Freudental Die Jugend soll andere Kulturen kennenlernen

Die 16-jährige Maria Dietz-Romero (links) und die Leiterin des PKC Freudental, Barbara Schüßler, waren mit einer Gruppe Jugendlicher aus der Region in Israel.
Die 16-jährige Maria Dietz-Romero (links) und die Leiterin des PKC Freudental, Barbara Schüßler, waren mit einer Gruppe Jugendlicher aus der Region in Israel. © Foto: Martin Kalb
Freudental / Gabriele Szczegulski 24.03.2017

Maria Dietz-Romero, 16-jährige Freudentalerin, widerlegt Vorurteile gegen eine Jugend, die sich nicht für Politik oder das Weltgeschehen interessiert. Und sie ist nicht alleine. Mit neun anderen Jugendlichen reiste sie unter Leitung von Barbara Schüßler, Leiterin des Pädagogisch-Kulturellen Centrums Ehemalige Synagoge (PKC), nach Israel, um die Verbindung zu muslimischen Jugendlichen aus dem Ort Kfar Manda zu vertiefen. Acht muslimische Schüler waren 2016 im Rahmen des Projkets „Open Door“ in Freudental zu Gast. „Mittlerweile sind Freundschaften entstanden“, sagt Maria Dietz-Romero.

„Das ist eine ganz andere Welt“

Unter dem Motto „Begegnung junger Menschen“ sollen Jugendliche, so Schüßler, das Leben des jeweils anderen kennen und verstehen lernen. Vor allem für die deutschen Jugendlichen war der Gegenbesuch ein ganz besonderes Erlebnis. „Das ist eine andere Welt“, so Dietz-Romero. „Nun verstanden wir, dass die arabischen Jugendlichen bei ihrem Besuch manchmal sehr befremdet waren.“ Denn die muslimischen Schüler stammen aus sehr tradtionell-religiösen Familien. Unter Jugendlichen spricht man schnell über dieses und jenes: „Schon in Deutschland waren die Schüler aus Kfar Manda sehr erstaunt, dass es in unserem Alter Mädchen gibt, die schon einen Freund haben, aber wir sprachen darüber, erklärten es und trugen so zu mehr Offenheit bei“, sagt die Freudentalerin.

Durch solche Gespräche, so sagt Barbara Schüßler, soll Verständnis entstehen. „Es ist erstaunlich, was in Israel zwischen den Jugendlichen passierte. Unsere Gruppe besuchte auch einen jüdischen Kibbuz und erzählte davon. Und nun wollen die muslimischen Jugendlichen aus Kfar Manda sich mit den nicht weit entfernt lebenden jüdischen Jugendlichen treffen“, so Schüßler. Dieses Vorhaben entstand durch die Vermittlung der Jugendlichen aus Freudental. „Da war kein erwachsener Beistand nötig, da kamen die Jugendlichen ganz von selbst drauf“, so die PKC-Leiterin.

Zusammenleben unterschiedlicher Religionen

Die Reise nach Israel führte die Freudentaler Gruppe über die arabisch-muslimische Lebensgemeinschaft in Kfar Manda an Orte, an denen das Zusammenleben von Juden, Muslimen, Christen und Drusen sichtbar wird. Ausgehend von der eigenen Geschichte sei es die Aufgabe des PKC, sich mit Diskriminierung und Ausgrenzung auseinanderzusetzen und Ansätze zu formulieren, wie ein Miteinander in der jeweiligen Gesellschaft gelingen kann, so Schüßler. Das sei der Ausgangspunkt für Projekte wie „Open Door“ und „Open Heart“.  Barbara Schüßler ist immer noch erstaunt, wie viele Jugendliche sich für eine Mitarbeit gemeldet hatten: „Wir mussten aus 30 Anmeldungen die neun auslosen, die mit nach Israel durften“, sagt sie. Denn  für mehr Teilnehmer reichte das Geld nicht. Jeder Jugendliche musste für die Reise nach Israel 120 Euro zahlen, den Rest finanzierte das PKC über Förderungen 

Maria Dietz-Romero will sich weiter im PKC engagieren, auch im neu gegründeten „Jugend-PKC“. Jugendliche können „Themen besprechen, die sie selbst mitbringen“, so Schüßler.  Maria Dietz-Romero, die das Christoph-Schrempf-Gymnasium in Besigheim besuchte und nun auf das Lichtenstern-Gymnasium in Sachsenheim geht, weiß jetzt schon, was sie mal werden will: „Ich möchte Jura studieren und dann zur Europäischen Union gehen, um zur Völkerverständigung beizutragen.“ Sie ist der festen Überzeugung, „dass ein Kulturaustausch wie der mit Israel zu mehr Verständigung und Verständnis“ beiträgt.

Junges PKC und Jugend-PKC

Im Jungen PKC treffen sich Jugendliche von acht bis 16 Jahren, um Freudental und seine Geschichte zu erforschen. Das Junge PKC erkundet historisches Material und geht der Frage nach, was wir aus der Geschichte lernen können, um das Heute und die Zukunft gut mitzugestalten. Nächster Termin beim Jungen PKC ist von Freitag, 21. April, bis Sonntag, 23. April. Das Programm in diesem Ferien-Workshop: Am Freitag geht es nach Stuttgart. Die Mitarbeiter vom „Lernort Geschichte“ erzählen vor Ort, wie Menschen jüdischen Glaubens von Stuttgart aus deportiert wurden. Am Nachmittag geht es ins Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Am Samstagnachmittag ist in der ehemaligen Synagoge der Erzählnachmittag mit Dahab Borke. Übernachtung und Verpflegung erfolgen in der Tagungsstätte des PKC. Unkostenbeitrag inklusive Programm 30 Euro.

Im Projekt „Open Door“ hatte im Frühjahr 2016 das PKC die Tür geöffnet für Jugendliche aus dem arabisch-muslimischen Ort Kfar Manda in Israel. „Open Heart“ hat dieses Projekt fortgesetzt mit dem Gegenbesuch einer Gruppe von neun Jugendlichen von 14  bis 17 Jahren aus Freudental und dem Landkreis Ludwigsburg, der im Februar stattgefunden hat. Daraus ist das Jugend-PKC entstanden, das sich am Freitag, 5. Mai, und Samstag, 6. Mai, trifft. Es ist für Jugendliche ab 16 Jahren. Was diskutiert wird, bestimmen die Jugendlichen. Verpflegung und Übernachtung erfolgen in der Tagungsstätte des PKC.  Kosten:  20 Euro.

Eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich beim PKC Freudental,  Telefon (07143) 2 41 51 oder per E-Mail: mail@pkc-freudental.de. sz

www.pkc-freudental.de

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