Bönnigheim Belohnung in Maryland

Kornelius Bamberger und Ann Marie Ackermann enthüllten bei einer Führung in Bönnigheim den Gedenkstein zu Erinnerung an den 1835 ermordeten Bürgermeister Johann Heinrich Rieber.
Kornelius Bamberger und Ann Marie Ackermann enthüllten bei einer Führung in Bönnigheim den Gedenkstein zu Erinnerung an den 1835 ermordeten Bürgermeister Johann Heinrich Rieber. © Foto: Uwe Deecke
Bönnigheim / Von Uwe Deeke 14.03.2018

Im Oktober 1835 wurde der Bönnigheimer Bürgermeister Johann Heinrich Rieber nach einem Wirtshausbesuch hinterhältig erschossen. Nun wartet die Belohnung für die Aufklärung des Mordfalles: Amtsnachfolger Kornelius Bamberger wird sie auf einer Buchmesse in Maryland/USA den vier Nachfahren von Friedrich Rupp, der den Mordfall 37 Jahre später in Washington DC aufgeklärt hatte, persönlich überreichen.

Damit nimmt ein Kriminalfall ein Ende, der seinesgleichen sucht. Denn nachdem der Mörder Gottlob Rueb seine Tat ausgeführt hatte, setzte er sich mit dem Schiff in die USA ab, um dort wie so viele andere verarmte Deutsche ein neues Leben zu beginnen. In der deutschen Kompanie der Pennsylvanian Volunteers kämpfte er unter General Robert E. Lee im amerikanischen Bürgerkrieg gegen die Mexikaner, ein probates Mittel, um schnell Geld zu verdienen und die Chancen auf eine Einbürgerung zu erhöhen. Er fiel, wie die Bönnigheimer Autorin Ann Marie Ackermann recherchierte, in einem Schützengraben zu Füßen des berühmten Generals im Kanonenhagel und erlangte selbst eine gewisse Berühmtheit.

„Tod eines Mörders“

Ann Marie Ackermann ist frühere US-Staatsanwältin und lebt seit vielen Jahren verheiratet in Bönnigheim. Der Bürgermeistermord faszinierte die Amerikanerin, sodass sie immer mehr Details ans Tageslicht brachte und diese in ihrem ersten Buch „Death of an Assassin“ („Tod eines Mörders“) veröffentlichte. Im Herbst war sie damit auf Lesereise durch die USA und gab auch Fernsehinterviews zum Buch, das im letzten Jahr auf Englisch auf den Markt kam (die BZ berichtete).

Ackermann und Bamberger sind nun eingeladen zum Gaithersburg Book-Festival, das am 19. Mai in Gaithersburg/Maryland stattfindet, um den vier Nachfahren von Freidrich Rupp die Belohnung zu überbringen, die die Gemeinde Bönnigheim nach dem Mord aussetzte. Aus den 200 Gulden, die damals zur Belohnung für die Ergreifung des Täters ausgesetzt waren, seien nun 1000 Euro geworden, so Kornelius Bamberger auf Anfrage der BZ. Damit sei die Geschichte dann „richtig rund“ und abgeschlossen. Dass das Buch bisher nur auf Englisch erschienen ist, bedauert auch Bamberger, der auf Einladung des Festivals in die Staaten fliegt und am 21. Mai zurückkehrt. „Wir sind dabei, einen deutschen Verlag zu finden, der die Geschichte übersetzen lässt“, so der Amtsnachfolger des damaligen Mordopfers.

Dass das Buch in den USA Aufmerksamkeit erregt, liegt an der Verehrung, die General Robert E. Lee heute noch in den USA zuteil wird. Und das machte die Recherchen nicht ganz einfach. „Dass Lees Freund ein Mörder war, bietet eine einzigartige Möglichkeit, die amerikanische Geschichte zu erzählen“, so Autorin Ann Marie Ackermann. Bemühungen, die Nachfahren Rupps zu finden, seien nicht einfach gewesen. Als man einen von ihnen anrief, habe dieser einfach aufgelegt. Erst nachdem sich der Bönnigheimer Bürgermeister mit den Amtskollegen in den USA verständigt hatte, kam bei den Nachfahren von Friedrich Rupp die Bereitschaft auf, öffentlich aufzutreten.

Ohne Stadtwein geht’s nicht

Sie werden nun im Rahmen der Buchmesse in Maryland ihre Belohnung erhalten. Dass Bamberger auch noch einen Bönnigheimer Stadtwein überreichen wird, gilt als wahrscheinlich, etwas Werbung für die Weinstadt muss schließlich sein. In jedem Fall erreicht die Belohnung die Nachfahren des Mordaufklärers und ein spektakulärer Mordfall kann damit endgültig abgeschlossen werden.

Stadtführung mit Ann Marie Ackermann

Die nächste Interaktive Stadtführung mit Ann Marie Ackermann in deutscher Sprache findet am Tag der Bürgermeisterwahl statt. In „Tatort Bönnigheim – Mord am Bürgermeister“ führt die Autorin am 15. April an die entscheidenden Orte des Verbrechens und wird aufklären, wie der Täter flüchten konnte, was davor geschah und wie das Opfer starb. Start ist um 14 Uhr am Schloss, Kosten pro Person: drei Euro. dee

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