Lauffen Betrugsfall: 1,2 Millionen Euro

Der Fördervereins-Vorsitzende des Lauffener Tennisclubs soll Privatleute um etwa 1,2 Million Euro betrogen haben. Er wurde jetzt in Mannheim gefasst.
Der Fördervereins-Vorsitzende des Lauffener Tennisclubs soll Privatleute um etwa 1,2 Million Euro betrogen haben. Er wurde jetzt in Mannheim gefasst. © Foto: Martin Kalb
Bönnigheim / Von Uwe Deecke 13.07.2018

Der frühere zweite Vorsitzende des Tennisclubs Lauffen soll in mindestens 28 Fällen Freunde um hohe Geldbeträge betrogen haben und war drei Monate untergetaucht. Nun wurde er in Mannheim verhaftet.

Zunächst war nur von rund 500 000 Euro die Rede, die sich Rolf H. von Freunden und Bekannten geliehen haben soll und nicht zurückbezahlt habe. Inzwischen geht es laut der Staatsanwaltschaft Heilbronn um mehr als eine Million, die der 61-jährige Brackenheimer seinen Gläubigern schuldet. Derzeit gebe es 28 Geschädigte, teilte Bettina Jörg von der Staatsanwaltschaft Heilbronn auf Anfrage der BZ mit. Doch es können noch mehr werden, die polizeilichen Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. „Der bisher bekannte Schaden beläuft sich abzüglich bereits geleisteter Rückzahlungen auf 1,2 Millionen Euro. Einige der Geschädigten haben Anzeige erstattet“, so die Erste Staatsanwältin.

Dass Rolf H. es schaffte, so viel Geld einzusammeln, ist offenbar auf seine Beliebtheit im Verein zurückzuführen. Er betreute die Damenmannschaft bis zum württembergischen Meistertitel und war zweiter Vorsitzender des Tennisclubs, dem namhafte Spielerinnen und Spieler auch von außerhalb angehören. Auch manche Spielerinnen haben Geldforderungen und Anzeige erstattet und wollen den Verein nun verlassen. Als Vorsitzender des Fördervereins des Tennisclubs war Rolf H. zuletzt tätig, wo Gelder an Spielerinnen nicht ausbezahlt wurden. Inzwischen hat der Förderverein Insolvenz angemeldet.

Europäischer Haftbefehl

Nachdem die Damenmannschaft vom Spielbetrieb in der Regionalliga abgemeldet worden war, tauchte Rolf H. im April unter. Gegen ihn wurde im Mai 2018 ein nationaler und ein europäischer Haftbefehl erlassen, ab diesem Zeitpunkt wurde europaweit gefahndet. Nach intensiven Fahndungsmaßnahmen wurde er dann am 9. Juli in Mannheim von Beamten der Kriminalpolizei Heilbronn festgenommen. „Der Beschuldigte hat sich wohl die ganze Zeit über im Bereich Mannheim aufgehalten, über den Verbleib des Geldes gibt es keine gesicherten Erkenntnisse“, so die Erste Staatsanwältin.

Zu den Motiven des Beschuldigten könnten derzeit keine Angaben gemacht werden, allerdings habe er die ihm zur Last liegenden Taten eingeräumt. Der Haftbefehl wurde durch den Ermittlungsrichter in Vollzug gesetzt, was so viel bedeutet, dass weiterhin eine Fluchtgefahr gesehen wird. Noch gebe es keine Anklage, aber „es geht um gewerbsmäßigen Betrug“, so Jörg. Dass der Förderverein nun insolvent ist, ist auch ihr bekannt. Noch liege aber keine Anzeige vom Verein vor.

„Wir sind fassungslos und sehr enttäuscht“, sagte Präsident Sven Meinl auf Anfrage unserer Zeitung. Rolf H., der als Banker, Finanz- und Schuldnerberater tätig war, habe sich ehrenamtlich über viele Jahre im Verein sehr engagiert. Es sei offenbar „eine menschliche Tragödie“, die sich hier abgespielt habe. Nach seinem Kenntnisstand habe es Renditeversprechungen gegeben, die nicht eingehalten werden konnten, nachdem er sich im privaten Umfeld Beträge verschafft habe. Er habe stets einen sehr solventen Eindruck gemacht, so Meindl. „Da muss etwas gewaltig schief gegangen sein“, so der Präsident des Tennisclubs. Der Förderverein und der Tennisclub sind wirtschaftlich getrennte Bereiche, so dass die Arbeit des TC nicht beeinträchtigt werde. Eine Anzeige seitens des Vereins habe man anwaltlich prüfen lassen und behalte man sich vor.

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