Rathaus Den Rahmen setzt das Quadrat

Farbflächen-Kompositionen sind ein Markenzeichen von Wolf-Rüdiger Hirschbiel, mit einer Vorliebe für Blau.
Farbflächen-Kompositionen sind ein Markenzeichen von Wolf-Rüdiger Hirschbiel, mit einer Vorliebe für Blau. © Foto: Martin Kalb
Bönnigheim / von Susanne Walter 22.06.2018

Und wieder ist das Grau der Betonwände im Bönnigheimer Rathaus unterbrochen durch Bilder: Bis zum 14. September zeigt der Ilsfelder Künstler Wolf-Rüdiger Hirschbiel seine abstrahierten Arbeiten dort, in denen das Quadrat eine zentrale Rolle spielt. Hirschbiel ist in Bönnigheim bekannt. Er ist dort aufgewachsen, erzählt er, und zeigt bei seiner dritten Werkschau Arbeiten, die man in der Ganerbenstadt noch nicht gesehen hat.

Der zündende Gedanke in den Arbeiten des Ilsfelder Künstlers Wolf-Rüdiger Hirschbiel ist ein architektonischer. Er verschiebt Flächen mit rechten Winkeln, Quadrate und Rechtecke hintereinander, wie Wände im gemalten Raum. Oder er setzt das Quadrat als Rahmengeber ins Zentrum des Geschehens. Es wirkt dann oft wie ein Fenster in einer Landschaft, Meer und Himmel bietet der Ausblick in die Ferne. Sie suggerieren Freiheit. Der Blick verliert sich in der gemalten Ferne, die oft verheißungsvoll leuchtet und auf den Betrachter zu warten scheint. Hirschbiels Bilder wirken beim Vorbeigehen oft schlicht und minimalistisch angelegt. Farbverläufe und Strukturen fallen auf.

Meditativer Rundgang

„Das sind aber keine Bilder, die man mal eben im Vorbeigehen zur Kenntnis nimmt“, erklärt der Künstler selbst, der sonst gerne das Deuten seiner Arbeiten dem Betrachter oder dem Kunstexperten überlässt. Sie sind wie eine Meditation, die erst greifen kann, wenn der Betrachter sich auf sie einlässt. Erst dann entdeckt man die innere Dynamik, die in diesen Arbeiten steckt. Es ist fast immer ein Dialog zwischen Nähe und Ferne, Rahmengebung und freies Sein in der Ferne machen die Spannung aus. Die Reduktion verstärkt diesen Eindruck und pointiert die schlichte Monumentalität. Natürlich kennt Hirschbiel andere Meister des Quadrats wie Malewitsch, Mondrian und Albers. Doch er lebt seinen eigenen Dialog mit der Form aus, variiert sie zum Rechteck, das er stellt, legt und schichtet. Seine Handschrift ist deutlich auch auf den kleinen Formaten am Eingang des Bönnigheimer Rathauses zu erkennen. Die Arrangements von Farbflächen wirken wie Wegweiser hinaus aus der engen Konfrontation mit einer aufgezwungenen Nähe, ein Aufbruch in den grenzenlosen Raum des Lichts. Dieser freiheitliche Gedanke scheint immer wieder neu Impulsgeber für Wolf-Rüdiger Hirschbiel zu sein, der schon als Junge nur eins wollte: „Künstler werden“.

In Bönnigheim noch nie gezeigt

Diesmal hat er Bilder ausgewählt, die in Bönnigheim noch keiner sah. „Ein paar wenige aus dem Jahr 2004 aber die Mehrheit stammt aus den letzten vier Jahren“, erzählt er. Bei der Vernissage am Dienstagabend begrüßte Bürgermeister Kornelius Bamberger den Künstler und die Gäste – eine seiner letzten „Amtshandlungen“, denn seine Amtszeit endet in wenigen Wochen.

Wolf-Rüdiger Hirschbiel wird des Malens nicht müde und findet immer wieder neu seinen persönlichen Zugang. Nur das Reden über seine Arbeiten, das überlässt er lieber den anderen und zitiert gerne Goethe, der wohl gesagt hat: „Rede nicht Künstler, bilde“ oder gleich seinen berühmten Kollegen Pablo Picasso, der es so ausdrückte: „Es reicht. Ich male die Bilder“. Schon als „junger Kerle“ hat er ein Jahr lang ein Praktikum beim berühmten Bietigheimer Kunstmaler Richard Hohly gemacht. Gelernt hat Hirschbiel Kunstglaser für die Restaurierung von Kirchenfenstern. „Das war eine Doppelausbildung Glasmaler und Kunstglaser“, erzählt er. In seiner Lehrzeit verbrachte der junge Maler die Mittagspause immer wieder in der Stuttgarter Staatsgalerie.

Später sattelte er die Ausbildung zum Kunstpädagogen obendrauf und unterrichtete fortan an den Realschulen von Marbach und Besigheim Kunst, um weiterzugeben, was ihm selbst so viel Freude macht.

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