Das Wort kommt aus dem Althochdeutschen und dem Germanischen: Der „Vanger“ war ein Gemeinschaftsplatz, an dem man sich traf, ein Ort für Feste, Aktivitäten und Nutztierhaltung. Im Mittelalter wurde der Dorfanger oft in der Mitte zwischen zwei weit auseinander liegenden Häuserreihen angelegt, meist mit einem Gewässer oder Ententeich, in dem die Dorfgemeinschaft Fische oder Geflügel hielt. In Zeiten von Kriegen und Überfällen sicherte ein Anger nicht selten das Überleben der damals geplünderten Bewohner.

Gemeinschaftserlebnis

Im dicht bebauten Bachrain in Kirchheim entsann man sich der alten Tradition. Am Hang wurde ein solcher Anger angelegt, der den Bewohnern ein Gemeinschaftserlebnis bieten soll. Das Wasser ist zum Spielen da und kommt quasi per Knopfdruck aus dem Boden und schlängelt sich dann mit Staustufen nach unten. An der Seite stehen Bänke und Sandsteinblöcke zum Verweilen. Es war damals ein Vorschlag des Tübinger Stadtplaners Rolf Messerschmidt, der mit der Idee eines Angers als Auflockerung der Bebauung auf Zustimmung im Gemeinderat stieß.

So entstand zwischen der Lise-Meitner-Straße und dem Fichtenweg dieser Grünstreifen am Hang mit einem geschlängeltem Fußweg und dem Wasserlauf. Dazu gibt es noch einen Bewegungsplatz für Ältere: Ein Radtrainer, ein Armtrainer und ein Pedal Nordic Trainer machen auch „Sport im Sitzen“ möglich, wie Bürgermeister Uwe Seibold bei der Einweihung am Samstag sagte. „Es ist ein Abschluss und ein Ausrufezeichen für das Gebiet“, so Seibold, ein Ort des Ausgleichs. Rund 300 000 Euro hat dieser Anger gekostet. Nach dem Durchschneiden des Absperrbands hieß es dann „Wasser marsch“ und die Kinder nahmen Besitz von ihrer Spielstraße. „Es ist schon dicht bebaut worden“, sagt Annina Barin, die direkt am Anger wohnt, „aber es bringt etwas Natur zurück“. So könne sie im Garten sitzen und habe ihre Kinder dennoch im Blick, wenn sie auf dem Anger spielen.

In der Lise-Meitner-Straße verteilte die Jugendfeuerwehr Erdbeer- und Himbeerkuchen. Der Kaffee in allen Variationen kam von „J‘s Coffee“, und es gab auch ein kleines Kinderprogramm um 15 Uhr. Den musikalischen Rahmen lieferte ein Mann, den man sonst in den Steillagen am Neckar hört: Manfred Schwarzkopf begleitete mit seinem Schweizer Alphorn.