Die Turn- und Festhalle war am Donnerstag mit über 250 Teilnehmern komplett besetzt. Das Thema des Abends, die Idee der „Hoffnungshäuser“ im Schlossfeld, hatte schon im Vorfeld für Aufregung gesorgt, denn es kursierten wilde Gerüchte um die Hoffnungsträger-Stiftung, die es auszuräumen galt.

35 Bewohner pro Haus

Der Vorstand der Stiftung „Hoffnungträger“, Marcus Witzke, stellte zunächst klar, dass es hier keinesfalls um Erstunterbringung von Flüchtlingen geht. Hierher sollten Menschen, die aus der Anschlussunterbringung kommen und mit eigenem Mietvertrag die ersten Schritte in ein selbstbestimmtes Leben versuchen. Die Hälfte der 16 Wohnungen soll Flüchtlingen zur Verfügung stehen, die andere jenen Bedürftigen, die mit Wohnberechtigungsschein dringend eine Bleibe suchen. 30 bis 35 Bewohner soll ein Haus haben, begleitet werden sie von einem Standortleiter, der sich um die täglichen Probleme kümmere. „Die Auswahl der Mieter passiert in einem gemeinsamen Prozess mit der Stadt“, erklärte Witzke.

Das Projekt werde gefördert durch das „Förderprogramm Wohnbau“, das den Mietpreis auf 30 Jahre 33 Prozent unter der ortsüblichen Miete festlegt. Am Standort Leonberg seien alle Bewohner in Vollbeschäftigung, machte er deutlich. Auch die Entfernungen seien machbar vom Schlossfeld zur Stadt, die rund 1,5 Kilometer entfernt liege.

„Flüchtlingsunterbringung ist nicht das Ziel“, erklärte Bürgermeister Albrecht Dautel zu Beginn. Der derzeitige Wohnungsmarkt und steigende Mieten machten es schwer, eine Wohnung zu finden. „Dem wollen wir mit mietpreisgebundenem Wohnen entgegentreten“, unterstrich der Rathauschef.

Sorgen der Schlossfeldbewohner

Die Diskussion begann zäh, doch dann kamen immer mehr Fragen der Teilnehmer, die zu einem großen Teil aus dem Schlossfeld und der dortigen Bürgerinitiative kamen. „Wir sollen jetzt auf unsere Kosten bezahlbaren Wohnraum schaffen. Wer garantiert, dass hier nur Familien mit Kindern einziehen?“, wollte eine Anwohnerin wissen. Man habe bei der Unterbringung in der Bismarckstraße keine schlechten Erfahrungen gemacht, so Dautel, so ein begleitetes Projekt sei besser als auf der „grünen Wiese“. Dass die Häuserpreise fallen, wie von vielen befürchtet, sei in Leonberg nicht eingetreten, erklärte Witzke. Dort seien in der Nachbarschaft ebenso hochpreisige Häuser gebaut worden wie anderswo.

„Was passiert, wenn hier IS-Kämpfer und Pädophile resozialisiert werden und der Kindergarten daneben ist“, fragte ein weiterer Teilnehmer, der von der Gemeinde einen Plan B wünschte. „Wie sieht konkret der Auswahlprozess aus?“, wollte Michael Rank von der Initiative wissen, der sich von der Stadt mehr Transparenz wünscht und mehrmals seine Frage wiederholte.

Es gebe sechs Monate vor Eröffnung eine erste Auswahlrunde, danach werde zusammen mit der Stadt entschieden welche Mischung von Leuten hier am besten funktioniere, erklärte Witzke. Es seien keine Geheimverhandlungen, unterstrich Bürgermeister Dautel, man werde das ganze vorher diskutieren und offen legen. Das Schlossfeld, wo es keinen Laden oder eine Bäckerei gibt, geriet anschließend ins Schussfeld. „Es gibt keinen Austausch, kein Gemeindeleben, es ist ein Wohlstandsghetto“, kritisierte eine Anwohnerin, die das Projekt unterstützt, aber am falschen Standort sieht. Der Hofener Pfarrer Martin Burger verwies auf den ökumenischen Freundeskreis für Flüchtlinge, sah den Standort aber auch als schwierig an. Vieles sei planungsrechtlich nicht berücksichtigt und viele Bönnigheimer sagten: „Das ist ein Ghetto“.

Eigentümer fühlen sich getäuscht

Dass fünfmal der Bebauungsplan geändert wurde und sich die Häuslebauer nun getäuscht fühlen, sprach eine weitere Bürgerin an. Ältere Menschen könnten nicht zum Supermarkt laufen, Kinder spielten auf der Straße, weil es keinen Bolzplatz gibt, und der versprochene Tante-Emma-Laden sei nie gekommen, kritisierte ein weiterer Bürger. „Nichts gegen das Projekt, aber wir haben andere Möglichkeiten in Bönnigheim“, so der Teilnehmer.

„Es ist ein Meinungsbildungsprozess, aus diesem Grund sind wir heute da“, fasste Dautel den Abend zusammen. Noch sei überhaupt nichts entschieden und man befinde sich erst in der Planungsphase. Die teils heftige Kritik am Wohngebiet will er mitnehmen aus der Veranstaltung, die nach zweieinhalb Stunden zu Ende ging.