman genügt, denn der Grenzgängerin gelingt es sofort, Menschen zu begeistern – auch im Burgplatzkeller, wo alle erst einmal abwartend auf ihren Stühlen sitzen.

Denn fern des lautbunten Schmelztiegels Berlin wird Teresa Bergman erstmal beschnuppert und begutachtet. Auf Flohmärkten, in Fußgängerzonen und rauchigen Eckkneipen, in der Berliner U-Bahnwelt und am Brandenburger Tor mag sie inzwischen zuhause sein. Um die Provinz zu erobern, ist sie nach Bönnigheim gekommen und darf erleben, wie das Eis zu schmelzen beginnt. Teresa Bergman fährt alle Geschütze auf: ein exzellentes Finger-Picking, ein Background-Chor, der an eine Mischung aus Boygroup und A-Capella-Männerchor erinnert. Dann legt sie ein kesses Fingerschnipsen vor und steckt alle an. Tanzwut hat die guten Geister des Kulturfensters hinter der Theke gleich gepackt, und davon lassen sich die ersten Besucher doch gerne anstecken.

Latente Zeitgeistkritikerin

Teresa Bergman, die kosmopolite Singer-Songwriterin, liebt und lebt Kontraste: auf der Bühne, im Studio und bei der Straßenmusik. In ihren  Liedtexten geht es um Verwandlungen, um die ständige Veränderung im Leben und um das immer Neue, das vom Alten abgelöst wird. Sie ist latente Zeitgeistkritikerin mit persönlicher Note und Spuren von Selbstironie. Ihr Türöffner ist eine Ausnahmestimme, folkig-leicht, in den Höhen superflexibel und wendig, auch im jazzigen Scat-Gesang. Kein Song gleicht dem nächsten, ein Füllhorn an Ideen ergießt sich auf ihr Publikum in Bönnigheim und zeigt das individuelle Können einer markanten Persönlichkeit.

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