Im Jahr 2006, vor der Sanierung, betrug die Neigung des Köllesturms nach Westen 42 Zentimeter, und die Stadt entschloss sich, zu handeln. Für 500 000 Euro wurde der Turm saniert und im Boden eine Pfahlwand verankert, die 26 Meter tief bis in den Fels geht. Zuvor aber wurde neben anderen Gebäuden auch das Torwärterhaus samt der Stadtmauer, die den Turm stützte, abgerissen. Der freistehende Turm mit nur einem Meter Fundament neigte sich bis zum Abschluss der Arbeiten um weitere 12 Zentimeter. Inzwischen ist er 64 Zentimeter aus dem Lot und es muss etwas getan werden, weil auf der Westseite nun auch ungehindert Feuchtigkeit eindringen kann.

Lehmboden ist schuld

Grund für die Schieflage sei der Lehmboden, der der Last nicht gewachsen sei, vermutete auf der Sitzung des Gemeinderats Ingenieur Johann Grau. „Es verlangsamt sich, aber es kommt nicht zur Ruhe“, erklärte er. Das Mauerwerk hat aufgrund der Spannungen Risse bekommen. Der Quaderstein in einer Ecke der Durchfahrt ist angegriffen und auch an den Bogensteinen gibt es größere Ausbrüche. Belastungen durch die Witterung, den durchfahrenden Verkehr und Streusalz stellte das Büro fest.

Allein hierfür errechnete das Büro 198 000 Euro an Sanierungskosten. Viel teurer wird es, den Untergrund zu sichern, wofür das Büro zwei Maßnahmen für geeignet hält: Zum einen die Tiefgründung im Düsenstrahlverfahren, die in acht Metern Tiefe ein neues Fundament herstellt, was aber wieder zu Setzungen führen könne. Zum anderen eine Tiefgründung mit langen Mikropfählen bis zum Fels, die „wie Spinnenbeine“ das Gebäude später tragen, so Grau. Auch hier können Beschädigungen und weitere Setzungen nicht ausgeschlossen werden. Kostenpunkt für eine dieser Maßnahmen: 800 000 bis eine Million Euro. Fördermittel könnten vom Landesamt für Denkmalpflege, Stiftungen und dem Bund kommen.

Ob die Sicherung im Jahr 2006 fehlerhaft gewesen sei, wollte Dittmar Zäh von der UWG wissen. Der Untergrund sei, so Grau, für alles verantwortlich. Problematisch könnte es werden, wenn es nun nasse und regenreiche Jahre gebe, die den Boden beeinflussen. Dramatisch sei die Neigung noch nicht, erklärte der Ingenieur.  „Wir haben Handlungsbedarf und müssen ran“, sagte Bürgermeister Albrecht Dautel, es müsse nun zunächst versucht werden, mit dem Denkmalamt Maßnahmen abzustimmen. Ein Problem ergibt sich nun auch mit dem unbebauten Nachbargrundstück, das nun nicht so einfach vermarktet werden kann. Auf die enorm hohe Summe verwies Dorothea Bechtle-Rüster von der SPD-Fraktion. „Wenn es zum Stillstand kommt, müsste man dann was machen?“, fragte sie. Fördermittel gebe es auch noch in drei Jahren, erklärte Karin Schwittay von den Freien Wählern, die sich ebenfalls vorstellen konnte, noch abzuwarten. Die Stadt wolle gewährleisten, dass sich der Turm nicht weiter neigt und sei in der Verkehrssicherungspflicht, sagte Dautel.

Bau zur Stabilisation

Die Option, den Turm mit einem Bau daneben wieder zu stabilisieren, brachte Frank Sartorius (Freie Wähler) ins Spiel. Womöglich war die neun Meter hohe und 1,60 Meter breite Stadtmauer wichtiger für die Stabilität als damals von den Planern angenommen. Sie wieder aufzubauen ist auch für Bürgermeister Dautel keine abwegige Vorstellung.    Kein Risiko eingehen wollten Hans-Martin Jäger (UWG) und Jürgen Carstens (Grüne). „Wir müssen untersuchen, damit wir wissen, welche technischen Lösungen es gibt“, so Jäger. Zunächst aber will man die Fördergelder abwarten. Der Gemeinderat beschloss einstimmig, die Förderung für die Gesamtmaßnahme mit den möglichen Förderstellen abzustimmen.