Betroffen von Schädlingen sind nicht nur heimische Fichten sondern auch die Kiefern, Eschen und Buchen im Wald, erklärt der Bönnigheimer Revierförster Burkhard Böer auf Anfrage der BZ. Er sieht beim Fichtenbestand im Stromberg deutliche Unterschiede zu anderen Regionen wie Hohenlohe oder den Schwarzwald, wo bereits von einem drohenden Waldsterben gesprochen wird. „In den Neunzigern hatten wir einen Fichtenanteil von rund 25 Prozent, jetzt sind es etwa fünf Prozent“, so Böer.

Mit fünf Mitarbeitern im Einsatz

Böer ist aktuell mit fünf Leuten Tag und Nacht draußen, um die schadhaften Bäume zu identifizieren, die Kronen zu zerkleinern oder zu verbrennen und sich um den Abtransport zu kümmern, eigentlich viel zu wenigen. Dass private Waldbesitzer mit einer solchen Aufgabe überfordert sein könnten, ist offensichtlich. Im Stromberg seien allerdings nur rund fünf Prozent des Waldes in privater Hand.

„Die Winterstürme waren stärker als im letzten Jahr“, urteilt Böer, was auch zu vielen Schäden geführt habe. Inzwischen gebe es zwei Waldflächen, wo das Holz gefahrlos zwischengelagert werden kann. Denn es gibt Überkapazitäten. „Wir haben in halb Europa ein Problem“, erklärt der Förster die momentane Lage. Die Sägewerke sind ausgelastet, die Preise sind im Keller und das Holz lasse sich kaum vermarkten.

Problem Wassermangel

Das große Problem Wassermangel beschäftigt den Revierförster schon seit Jahren. „Uns fehlten im Stromberg im letzten Jahr 110 Liter Wasser“, erklärt der Bönnigheimer, doch auch in den Vorjahren sei es nicht viel besser gewesen. Auch 2017 hätten 100 Liter Niederschlag gefehlt, was sich nun aufsummierte und die Situation verschärfe. Die Speicher im Wald seien leer, und es brauche eigentlich wochenlange Niederschläge um das etwas auszugleichen. Die Zeit läuft aber auch in anderer Hinsicht davon. Gerade werden die Bäume grün, und noch kann man im Wald die Schwachstellen erkennen. Wenn alle Blätter da sind, wird das schwieriger werden, weiß Böer aus Erfahrung. Die mögliche Lösung sieht er in der Vielfalt der Bäume: Weg von Monokulturen und hin zu diversifizierten Wäldern mit robusten, vernehmlich einheimischen Baumarten. Eine Hauptrolle müsse darin die Eiche spielen, ist Böer überzeugt.

Vor kurzem warnte Peter Hauk, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, vor der drohenden Borkenkäferplage und richtete den eindringlichen Appell an alle privaten Waldbesitzer, Fichtenwälder laufend zu kontrollieren. Die Förster der Staats- und Gemeindewäldern sind schon seit langem alarmiert und laufend damit beschäftigt, kranke Bäume zu kennzeichnen und schnell entfernen zu lassen. „Ausgehend vom extremen Dürre-Sommer 2018 und verschärft durch teils gravierende Sturm- und Schneebruchschäden im laufenden Jahr haben die Borkenkäfer die Wälder in Mitteleuropa fest im Griff. Unsere Forstexperten prognostizieren allein für Baden-Württemberg für das Jahr 2019 Schäden für die Waldbesitzer in einer Größenordnung von rund 100 Millionen Euro“, sagte Hauk in der Mitteilung des Ministeriums. Mit einem intensiven und konsequenten Waldschutzmanagement sowie zusätzlichen Fördermöglichkeiten solle der drohenden Käferkatastrophe bestmöglich begegnet werden.

Fichten sind als Flachwurzler durch den Buchdrucker oder Kupferstecher besonders bedroht. Kronen brechen leicht ab und bei Stürmen wie zuletzt sind sie immer ein leichtes Opfer. Doch liegen bleiben dürfen sie nicht, um die Käferplage nicht noch mehr zu verschärfen.

Info Aktuell sind im Land mit rund 185 000 Kubikmetern erfasstem Käferholz über alle Waldbesitzarten hinweg etwa die fünffache Schadholzmenge angefallen wie zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Damals waren es 37 000 Kubikmeter gewesen. Allein das Sturmtief ‚Eberhard‘, das auch noch von weiteren Stürmen begleitet war, hat von Anfang März 2019 hat für schätzungsweise 500 000 Kubikmeter Sturmholz gesorgt.