Schwerpunkt Weltretter Die Anbaufläche hat sich fast verzehnfacht

Der Reifegrad der Trauben ist in den Weinbergern teilweise noch unterschiedlich.
Der Reifegrad der Trauben ist in den Weinbergern teilweise noch unterschiedlich. © Foto: Helmut Pangerl
Bönnigheim / Von Uwe Deecke 11.08.2018

Seit 1993 haben bei uns erste Winzer umgestellt“, sagt Rainer Lang, erster Vorsitzender der Weingärtnergenossenschaft Stromberg-Zabergäu. Damals fingen junge Winzer auf drei Hektar mit dem ökologischen Weinbau an, inzwischen hat sich die Fläche auf 27 Hektar erweitert. Im Vergleich zur Gesamtanbaufläche von 731 Hektar wirkt der Anteil noch eher gering, den die drittgrößte Genossenschaft in Württemberg besitzt. Doch der Ökowein gehöre mit 600 000 Euro Jahresumsatz inzwischen zum festen Produktportfolio, und er erschließe sich auch neue Märkte, ist Lang überzeugt.

25 Jahre Okö-Weinbau feiert die WG in diesem Jahr, im September wird es aus diesem Grund auch besondere Veranstaltungen geben. Sechs Familien sind es, die ökologisch anbauen, fast alle aus Brackenheim, und sie sorgen dafür, dass die WG der größte Ökowein-Anbieter in Württemberg ist. Zehn Weine, vor allem württembergische Rotwein-Sorten, werden produziert, dazu kommt noch ein Secco aus ökologischem Anbau. Auch zwei pilzresistente Neuzüchtungen werden getestet, die sich die Winzer überlegt haben und das Angebot irgendwann erweitern sollen. „Piwi“-Sorten, sagt der Fachmann, was für Pilzwiderstand steht, der die Trauben weniger anfällig macht. In diesem regenarmen Jahr blieb man weitgehend verschont. „Wir haben ein rebenfreundliches Jahr“, erklärt Lang, und trotz mancher Hagelschäden dürften sich die Ertragseinbußen nur bei rund 20 Prozent bewegen.

Was macht einen Wein zum Öko-Wein? Die Weine der WG sind zertifiziert vom Ecovin-Verband, der strenge Vorgaben macht. Wenige Pflanzenstärkungsmittel dürfen verwendet werden, keine Herbizide. Es darf nur organisch gedüngt werden und im Weinberg gibt es nicht nur Gras zwischen den Zeilen sondern wechselnde Begrünungen. Dies wird von Ecovin auch jährlich kontrolliert, bevor das Warenzeichen auf das Etikett kommt. „Es bedeutet etwas mehr Handarbeit“, sagt Lang, der selbst 6,5 Hektar bewirtschaftet, diese allerdings konventionell. Doch die Weine seien wichtig für die Genossenschaft. „Öko-Weine sind ein Türöffner, um in manche Märkte reinzukommen“, weiß der erste Vorstand. Der Einstieg habe sich gelohnt, ist er überzeugt.

Jährliche Betriebskontrolle

Aus der Gegend von Bönnigheim und Kirchheim kommt nur ein Genossenschafts-Winzer, der ökologischen Weinbau betreibt. Bernd Lieberherr führt einen der ersten Demeter-Höfe der Gegend und hat vor 25 Jahren den Weinbau umgestellt. „Wir spritzen nicht gegen Unkraut am Boden“, erklärt er, „und lockern den Boden mechanisch“. Das bedeutet, dass mit einer speziellen Unterstockschar der Boden aufgelockert und das Unkraut bekämpft wird, es kann sich kein Unkraut etablieren. Mit Pflanzenmischungen wird derselbe Effekt erzielt, nur jede zweite Zeile ist in seinen Weinbergen mit Gras bewachsen. Man könne auch Kompost nehmen, durch den Humus in den Boden komme, erklärt der Kirchheimer. Pheromon-Ampullen helfen gegen den Traubenwickler, Kupfer, von dem er wenig braucht, gegen den falschen Mehltau. „Der Betrieb wird ein Mal im Jahr kontrolliert“, sagt der 49-Jährige, der Inspektor bekomme dabei den Fragebogen von Ecovin. Für ihn ist der Öko-Weinbau eine Herzenssache. „Es gehört ein Stück weit Idealismus dazu“, sagt Lieberherr. Aber es sei „ein guter Weg“.

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