Die Stadtbücherei von Bönnigheim ist zu klein, und die Medien sind im im Durchschnitt zu alt. Das ist ein Teil der Bestandsaufnahme, die Tordis Oder, die Leiterin der Einrichtung, gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen Ulrike Frenzel-Hamm und Andreja Mataj für das Konzept zur Zukunft der Bücherei erarbeitet hat.

Zur Erinnerung: Im Zusammenhang mit den Vorschlägen zur Raumoptimierung und Schulentwicklung im Bönnigheimer Schulzentrum kam aufgrund des zunehmenden Bedarfs an weiteren Klassenräumen für die Realschule und das Gymnasium der Gedanke auf, die Stadtbücherei aus dem Bau II an einen anderen Standort zu verlegen. Der Gemeinderat hat im März 2018  die Stadtverwaltung beauftragt, die beiden Gebäude Weinstraße 8 und Schmale Gasse 9 im Meiereihof als möglichen Standort zu untersuchen und ein geeignetes Architekturbüro bei den Planungen hinzuzuziehen.

Option am Schulzentrum

Im April 2018 wurde dann entschieden, einen Architektenwettbewerb mit zwei Architekturbüros durchzuführen. Durch die Personalveränderungen und die Umorganisation des Fachbereichs Ordnung, Kultur, Jugend und Soziales wurden die Aufgaben zur Standortverlagerung (noch) nicht weitergeführt. Im Zuge des Masterplans Schule wurde jedoch das Architekturbüro Krummlauf Teske und Happold auch damit beauftragt, Optionen für den Verbleib der Stadtbücherei am Schulzentrum mit zu untersuchen.

Das Konzept, das Oder im Gemeinderat vorstellte, ist bis 2030 angelegt. „Es soll eine Richtung aufzeigen, in die sich die Bücherei entwickeln soll“, sagt Bürgermeister Albrecht Dautel. Man könne nicht davon ausgehen, dass alles sofort eins-zu-eins umgesetzt werden könne.
Die Bestandsaufnahme, die Oder und ihre Mitarbeiterinnen in dem Konzept vornehmen, macht aber deutlich, dass die Bücherei eine Neuausrichtung benötigt. „Es gibt einen großen Handlungsbedarf, denn das Nutzerverhalten hat sich in den letzten Jahren sehr stark gewandelt“, heißt es in dem Konzept. Die Bücherei sei kein reiner Buch- oder Medienausleihort, sondern diene auch als Aufenthalts- und Lernort, als Unterhaltungs- und Begegnungsstätte. So stünden nicht mehr die Medien im Vordergrund, sondern die Menschen mit ihren Bedürfnissen.

Viele Medien zu alt

Die Bücherei soll also mehr zum Treffpunkt werden. Das erfordert ein neues Raumkonzept. Das soll unter anderem dadurch geschaffen werden, dass die Medienzahl verringert wird. Derzeit habe man 18 000 Medien, allerdings seien fast zwei Drittel des Bestandes älter als zehn Jahre.

Die Erneuerungsquote sei unterdurchschnittlich, und ältere Bücher würden deutlich weniger ausgeliehen. Gestützt auf Vorgaben der Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheks- und Informationsverbünde wäre bei den aktuell 280 Quadratmetern Platz für 9500 Medien in ansprechender Präsentation, heißt es. Wolle man auf den empfohlenen Bestand von zwei Medien pro Einwohner kommen, müsse man den Platz auf 450 Quadratmeter ausweiten. Auch Platz für Veranstaltungen, PC-Arbeitsplätze und Lernräume sei erstrebenswert.

Gemeinderat erneut gefragt

Dem Bücherei-Team schwebt daher eine Verkleinerung und Verbesserung des Bestands vor, bei gleichzeitiger Steigerung der Aufenthaltsqualität. In dem Konzept legt das Team auch dar, wie diese neue Ausrichtung am ehesten erreicht werden kann und vor allem wo. Hauptsächlich geht es um die Frage, ob die Bücherei neu- oder umgebaut am Schulzentrum bleiben soll oder in den Meiereihof umziehen soll. Entgegen dem Gemeinderatsbeschluss hat sich nun das Bücherei-Team aber gegen einen Umzug ausgesprochen. Die Zusammenarbeit mit den Schulen und Leseförderung würden durch einen Wegzug erschwert, so die Argumentation im Konzept.

Der Gemeinderat nahm das Konzept zunächst nur zur Kenntnis, in der Vorlage sprach sich die Verwaltung aber aufgrund der   „qualitativ hochwertigen Masterplanung“ auch für einen Verbleib am Schulzentrum aus. Dafür müsste der Gemeinderat den Verlegungsbeschluss aus 2018 aber aufheben. Dautel dazu: „Das wird noch einmal mit dem Gemeinderat diskutiert werden, und wenn das Gremium dann auch gegen einen Umzug ist, wird der Verlegungsbeschluss aufgehoben.“