Dem „Witz vom Olli“ konnte sich am Samstagabend im Bönnigheimer Schlosshof keiner entziehen. Oliver Gimber, durch einen YouTube-Selbstläufer zum Comedian gewordener Malermeister, ließ bei der Veranstaltung innerhalb der Reihe Neckar-Enz-Kulturevents in Kooperation mit der Stadt Bönnigheim fast keine Spezies von Mensch ungeschoren davon kommen. Irgendwann traf es im Programm „Planlos durch die Nacht 4.0“ jeden.

Was 4.0 ist, weiß Gimber nicht. Es hört sich halt gut an. „Ich fahre nicht mit dem Auto auf die Bühne“, sagt der Pforzheimer zum Online-Hype mit seinen im Auto aufgenommenen Witzen. „Ich lache auch nicht viel.“ Lachen sei der Job des Publikums. Vor seinem Auftritt machte der Comedian einen Spaziergang durch die Menge. Wegen einer Achillessehnen-Verletzung an Krücken und mit orthopädischer Schiene. Für seine Fans ist „Olli“ so nahbar, dass sie ihm mittlerweile 400 bis 450 Witze in der Woche mailen.

Wer ist denn eigentlich schuld daran, dass Oliver Gimber, nicht nur Malermeister, sondern auch Unternehmensberater, aus Versehen Comedian geworden ist? Sein Kumpel Wolfi, der Witze von ihm nach Neuseeland bestellt und in einer virtuellen Gruppe geteilt hat? „Nein“, sagt Gimber. „Schuld ist mein Vater. Der hat mir im Leben glaub’ 5000 Witze erzählt.“ Die Witze sind eingebettet in Erzählungen aus Oliver Gimbers Leben. Auch aus einer depressiven Phase. Eben aus Zeiten, in denen es nicht viel zu lachen gab.

An Krücken geht der Comedian seit seinem eigenen Sommerfest vor drei Wochen. Der Drummer von „Fools Garden“ bat ihn kurz auf die Bühne. „Als ich wieder herunter springen wollte, blieb ein Teil von mir oben und das war mein Fuß“, stieg der Comedian in sein Programm ein. Seine Verletzung ist quasi die Nachfolgerin eines Achillessehnenrisses vor drei Jahren, als die TSG Hoffenheim anrief und sagte, „Olli, wir brauchen dich. Bei uns ist es gerade nicht so zum Lachen.“ So kam es, dass der Witzbold, kaum 41 Sekunden im Fußballspiel, umfiel „wie eine deutsche Eiche“. Der Schmerz am Fuß war praktisch eine „Nahtoderfahrung“ für ihn.

„Erwartet bitte keine niveauvolle Veranstaltung“, droht er an, auch „schlimme Witze“ vom Stapel zu lassen. Oliver Gimber erzählt auch Behindertenwitze, weil seine behinderten Fans das wollen. Dass im Theater die Glatzköpfe in der ersten und die Einarmigen in der zweiten Reihe sitzen, liege daran, dass die Einarmigen dann besser klatschen könnten. Kurzwitze gehören beim „Witz vom Olli“ in die Champions League: „Wenn in Lüneburg einer aus der Kirche austritt, ist der dann ein Lüneburger Heide?“ Leute wie Rigobert, Helmfried, Zabine, Zieglinde oder Zimone (pforzemerisch z statt s), die im Programm immer wieder auftauchen, sind den Zuschauern wie alte Bekannte. Frauenfeindliche Witze, die der Komödiant teilweise von Frauen geschickt bekommt, stellt er lieber nicht online, um nicht von Alice Schwarzer geküsst zu werden, sagt er.

Der schwarze Rettich

Wegen seines „schwarzen Rettichs“ in einem Shitstorm beschimpft, beleidigt und mit dem Tode bedroht, hat Oliver Gimber auch schon mal die Polizei gebraucht. Corpus Delicti war ein Witz über einen Neger, bei dem der Christbaum brennt und der wegen Verständigungsproblemen mit einem schwarz lackierten Rettich auf den Brand aufmerksam gemacht wurde. Des Unternehmers Gimber bester Kunde bezeichnete ihn daraufhin als Rassist und er verlor 20 Prozent seines Jahresumsatzes. Der schwarze Rettich war praktisch der Urknall des „Witzes vom Olli“: „Hör auf, Witze zu erzählen“, hätten seine Freunde daraufhin gesagt, berichtet er. „Damit machst du alles kaputt“, was du dir aufgebaut hast.“ Gimber fuhr morgens in seine Firma und wollte dabei seinen allerletzten Witz erzählen. Da kam eine Mail aus der Krebsklinik in Freiburg: „Immer wenn du einen Witz hochgeladen hast, kann ich alles um mich herum vergessen“, schrieb ein Patient. Gimber erkannte die Fügung. Bei seinen improvisierten Auftritten gleicht keiner dem anderen und als christlich Erzogener scheut er sich nicht davor, auch in erzkatholischen Städten einen Rabbi und einen katholischen Geistlichen nackt in den See springen zu lassen.