Bönnigheim Der Blick von außen ist gefragt

Bönnigheim / Uwe Deecke 14.09.2018

Vieles ist zu beachten, wenn es um die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr geht. Wie ist das Gefahrenpotenzial in der Stadt mit ihren Firmen, wie sind die Verkehrssysteme ausgelegt, wie werden die Gebäude baulich genutzt, gibt es Gewässer in der Nähe, wie steht es um die Ausbildung der Einsatzkräfte und wie sehen Fahrzeuge und Feuerwehrhaus aus?

Das alles sind Fragen, die alle fünf Jahre neu gestellt werden, um die Einsatzfähigkeit der Wehren zu gewährleisten. „Ich studiere sehr intensiv die Einsatzberichte der letzten Jahre“, sagt Dr. Roland Demke, leitender Branddirektor und Leiter der staatlichen Feuerwehrschule Würzburg. Der Leingartener erledigt die Aufgabe des Feuerwehrbedarfsplans noch nebenher, wenn er gefragt wird, und er einen „Blick von außen“ bieten kann.

Methode entwickelt

Entwickelt hat er die Methode selbst in den späten 1980er-Jahren, als es noch keine Bedarfspläne gab. Damals war er Kommandant der Saarbrücker Berufsfeuerwehr, in einer Gegend, in der das Geld knapp ist. Während der 20 Jahre dort, sagt Demke heute, wurde immer nur konsolidiert und alles musste kostengünstig sein. Er entwickelte damals das Konzept des Bedarfsplans für deutsche Großstädte, das dann bundesweit übernommen wurde und im Feuerwehrgesetz verankert ist.

„Die Methode ist so gestrickt, dass man’s selber machen könnte“, erklärt Demke, und viele Kommunen erledigten diese Aufgabe auch alleine. In Bönnigheim wird der Erfinder selbst die Lage beurteilen, auch auf Wunsch der Feuerwehr, wie Bürgermeister Albrecht Dautel sagt. Auch er sieht den Blick von außen als sehr hilfreich an, wie auch der Technische Ausschuss, der die Vergabe am Montag einstimmig beschloss.

Das Vorgehen bei der Erstellung ist standardisiert: Es erfolgt zunächst eine Ist-Analyse, in dem die Gegebenheiten vor Ort erfasst werden. Die Sichtung der Einsatzberichte, die Urkundenqualität haben, ist weiterer wichtiger Ausgangspunkt für den Branddirektor. Er führt auch ein Interview mit der Feuerwehrführung anhand des von ihm entwickelten Fragebogens, in dem alle relevanten Details zur örtlichen Feuerwehr, ihren Problemen und ihrer Ausstattung geklärt werden. Einen Tag lang fährt er mit durch den Ort, man besichtigt neuralgische Punkte und sieht, wo es klemmen könnte. „Danach habe ich einen sehr genauen und authentischen Eindruck“, so der 58-Jährige. Der Bedarfsplan wird dann zunächst mit der Feuerwehr intern abgestimmt, bevor er 2019 vor den Gemeinderat kommt.

Die Aufgaben der Feuerwehr hätten sich verändert, sagt Demke. Heute seien es nur noch 20 Prozent Brandeinsätze, 50 Prozent beträfen technische Hilfeleistungen. Dazu kommen Verkehrsunfälle, Türöffnungen bei Senioren und ein hohes Maß an Fehlalarmen durch die neuen Brandmeldeanlagen. Besonders in größeren Städten sei dann Selbstmotivation gefragt, sagt der Branddirektor. Doch die Meldeanlagen seien in bestimmten Gebäuden wichtig. „Man hat nur eine Chance, wenn zum Zeitpunkt Null alarmiert wird“, so der Branddirektor.

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