Bönnigheim / Von Michael Soltys

Wenn der Bönnigheimer Meik Sartorius in diesen Tagens morgens zu seiner Arbeit in den Wengert aufbricht, dann kommt ihm die feuchte Witterung gerade recht. Es gibt ihm Gelegenheit, seinen Weinberg auf den Frühling vorzubereiten. Denn die Feuchtigkeit durchdringt die Ruten der Weinstöcke und macht es deshalb einfacher, sie an den Stock zu biegen und festzubinden. Gerade Trollinger- und die Lemberger-Rebe, wichtige Sorten in der Genossenschaft der Weingärtner Stromberg-Zabergäu, sind eher spröde und „brechen relativ schnell“, sagt Sartorius. „Bei Feuchtigkeit lässt sich das deutlich besser handhaben.“

Mit dem Biegen der Ruten beginnen die Wengerter, wenn die frostigen Wintertage zu Ende gehen und die Temperaturen ansteigen. Von den Resten der vergangenen Saison sind die Weinberge dann längst befreit, diese Art von „Frühjahrsputz“ hat bereits im November begonnen. Den Winter über wurden die Reben zurückgeschnitten und ein bis zwei Ruten übrig gelassen, an denen im Frühjahr die Knospen aufgehen. Je nach der Länge der Rute wird damit auch schon der Ertrag festgelegt, erläutert Sartorius. An den Trollinger- und Lemberger-Rebstöcken wird häufig eine dritte Rute stehen gelassen, als Sicherheit für den Fall, dass es Frost noch im Frühling gibt.

Denn das ist die große Gefahr, die sich zuletzt im Jahr 2017 dramatisch ausgewirkt hat: Immer früher beginnen die Reben wegen des allgemeinen Temperaturanstieges zu blühen, auch für dieses Jahr kündigt es sich wieder an. Sinkt das Thermometer aber im April oder gar im Mai noch einmal unter Null, dann erfrieren die Blüten, es drohen hohe Verluste.

Daran aber möchte Sartorius gar nicht denken, wenn er Rute um Rute an den Drähten festbindet. Damit stellt der Wengerter sicher, dass die Blüten sich frei entfalten können und die Trauben sich später in einem „schönen und geordneten Abstand“ entwickeln. Mit den Rebstöcken in den besseren und besten Lagen, die für die Premium-Serie der genossenschaftlichen Kellerei vorgesehen sind, geht Sartorius noch ein Stück penibler um. Sie werden sauber waagerecht ausgerichtet, was später sowohl die Reduzierung des Ertrags als auch die Ernte selbst erleichtert.

Während Wengerter Sartorius draußen an der frischen Luft die Voraussetzungen für eine gute Blüte im Frühjahr schafft, achtet Albrecht Hauber, der önologische Vorstand der Kellerei, drinnen im Keller darauf, dass alles seinen geordneten Gang geht. Von einem eigentlichen Frühjahrsputz will Hauber nicht sprechen. Denn „die Hygiene spielt bei uns Tag für Tag eine große Rolle“, sagt er. Wer Wein herstellt, müsse eben immer auf Sauberkeit und Ordnung achten. Mit Blick auf den Tag der Offenen Tür im Mai werden die Tanks noch einmal extra auf Hochglanz gebracht.

Jahrgang wird abgefüllt

Mit der Abfüllung der weißen und der Rosé-Weine bereitet sich die Genossenschaft aktuell auf den Verkauf des neuen Jahrgangs vor. An diesem Wochenende wird er auf der „Pro Wein“, der bedeutenden Weinmesse in Düsseldorf, vorgestellt. Was die Weinmacher der Kellerei zuvor vom neuen Jahrgang, der in einem langen und trockenen Sommer gereift ist, verkostet haben, „das war vielversprechend“, sagt Hauber.