Es waren einfache Bürger, die durch die Aktion "Sühnezeichen" nach dem Holocaust eine Annäherung zwischen Israel und Deutschland erreichten. Und es waren einfache Bürger, die dafür sorgten, dass die ehemalige Synagoge in Freudental vor dem Abbruch gerettet wurde und in eine Begegnungsstätte umgewandelt wurde.

Nach 30-jähriger Ära, in der Ludwig Bez die Ausrichtung des PKC als Begegnungsstätte geprägt hat, führen nun Barbara Schüßler (künstlerische und pädagogische Leitung) und Isolde Siegers (Verwaltung und Organisation) die ehemalige Synagoge weiter. Die Basis der Arbeit im PKC ist die Begegnung und der Dialog der Kulturen, erklärt Isolde Siegers. "Wir sind eine Begegnungsstätte", sagt Barbara Schüßler. Die Beziehung zu israelischen Bürgern und Institutionen spielt dabei eine grundlegende, heute aber nicht mehr die einzige Rolle. Vor allem sind es nicht mehr nur Begegnungen mit jüdischen Israelis, sondern auch mit moslemischen und christlichen Bürgern des Staates. "In den Beziehungen mit Israel geht es heute nicht mehr nur um jüdische Beziehungen, sondern mit allen Israelis", sagt Isolde Siegers.

"Die Beziehungen und Begegnungen, die wir forcieren, stehen auf mehreren Säulen", sagt Schüßler. Sie nennt an erster Stelle die Beziehungen zu den Nachfahren ehemaliger jüdischer Bürger von Freudental. 1933 waren das noch 50, viele sind dann in verschiedene Länder ausgewandert, übrig blieben 15, die dann deportiert und von den Nazis umgebracht wurden. Schüssler erinnert 70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz beispielhaft an eine Familie aus Freudental, die dort umgekommen ist. Moritz, Sidonie und Adolf Hermann waren jüdische Bauern, die in Freudental andere Juden für die Landwirtschaft in Palästina vorbereiteten, was Juden aus ganz Deutschland in das kleine schwäbische Dorf brachte. Adolf Hermann war schon Jahre zuvor nach Belgien ausgewandert, wurde aber in Frankreich aufgegriffen, inhaftiert und nach Auschwitz gebracht.

Alljährlich kommen unzählige Nachfahren von Freudentaler Juden in die ehemalige Synagoge, "um zu sehen, wo die Großmutter sich verlobt hat oder wo sie gearbeitet hat", erzählt Schüßler. Die Nachfahrenforschung ist eine der wichtigsten Aufgaben in dem Centrum. Dabei entstehen neue Beziehungen und Freundschaften. "Den Nachfahren ist es sehr wichtig, zu wissen, woher ihre Verwandten stammen. Freudental wird für die, die keine Verwandten in Deutschland mehr haben, zur zweiten Heimat", sagt die PKC-Leiterin.

Die zweite Säule des PKC sind die Reisen nach Israel, wo Begegnungen stattfinden, auch mit Palästinensern und israelischen Moslems. In zwei Wochen fährt Schüßler mit einer Gruppe in den Nahen Osten, wo sie auch auf alte Bekannte treffen: Halema und Hassan Bushnaq waren schon zweimal auf dem Spätlingsmarkt im Kreishaus in Ludwigsburg, gemeinsam mit einer jüdischen Schmuckherstellerin. Die beiden Muslime "lieben das PKC", so Schüßler. Der Landkreis Ludwigsburg ist Inhaber des PKC. Durch die Kontakte von Ludwig Bez entstand vor vielen Jahren eine Partnerschaft zum Landkreis Oberes Galiläa, eine weitere Säule des PKC, das für den Landkreis Begegnungen organisiert. Es gibt Partnerschulen in beiden Landkreisen, deren Lehrer - deutsche und israelische - sich im PKC treffen und an Seminaren teilnehmen. Die Schulen pflegen einen regen Austausch miteinander. Im Kreis Ludwigsburg sind Partnerschulen: Das Alfred-Amann-Gymnasium Bönnigheim, das Friedrich-Schiller-Gymnasium Marbach, das Robert-Bosch-Gymnasium Gerlingen und die Robert-Franck-Schule Ludwigsburg. Auch diese Schulpartnerschaften wurden vom PKC initiiert.

Pädagogische Angebote, Jugendbegegnungen wie "Fairplay" oder "Living together" sind eine weitere Säule der Begegnung. Im PKC trafen schon jüdische, muslimische und christliche Jugendliche aufeinander und sprachen zum ersten Mal miteinander. Regelmäßig lädt das PKC auch Schlüsselfiguren der israelischen Gesellschaft ein, um Kontakt herzustellen, auch untereinander. "Was wir tun können, um Dialog, Toleranz und Versöhnung anzuregen, das tun wir, das ist unsere Aufgabe", sagt Barbara Schüßler. "Wir haben eine Verantwortung für den Umgang mit unserer Geschichte und die ehemalige Synagoge ist der passende Ort, mit ihr angemessen umzugehen", sagt sie.