Bönnigheim / Susanne Yvette Walter

Das Theater unter der Dauseck aus Oberriexingen bewegt sich als Laientheater in einer Nische. Seit 2007 sucht die Truppe besondere Spielorte, wie in dieser Saison die Bönnigheimer Altstadt. Dort entsteht ein eigenes Stück wie jetzt „Kindsglück“ aus der Feder von Barbara Schüßler. Am Samstag kamen rund 40 Neugierige zur Vorstellung des Projekts, das das Kapitel der Stadtgeschichte ins Heute transferiert.

In der Bönnigheimer Geschichte spielt das Kinderbekommen und -erziehen eine besondere Rolle, zum einen durch die Schmotzerin die vor Jahrhunderten dort  53 Kinder geboren hat und dennoch kinderlos starb, zum anderen durch die Entdeckung von Nachgeburtstöpfen in Kellern durch Heimatforscher und Kopf der Historischen Gesellschaft, Kurt Sartorius.

Rund 30 Schauspieler

Am Titel der Dauerausstellung „Kindsglück“, die Sartorius daraufhin mit Mitstreitern im Bönnigheimer Schnapsmuseum aufgebaut hat, beißen sich jetzt die Köpfe des Theaters unter der Dauseck fest und gestalten unter dem selben Titel ein Schauspiel, das an Orten in Bönnigheim Facetten des Begriffs „Kindsglück“ thematisiert. Autorin Barbara Schüßler analysierte bei der Vorstellung zunächst den Begriff: „Kindsglück, das ist das Glück, ein Kind zu bekommen, ein gesundes Kind zu haben, das Glück kinderlos zu sein; das unbeschwerte Glück des Kindes, ein Glückskind, Hans im Glück.“ Im Gegenzug grenzt sich der Begriff von glückloser Mutterschaft oder Angst vor Schwangerschaft bis hin zum Abbruch ab. Eine weitere kleine Sensation, die Bönnigheim zum Thema Kind auszeichnet, ist Sophie La Roche, die als erste Frau gilt, die einen Roman veröffentlicht hat. In „Das Fräulein von Sternheim“ geht es um das Thema Erziehung von Mädchen in ihrer Zeit.

Den Rahmen des Stücks in Bönnigheim bildet als Kulisse für den Theaterspaziergang die Altstadt. Beim Spiel mitwirken kann jeder Bönnigheimer und viele folgten bereits dem Ruf der Theatermacher zur Projektvorstellung am Samstagabend im Kulturkeller. „Das Ensemble soll aus 30 Spielern bestehen, eine Mischung aus alten Theaterhasen und Neuzugängen, auch ohne vorherige Theatererfahrung“, sagte Vorsitzender Bernd Schlegel.

 Barabara Schüßler hat bereits 17 Stücke für das Ensemble geschrieben und verfasste jetzt auch „Kindsglück“. „Wir wollen das Thema in die heutige Zeit bringen. Die handlungsleitende Figur stammt dennoch aus der Märchenwelt. Es ist Hans im Glück, das Glückskind schlechthin“, sagte sie. Schüßlers Stück besetzt die Symbole neu. Mit jedem Tauschgeschäft soll eine der Assoziationen zum Begriff „Kindsglück“ aufgegriffen und offen betrachtet werden. „Der Goldklumpen steht für das Glück, ein Kind zu bekommen, er steht für das Wunschkind in einer Welt, in der alles geplant wird: Zuerst das Studium, dann der Job, dann der Hausbau, dann das Kind“, sagte die Autorin. Das Pferd, das an die Stelle des Goldklumpens tritt, steht für den unerfüllten Kinderwunsch und die Kuh, die auf das Pferd im Märchen folgt, symbolisiert die Schmotzerin Barbara Stratzmann. Gespielt wird jede Szene an einem anderen Ort. Schauplätze sind unter anderem das Bönnigheimer Schloss, die Meierei, der Kirchhof, die Kirche samt Lettner und Hochaltar und der Kulturkeller und besondere Relikte aus alter Zeit wie der Schleifstein.

Info Wer mitzuwirken will, setzt sich mit dem Theater unter der Dauseck in Verbindung unter Telefon (07141) 242 09 27.