Als neuer Bürgermeister der Stadt Bönnigheim wurde am 16. Juli Albrecht Dautel verpflichtet. Im BZ-Interview spricht er über seine neuen Aufgaben in der knapp 7500 Einwohner zählenden Ganerbenstadt.

Sie sind jetzt gut 100 Tage im Amt als Bürgermeister. Wie war die Umstellung von der kleinen Kommune zur Stadt und wofür haben Sie die meiste Zeit verwendet?

Albrecht Dautel: Die größte Umstellung war sicher sich von 50 Mitarbeitern auf so viele Mitarbeiter hier im Rathaus umzustellen. Insgesamt sind wir 230 bei der Stadt, weil man natürlich gewohnt ist, jedem Guten Morgen zu sagen und es dann nicht mehr tun kann. Ich habe versucht mit allen Mitarbeitern ein Gespräch zu führen und mir am Anfang alle Außenstellen angeschaut, von der Kläranlage übers Freibad bis zu den Kindergärten und sonstigen Einrichtungen. Mit dem Gemeinderat waren wir auf Klausur und haben dort bestimmte Themen angesprochen, um eine Richtung zu bekommen. Es war ja auch dem Gemeinderat wichtig zu wissen, mit wem sie es zu tun haben.

Die Stadt ist so gewachsen, dass durch die Wohnbebauung neue Betreuungsplätze und Räume an der Schule gebraucht werden. Gibt es da Zeitdruck?

Ja, Zeitdruck haben wir. Der Gemeinderat hat ja in der Vergangenheit auch schon beschlossen, dass zusätzliche Gruppen eingerichtet werden sollen. Wir sind derzeit in der Planung für zwei Ü3-Gruppen. Ziel ist, dass die Übergangslösung im April starten kann. Die Schule muss erweitern, da haben wir jetzt den Masterplan zusammen mit dem Heilbronner Büro BKT auf den Weg gebracht. Das ist sicher ein sehr komplexes Thema, weil ja auch die Grundschule ins Schulzentrum verlagert wurde, nachdem man den Standort Karlschule aufgegeben hat. Uns wird sicher zusätzlicher Raumbedarf ins Haus stehen und es muss die Frage zur Stadtbücherei beantwortet werden. Nach Beschlusslage des Gemeinderats soll sie vom Schulzentrum weg verlagert werden. Das will ich in jedem Fall hinterfragen, weil ich es durchaus anders sehe und denke, dass die Bücherei auch ihren Platz im Schulzentrum hat. Es ist auch die Frage, was macht man mit der Turn- und Festhalle, wie nutzt man die weiter? Auch das Thema Mensa als dortige Interimslösung muss angegangen werden.

Der Kreis Ludwigsburg wächst am stärksten und die großen Bauinvestoren stehen Schlange. Wie kann man dabei bezahlbaren Wohnraum schaffen?

Bezahlbarer Wohnraum ist ein Problem. Wir haben hier als Kommune sehr viele Liegenschaften, wo wir selber Vermieter sind und sicher eine der Kommunen sind, die am ehesten günstigen Wohnraum anbieten, weil einfach viele Gebäude nicht durchsaniert sind. Im Bereich der Innenstadt hat es schon immer das Thema Innenentwicklung gegeben, die wir auch weiter betreiben mit weiterer Sanierungsförderung, die ich mir auch im nächsten Jahr erhoffe. Im Schlossfeld gibt es auch Planungen auf städtischen Grundstücken, wo wir Geschosswohnungsbau realisieren, wo aber derzeit klar ist, dass der auch hochpreisig ist. Zum Thema Quote für sozialen Wohnraum: Die Frage ist, nimmt man selbst Geld in die Hand oder geht man dazu über, die Investoren dazu zu bringen, dass sie zumindest eine feste Quote sozialen Wohnraum schaffen.

Bald steht der Flächennutzungsplan an. Wo und wie kann sich Bönnigheim danach entwickeln?

Wir haben natürlich noch den Schwerpunkt im Schlossfeld, was die Wohnbauentwicklung betrifft. Wir haben kleine Flächen in Hohenstein und Hofen, die möglich wären, um auch den Stadtteilen eine Eigenentwicklung zuzugestehen. Im Lauffener Feld haben wir zwischen acht und zehn Hektar Gewerbegebiet, die dort ausgewiesen werden können. Spannend wird die Frage sein, wie viel man nachher im Flächennutzungsplan dann bekommt und da ist es sicherlich nicht sinnvoll, mal schnell 30 Hektar auszuweisen, weil das unser Verdichtungsraum aus meiner Sicht nicht verträgt. Es muss immer auch eine gesunde Entwicklung sein hinsichtlich Flächenverbrauch und Nachwirkungen, die so eine Besiedelung mit sich bringt.

Was erwarten Sie beim Thema Verkehr? Brauchen wir Tempo 30 und bessere Straßen?

Tempo 30 macht nicht überall aber an manchen Stellen auf jeden Fall Sinn. Das werden wir jetzt auch mit dem Landratsamt diskutieren. Ich gehe davon aus, dass wir da auch sehr gute Chancen haben nach der neuen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs. Was den Zustand der Straßen betrifft: Es ist bei den Kreis- und Landesstraßen ein ganz erbärmlicher Zustand, auch hier durch den Ort. Das heißt, da bräuchte man nicht so sehr Tempo 30 sondern einfach einen neuen Straßenbelag. Da ist es mir schon wichtig, dass man eine verbindliche Aussage von Kreis und Land bekommt, wann und wie die Straßen dann saniert werden.

Die Verkehrsregelung an der Bleichwiese ist vielen ein Ärgernis. Können Sie das nachvollziehen und muss man da nachjustieren?

Mir ist das jetzt bisher nicht als dringendes Problem in Erscheinung getreten, ich weiß aber, dass es in der Vergangenheit diskutiert worden ist. Was wir tun wollen ist, dass man den Parkplatz Altstadt nochmal besser ausschildert, damit er auch für den überörtlichen Verkehr funktioniert. Man hat sich ja bewusst dafür entschieden mit dem Parkplatz den innerörtlichen Verkehr rauszukriegen. Durch das neue Amann-Quartier hat sich der innerörtliche Bereich ja auch ein Stück verlagert. Die Sophie-La-Roche Straße, mit der man diese Tangente im Planansatz aufgegeben hat, muss auch beruhigt werden und soll im Lärmaktionsplan angesprochen werden.

Es gibt offenbar auch Nutzungskonflikte am Jugendhaus, das direkt neben Museum, Vinothek, Heimatstube und Touristeninfo liegt. Welche Lösung wäre hier denkbar?

Es gibt keinen Konflikt zwischen Jugendhaus und Vinothek oder der Nutzung dort, es gibt das Problem, dass dort immer wieder der Treffpunkt von Jugendlichen ist, hauptsächlich wenn das Jugendhaus nicht geöffnet hat. Der Unterstand dort ist im Sommer ein beliebter Anziehungspunkt wie auch der Platz am Schulzentrum. Die Frage ist, welche Möglichkeiten hat man als Jugendlicher, sich im öffentlichen Bereich aufzuhalten. Es gab auch schon Überlegungen in der Vergangenheit das Jugendhaus zu verlagern, dafür gibt es aber derzeit noch keine konkrete Planung.