Deutlicher als in vielen Kommunen lässt sich die württembergische Geschichte in Freudental aufzeigen. Hier hatten württembergische Herrscher ein Jagdschloss im ungewöhnlichen Barockstil, erbaut von den italienischen Architekten, die auch das Ludwigsburger Schloss errichtet hatten. Hierher in die Freudentaler Kirche ließ der erste württembergische König Friedrich die Orgel aus der Ordenskapelle des Ludwigsburger Schlosses bringen, die heute die einzig erhaltene württembergische Hoforgel ist. Und hierher brachte „Schlossherrin“ Wilhelmine von Grävenitz sechs jüdische Familien mit einem Schutzbrief, die zu dieser Zeit hier ausnahmsweise Handel betreiben durften.

Ulrich Gräf, Kirchenoberbaudirektor im Ruhestand, leitete die Führung durch die Kirche, die 1686 erbaut und 1867 eingeweiht wurde. Zuvor war hier in der Ortsmitte die Marienkapelle, die um das Jahr 1200 erbaut worden war. „Vermutlich die älteste Glocke im Landkreis“ sei die kleinste der drei Glocken, die hier läuten, erklärte Gräf. „Frödetal, was so viel wie gerodetes Land bedeutet, wurde von Badenern gegründet, das trifft uns hart“, erläuterte der frühere Kirchenbaudirektor schmunzelnd.

Erst im 16. Jahrhundert gab es in Freudental eine eigenständige Kirchengemeinde, und 1685 wurde der Ort in die württembergische Herrschaft integriert. Zuvor habe es oft den Besitzer gewechselt, je nachdem wer gerade Geld brauchte. Herzog Eberhard Ludwig und König Friedrich konnten hier jagen und letzterer hat hier auch begonnen, die Kirche zu bauen. Er sei ein recht gebildeter Herrscher gewesen und habe immer wieder den Kontakt sowohl zur Kirche als auch zum Rabbinat gesucht.

Drei Schlösser im Ort

Die drei Schlösser erklärte Dieter Bertet vor Ort. Neben dem im Jahr 1729 errichteten Freudentaler Schloss mit seinem Schlosspark gab es in noch das „Schloss mitten im Dorf“, von dem nur der restaurierte Mäuseturm erhalten ist. Ein drittes Schloss befand sich direkt neben der Synagoge. Älter als das Schloss der Grävenitz sei die Scheune aus dem Jahr 1506, die daneben steht. „Sie ist aus Resten des Bietigheimer Rathauses gebaut worden“, so Bertet, „das Dachgebälk ist original“. Interessant am Schloss ist nicht nur die Rolle der Grävenitz, die 24 Jahre lang mit dem Herzog liiert war, ihm aber keinen Sohn schenken konnte. Es sei im Land vermutlich der erste schlüsselfertige Bau zum Festpreis gewesen, der hier errichtet wurde.

Die Geschichte der Juden erläuterte Journalist und Autor Steffen Pross in der wieder aufgebauten Synagoge. Im Jahr 1723 kamen sechs jüdische Familien nach Freudental und erhielten von der damaligen „Schlossherrin“ ihren liberalen Schutzbrief. Die klassizistische Synagoge, der jüdische Friedhof und weitere Spuren zeugen von blühendem Leben dieser jüdischen Gemeinde, was 1938 jäh zu Ende ging, als sie geschändet, aber nicht komplett zerstört wurde. Fotografien aus dem Sommer 1938 zeigen unten das Landleben in der Gemeinde, auf der Empore gibt es Reste des Synagogenschatz mit Kalenderfragmenten und hebräischen Schriften zu besichtigen. „Gegenüber Stuttgart hatte Freudental ein sehr konservatives Religionsverständnis“, machte Pross deutlich. Frauen und Männer waren durch die Empore strikt getrennt, ansonsten gibt es hier die Architektur einer typischen Synagoge. Besonders ist das kleinste Fenster nach Osten hin, das den ersten Stern der Nacht zeigte.

„Hier kommt man nicht so oft rein“, sagte ein Teilnehmer, der besonders die Empore spannend fand, von der aus Pross das Bauwerk erklärte. Anschließend ging es mit ihm durch den Ort bis zum jüdischen Friedhof. Um 14 Uhr gab es eine zweite Führung mit Michael Volz, dem Leiter für Pädagogik & Kultur des Pädagogisch Kulturellen Centrums (PKC). Bis 15.30 Uhr bewirtete das Team der Kita Rosenweg auf dem Kirchplatz mit Hot-Dogs, Waffeln und Getränken.