Bönnigheim/Freudental Bürgerinitiative Naturpark Stromberg-Heuchelberg: Widerstand gegen Windrad

Die Energiegenossenschaft Bürgerwindrad Bönnigheim und Umgebung plant nach eigener Aussage zwei Windräder am Standort "Rotenberg/Saukopf". Durch die vorgesehene Bündelung von Windkraftanlagen in den Planungen des Regionalverbands geht die Bürgerinitiative Naturpark Stromberg-Heuchelberg aber davon aus, dass dort nach einer Standortausweisung bis zu vier Windenergieanlagen entstehen könnten, was sie in ihrer Fotomontage visualisiert.
Die Energiegenossenschaft Bürgerwindrad Bönnigheim und Umgebung plant nach eigener Aussage zwei Windräder am Standort "Rotenberg/Saukopf". Durch die vorgesehene Bündelung von Windkraftanlagen in den Planungen des Regionalverbands geht die Bürgerinitiative Naturpark Stromberg-Heuchelberg aber davon aus, dass dort nach einer Standortausweisung bis zu vier Windenergieanlagen entstehen könnten, was sie in ihrer Fotomontage visualisiert. © Foto: Werner Kuhle/Montage: Bürgerinitiative Naturpark Stromber
JÜRGEN KUNZ 30.10.2013
Die Energiegenossenschaft Bürgerwindrad Bönnigheim und Umgebung will bekanntlich zwei Windräder am Standort "Rotenberg/Saukopf" bauen. Die Bürgerinitiative Naturpark Stromberg-Heuchelberg will dies verhindern.

Die Bürgerinitiative Naturpark Stromberg-Heuchelberg, deren Mitglieder und Unterstützer aus Freudental, Bönnigheim, Sachsenheim und Vaihingen stammen, gründete sich erst vor wenigen Monaten, nachdem bekannt geworden war, dass nach den Vorstellungen einer genossenschaftlichen Investorengruppe aus Bönnigheim Windenergieanlagen in unmittelbarer Nachbarschaft von Freudental gebaut werden sollen. "Deren Standorte ,Rotenberg/Saukopf liegen zwar auf Bönnigheimer Gemarkung, gehören jedoch zu dem unmittelbar an Freudental angrenzenden Waldgebiet. Dieses wertvolle Naherholungsgebiet liegt im Naturpark Stromberg-Heuchelberg und stellt ein Landschaftsschutz- und Vogelschutzgebiet dar und wurde sogar auf europäischer Ebene als geschütztes FFH-Gebiet ausgewiesen", so Patrick Schmid, Vorsitzender der Bürgerinitiative.

Ein weiteres Argument der Bürgerinitiative ist, dass sich dort das historische Jagdgebiet des Württembergischen Königs mit seinen bis heute erhaltenden steinernen Zeugnissen wie der Altertum genannte steinerne Jagdunterstand und der sogenannte Königsitz liegen. "Und so hat man zunächst gar nicht glauben können, als man erfuhr, dass die Gemeinde Bönnigheim für dieses Gebiet nachträglich die Aufnahme als Standort für Windkraftanlagen in den Regionalplan Stuttgart angemeldet hatte", so Schmid.

Die Möglichkeit den Bereich "Rotenberg/Saukopf" mit der Bezeichnung LB-X03 als Standort für Windkraftanlagen auszuweisen, wird zurzeit vom Verband Region Stuttgart geprüft. Dabei haben, wie in solchen Verfahren üblich ist, Bürger die Möglichkeit ihre Bedenken zu formulieren. Zum Ende der Frist der Bürgerbeteiligung am 25. Oktober übergaben nun Vertreter der Bürgerinitiative Naturpark Stromberg-Heuchelberg ihre Stellungnahme direkt an den Chefplaner der Region, Thomas Kiwitt. In einem fast einstündigen Gespräch sprachen sich die Vertreter der Bürgerinitiative dafür aus, von der Ausweisung des Standortes bei Freudental abzusehen.

"Bei einer Informationsveranstaltung des Regionalverbandes in Bönnigheim musste Kiwitt einräumen, dass für die anstehende Standortentscheidung wichtige Gegebenheiten Freudentals in seiner Behörde gar nicht bekannt sind", erklärt der Vorsitzende der Freudentaler Bürgerinitiative. So habe sich herausgestellt, dass unbekannt geblieben sei, dass der Standort "Rotenberg/Saukopf" innerhalb des für derartige Anlagen erforderlichen Schutzabstandes zur Wochenendsiedlung in Freudental und der Übernachtungsmöglichkeiten in den Baumhäusern und Schäferwagen im Naturresort Tripsdrill liegt. Ebenso das Wildparadies mit seinem Wildtier- und Greifvogelbestand sowie dem umfangreichen Bestand von Storchennestern. Schmidt: "Der Grund für diese Unkenntnis in Stuttgart war schnell ausgemacht, liegt der Wildpark doch auf Cleebronner Gebiet und gehört damit nicht zur Region Stuttgart, sondern liegt im Regionalverband Heilbronn-Franken." Genauso verhalte es sich mit dem Cleebronner Michaelsberg, der als markante Landmarke durch hoch über die Walderhebungen herausragende Windkraftanlagen nicht in seinem Panoramabild beeinträchtigt werden dürfe.

Doch selbst das historische "Königsträßle", das kerzengerade auf Freudental zuläuft, sei bislang in Stuttgart nicht "angekommen", obwohl es in seiner optischen Achse hinter dem Freudentaler Schloss auf den Waldhöhen durch die hochstehenden Windkraftanlage seiner prägenden Wirkung beraubt würde, so die Einschätzung der Freudentaler Windkraftgegner auf dem "Rotenberg/Saukopf".

Weiter argumentieren die Mitglieder der Bürgerinitiative, dass die Naherholungsfunktion in dem Gebiet des Großen Saukopf (Pfeifferhütte) und des Rotenbergs "unwiederbringlich zerstört" würden. "Denn der Flächenverbrauch allein für eine einzige solche Anlage ist mit 7.000 Quadratmeter größer als ein Fußballfeld, das gerodet werden muss. Hinzu kommen die erforderlichen Zufahrtsstraßen, die für Schwerlastkraftwagen mit 5,50 Meter Breite ausgebaut werden müssen, was tiefe Schneisen und erhebliche Bodenverdichtungen nach sich zieht, die den Wald weiter zerstören", so Patrick Schmid.

Die Bürgerinitiative Naturpark Stromberg-Heuchelberg hat, wie sie in einer Mitteilung betont, eine rege Zustimmung gefunden und habe viele Bürger dazu bewegen können, sich in Unterschriftenlisten des Protestes einzutragen, die dem Gemeinderat von Freudental vor dessen Entscheidung im Rahmen der Anhörung der Träger öffentlicher Belange übergeben werden sollen. Wobei von der Initiative immer wieder erklärt wird, dass man sich nicht gegen Windkraftanlagen wendet, wo immer sie ökonomisch sinnvoll und zugleich ökologisch vertretbar bleiben. "Um das Klima zu schützen, gilt es, den Wald zu erhalten, statt ihn abzuroden, ebenso die ökologischen Systeme und Kreisläufe zu sichern, statt sie zu zerstören", so Schmid.

Die Region wird Mitte 2104 über den Standort entscheiden.