Bönnigheim Der Holzwurm nagt im Gebälk

Der Turm der Ottilienkirche ist seit zwei Monaten eingerüstet. Nach umfangreichen Untersuchungen kann jetzt die Sanierung in Angriff genommen werden.
Uwe Deecke 11.09.2018

Seit rund zwei Monaten steht das Gerüst an der alten Hofener Ottilienkirche, die ihre Ursprünge im 12. Jahrhundert hat. Ihren Namen hat die Kirche mit dem massiven Chorturm vermutlich aus dem Ottilien-Kult. Da der Kult der heiligen Ottilie oft mit Wasser in Verbindung steht, vermutet man eine Quelle unterhalb des Kirchberges als Grund für die Schutzherrschaft der Ottilie.

Im Jahr 1379 wurde Johannes von Urbach als Kirchherr dokumentiert, im 15. Jahrhundert kam die Kirche über dem Neckartal an das Kloster Lauffen, das 1522 vom Kloster Denkendorf abgelöst wurde. Nach der Reformation wurden die Klöster aufgehoben und ihre Rechte fielen an Württemberg. Aus dieser Zeit stammt auch der goldene Wetterhahn auf der Spitze, der als Wächtersymbol an fast allen evangelischen Kirchen zu finden ist. 1760 wurde das Kirchenschiff saniert und erhöht, im Jahr 1773 wurde der Turm repariert.

Intensive Überprüfung

Ursprünglich sollte nur die Dachdeckung erneuert werden, erklärt der Hofener Pfarrer Martin Burger auf Anfrage der BZ. „Dass der Kirchturm ab der Dachrinne aufwärts erneuert werden muss, hat sich dann im Lauf der Jahre gezeigt“, so der Pfarrer. Der Mörtel an den Kanten der Dachdeckung hatte sich gelöst und zerstörte auch schon einen Glastisch im Garten. Zu Schaden kam niemand, doch ab da war klar, dass doch eine umfangreichere Sanierung folgen würde. Nachdem der Dachdecker nun den Zustand gesichtet hatte, stellte sich heraus, dass auch Balken feucht sind und ausgetauscht werden müssen. „Es hat sich gezeigt, dass das Holz feucht wird“, erklärt Burger, auch Holzwurm sei im Gebälk gefunden worden.

Zwar gab es 2007 eine Innen- und Außenrenovierung, doch am Innenleben des Chorturms wurde viele Jahre nichts gemacht. Weil die Kirche unter Denkmalschutz steht, waren auch Absprachen mit dem Landesdenkmalamt nötig. Seit rund zwei Monaten stehe man in Kontakt, führt der Pfarrer aus. Es wurden Bilder geschickt und auch einen Ortstermin gab es bereits. Auch die Naturschutzbehörde wurde informiert, da man Fledermäuse im Kirchturm vermutete. Doch dies habe sich als nicht richtig erwiesen. Stattdessen brüteten Turmfalken im Turm, deren Nachwuchs nun flügge geworden sei. Damit steht einem Beginn der Bauarbeiten nichts mehr im Wege.

Mehr als 50 000 Euro

Auf rund 50 000 bis 60 000 Euro schätzt Burger die Kosten für die umfangreiche Renovierung, in deren Verlauf Balken ersetzt werden, neu gedeckt und auch die Dachrinne erneuert wird. Auch die Uhr wird gestrichen, wenn das Gerüst schon mal steht, und die Glocken werden für die Zeit der Arbeiten abgestellt.

Die Ziegel liegen bereits im Garten und auch die Balken wurden schon ausgesucht, sodass der Zimmerer demnächst loslegen kann. Dann wird auch der Hahn, der kleine Löcher aufweist, restauriert werden. Was sich in der darunter liegenden Kugel befindet, die auf den Kirchen Ort von wichtigen Dokumenten ist, darauf ist auch Burger gespannt. Wenn alle Arbeiten erledigt sind, will man den neuen Chorturm auch gebührend einweihen, erklärt der Hofener Pfarrer.