Neckarwestheim Castor: Schiff erreicht das GKN

Das Testschiff für den Transport der Atombehälter hat am Dienstag das Neckarwestheimer Kraftwerk erreicht.
Das Testschiff für den Transport der Atombehälter hat am Dienstag das Neckarwestheimer Kraftwerk erreicht. © Foto: Werner Kuhnle
Michael Soltys 01.03.2017

Nahe an den realen Abläufen – das ist das Ziel eines Tests, mit dem Kraftwerksbetreiber EnBW den Transport von Castor-Behältern von Obrigheim flussaufwärts nach Neckarwestheim testen will. Bekanntlich sollen in drei Fuhren 342 Brennelemente in 15 Castor-Behältern zum GKN transportiert werden, weil dort im Zwischenlager noch genügend Platz ist und in Neckarwestheim kein neues gebaut werden muss.

Wie berichtet, wurden die Castoren in Obrigheim auf einen Schubleichter verladen, der von einem Schubdschiff geschoben wird. Dieses Schiff halten Atomkraftgegner für nicht ungefährlich, weil es 2013 in Brand geraten ist. Die Konstruktion des Schubleichters mache ein Sinken „praktisch unmöglich“, versichert dagegen Kraftwerksbetreiber EnBW. Sollte es eine Panne geben, steht ein weiteres Schubboot als Ersatz zur Verfügung. Der Schubleichter habe einen eigenen Antrieb, mit dem er bei Bedarf manövrieren kann.

50 Kilmeter flussauf

Auf der 50 Kilometer langen Strecke flussaufwärts musste  der Schiffsverband gestern acht Schleusen oder Stauwehre überwinden.  Am späten Nachmittag konnten Schaulustige in Lauffen beobachten, wie das Transportschiff die Schleuse passierte und weiter in Richtung GKN in Neckarwestheim fuhr.

In Obrigheim, wo es nicht einmal ein halbe Stunde dauerte, um die Castor-Behälter zu beladen, gibt es bereits seit vielen Jahren eine Anlagestelle. In Neckarwestheim mussten Anlagestelle und eine Rampe erst gebaut werden. Sie wurden im Dezember vergangenen Jahres fertiggestellt und von den Behörden abgenommen. Alle notwendigen Beschaffungen in Neckarwestheim seien jetzt abgeschlossen, sagte ein EnBW-Sprecher. Dazu gehört vor allem eine mobile Außenrampem mit der die Rampe des Schiffs und die Rampe der Anlegestelle verbunden werden.

Die Entladung der Castor-Behälter ist allerdings nicht die einzige Funktion der neuen Anlegestelle. Von dort soll auch der Schutt abtransportiert werden, der beim Rückbau des Kernkraftwerks anfällt, dessen Block I bereits seit 2011 stillliegt.

Test über mehrere Tage

Das Transortverfahren – die Lkw rollen  mit ihrer Last auf das Schiff und wieder herab – wurde in Obrigheim bereits bei früheren Transporten geprobt, so EnBW. In dem Funktionstest, der mehrere Tage dauert, werden alle Einzelheiten unter die Lupe genommen, also Be- und Entladung, die Fahrt auf dem Fluss inklusive der Schleusen und die Entladung in Neckarwestheim. Dabei kommen alle Einrichtungen zum Einsatz, wie sie auch im Ernstfall verwendet werden, so der EnBW-Sprecher. Die Einlagerung der Castoren hatte EnBW bereits im Herbst vergangenen Jahres in mehreren Tests geprobt. Dies war, wie berichtet, von behördlicher Seite und von Gutachtern beobachtet worden und ist aus Sicht von EnBW an beiden Standorten auch erfolgreich verlaufen. Das Fazit des Energieriesen nach dem Test: „Personal und Equipment sind einsatzbereit.“ Allerdings fehlt noch die Genehmigung.

Worum es beim Castor-Transport geht

In Obrigheim wird kein neues Castor-Lager gebaut. Nach der Stillegung des Kraftwerks im Jahre 2005 beschloss die grün-rote Landesregierung die 342 verbrauchten Brennelemente in 15 Castoren von dort nach Neckarwestheim zu transportieren, wo im Zwischenlager genügend Platz ist. Doch wann, ist nach wie vor unklar. „Der Transport erfolgt frühestens dann, wenn die noch ausstehende atomrechtliche Transportgenehmigung vorliegt“, teilt Kraftwerksbetreiber EnBW mit. „Wir erwarten die Entscheidung in diesem Jahr“, ergänzte ein Unternehmenssprecher.  Sie wird vom Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) erteilt.

 Die EnBW hatte  in einer Studie  Transportoptionen geprüft und bewertet. Ein Schienentransport kam nicht in Frage, weil weder der Standort Obrigheim noch Neckarwestheim über einen Schienenanschluss verfügen. Gegenüber einem Transport auf der Straße bietet der Transport per Schiff erhebliche Vorteile, so der Kraftwerksbetreiber, da beide Kraftwerke direkt am Fluss liegen. Auf der Straße müssten Verkehrshindernisse und Engstellen überwunden werden, der Individualverkehr werde behindert.

 Der Transport per Schiff erfolgt im „Roll on/Roll off“-Verfahren. Lastwagen fahren mit den Behältern vom Kraftwerksgelände in Obrigheim auf ein spezielles Schiff, werden während des Transports fixiert und fahren am Kraftwerksgelände in Neckarwestheim mitsamt ihrer Fracht wieder vom Schiff herunter. Dieses Verfahren wurde in Obrigheim bereits geprobt. Die Castoren sind rund vier Meter lang und haben einen Durchmesser von etwa 2,5 Metern. Ein Castor kann maximal 24 Brennelemente aufnehmen. Ohne Brennelemente wiegt der Behälter rund 96 Tonnen, mit 107 Tonnen.

Aus Sicht der Atomkraftgegner löst der Transport der Castoren kein einziges Problem, sondern schafft neue. So fordert das Aktionsbündnis Castor-Widerstand eine sichere Aufbewahrung des Amtommülls in Obrigheim. Im Falle eines Unfalls auf dem Neckar und der Freisetzung von Radioaktivität werde die Situation noch dramatischer als bei einem Unfall an Land. sol