Ganerbenfest Der Hiltburc ein Denkmal

Von Susanne Yvette Walter 23.07.2018

Zum besonderen Anlass ein besonderes Ganerbenfest in Bönnigheim: Die Stadt feiert in diesem Jahr ihr 1225-jähriges Bestehen und hängte deshalb an das Ganerbenfest am vergangenen Wochenende noch einen extra Festabend dran. Im Burghof gibt es schon am Freitagabend ein charmantes Anspiel der Historischen Gesellschaft und viel Musik. Die Stadtkapelle unter der Leitung von Rainer Falk hat einen neuen Startrommler: Noah Bickel, vier Jahre.

Tief wühlte die Historische Gesellschaft Bönnigheim mit Kurt Sartorius an ihrer Spitze nicht nur im Fundus ihrer prächtigen Kostüme, sondern mehr noch in ihrer Fantasie, um die Begebenheiten im Jahr 793 anschaulich zu machen. Nichts Genaues weiß man nämlich nicht über die Nonne Hiltburc, die im Jahr 793 die Stadt Bönnigheim, das Kloster am Michaelsberg und etliche Flecken mehr an das Kloster Lorsch verschenkte. So kam es zur ersten urkundlichen Erwähnung Bönnigheims. „Es ist ungewöhnlich, dass eine Frau in der damaligen Zeit eine solch große Schenkung macht“, bringt es Kurt Sartorius auf den Punkt.

Seit Jahrzehnten ranken sich Geschichten und Geschichtchen im Städtle um besagte Hiltburc. All diejenigen, die Stadtgeschichte hier lebendig halten, haben ihrer Fantasie freien Lauf gelassen. So erscheint Hiltburc am Freitagabend persönlich auf dem Fest in Begleitung des Ganerben Albrecht von Liebenstein (Kurt Sartorius), der vor dem Schloss auf den frischgebackenen Schultes Albrecht Dautel stößt und nicht weiß, wer das ist. Ihm erzählt er, warum in Bönnigheim überhaupt gefeiert wird und stellt ihm Hiltburc vor, die säuft und ein lockeres Leben führt. Im Spiel soll sie sich sogar einen Schultes drei Tage lang mit auf ihr Zimmer genommen haben.

Im Burghof hängen die Menschen wie Trauben vor der Bühne und erleben die Hiltburc als leichtlebige Verruchte, die – nachdem ein Mönch ihr zuredet – ihr Leben ändert und ihren Besitz dem Koster Lorsch vermacht, um sich damit einen Platz im Himmel zu sichern. Die Stadtkapelle Bönnigheim umrahmt das historische Anspiel mit Festmusik und stellt zugleich ihren neuen Trommelstar vor, der mit vier Jahren den Part der Percussion perfekt übernimmt: Noah Bickel lauscht mit weitem Blick genau, was die Kapelle spielt und zeigt sich nicht nur als sehr stabiler Rhythmusgeber. Elegant baut der kleine Mann sogar so manchen Trommelwirbel ein. Stadtmusikdirektor Rainer Falk freut sich sichtlich über so einen außergewöhnlich begabten Nachwuchs, hebt ihn hoch und Noah wird bejubelt.

Einige Debüts

Seine Eltern sind beides aktive Musiker aus den Reihen der Stadtkapelle. Der Vater Oliver Bickel spielt Euphonium, die Mutter Katharina Hahn Saxophon. „Wir haben Noah eine kleine Blechtrommel geschenkt, wie im Film. Dann hat er auf Youtube gesehen, wie es geht und das begeistert nachgemacht – stundenlang. Daraufhin haben wir ihm richtiges Handwerkszeug gekauft“, lacht der Vater.

Auch der neue Dirigent der Concordia Bönnigheim, Klaus-Peter Ammer, gibt sein Debüt zusammen mit Bürgermeister Albrecht Dautel.  Bürgermeister a.D. Korelius Bamberger steuert sein Wissen zur Stadtgeschichte bei, und Schulleiterin Tiedke setzt das Publikum darüber in Kenntnis, dass Bönnigheim eine sehr alte Schulstadt ist. „Schon 1414 bis 1435 studierten 42 Bönnigheimer in Heidelberg. Voraussetzung dafür war der Besuch der Lateinschule. Demnach muss es die schon in Bönnigheim gegeben haben“, erklärt sie und lässt die Versammlung auch wissen, wann die Lehrerin in Bönnigheim unterrichtete: „Das war 1787, die Tochter eines Lehrers, der Jahrzehnte selbst unterrichtet hatte.“

Bühnen, Musik und Stände

Das Fest wird von Petrus am Samstag gut beschützt. Auf verschiedenen Plätzen gibt es Bühnen, Live-Musik, und eine bunte Ständelandschaft lädt zum Verweilen in die Bönnigheimer Altstadt ein. Eine Delegation von rund 60 Leuten ist aus der Partnerstadt Neukirch gekommen. Auch aus Rouffach ist der französische Abgesandte Gilbert Schmidt dabei, wenn Bönnigheim feiert.

Am Sonntagmorgen dann gibt es ein zweites Highlight zum Jubiläums-Ganerbenfest. Das zweite Anspiel der Historischen Gesellschaft beleuchtet die gleiche Geschichte von einem anderen Blickwinkel. In dieser Variante der Geschichte, frei nach Geschichtenschreiber Herbert Pschierer, übergibt die Nonne Hiltburc ihren gesamten Besitz an das Kloster in Lorsch. Sie hofft, ihren kranken Vater damit vor dem Tod bewahren zu können. In dieser Variante geht es auch um den Graf Stadion und die Erbauung des Schlosses, um der Stadt und ihren Bürgern einen weiteren markanten Pfeiler in der Stadtgeschichte zu stellen. Dicht an dicht stehen die Zuschauer. Es gibt viel zu Lachen und zu Scherzen, und natürlich tanzt die feine Welt der Historischen Gesellschaft auch ein Menuett, bevor sich alle im Bönnigheim-Lied verlieren. Dann schickt Petrus doch Regen, sodass es am Sonntagnachmittag nur eins gibt: ins Trockene flüchten.

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