Hospiz Bedarf an Begleitung wird höher

Anita Ereth (links) und Susanne Hainz gehören zum Leitungsteam der  Bönnigheimer Hospizgruppe.
Anita Ereth (links) und Susanne Hainz gehören zum Leitungsteam der Bönnigheimer Hospizgruppe. © Foto: Hospizgruppe
Bönnigheim / Susanne Yvette Walter 14.12.2017

Bei der Diagnose einer unheilbaren Krankheit verzweifeln viele Menschen. Angehörige sind überfordert und mit ihrem eigenen Schmerz selbst so belastet, dass sie dem Sterbenden in den schwersten letzten Tagen nicht immer beistehen können. In dieser Situation bieten 16 Ehrenamtliche der Hospizgruppe der Bönnigheimer Sozialstation Hilfe an. Unter dem Dach der Sozialstation, die für Erligheimer und Kirchheimer Bürger genauso zuständig ist, gibt es auch eine Trauergruppe für Hinterbliebene, die immer mehr Zulauf findet.

Anita Ereth leitet die Hospizgruppe der Sozialstation, bei der ehrenamtlich arbeitende Menschen in die Häuser zu Schwerstkranken und deren Angehörigen gehen um Unterstützung zu geben. „Wir sind jetzt im vierten Jahr und werden immer mehr angefragt“, betont Ereth. 25 Sterbefälle haben sie und ihre 15 ehrenamtlich arbeitenden Kollegen im Landkreis Ludwigsburg in diesem Jahr begleitet. Viele davon auch außerhalb des Einzugsgebiets.

Anita Ereth hat der bewusste Umgang mit dem unausweichlichen Thema weitergebracht. „Ich kann ruhiger mit dem Thema umgehen. Man begegnet Menschen in Ausnahmesituationen auf einer Ebene, auf der man ihnen im Alltag nie begegnet wäre“, sagt sie. Die Mitarbeiter der Hospizgruppe unterliegen alle der Schweigepflicht. Die Gruppe besteht zur Zeit aus 13 Frauen und drei Männern im Alter zwischen Mitte 40 und Mitte 70 Jahren.

Als Einsatzleitung koordiniert Anita Ereth ihre Mitarbeiter. Manche Begleitungen dauern nur wenige Stunden, andere erfordern, dass man sich mehrmals die Woche intensiv um einen Sterbenden und seine Angehörigen bemüht. „Wir kommen ins Pflegeheim genauso wie in einen Privathaushalt Wir freuen uns immer, wenn wir frühzeitig angefragt werden, doch da herrscht oft bei den Angehörigen Unsicherheit darüber, ob der Zeitpunkt schon gekommen ist“, erklärt sie.

Bei manchen Sterbenden sitzen die Mitarbeiter der Hospizgruppe nur still am Bett. Bei anderen legen sie entspannende Musik auf, führen Gespräche und streicheln oder halten auch mal eine Hand, wenn das als angenehm empfunden wird. „Es gab auch schon Fälle, da sind wir zu zweit gekommen. Einer kümmerte sich um den Sterbenden, der Zweite ging mit einem Angehörigen spazieren“, lässt sie wissen

Meike Junginger engagiert sich mit einem Gruppenangebot, bei dem Angehörige auch dauerhaft immer wieder ihre Trauer ausleben und darüber reden können. „In der Gesellschaft ist es ja oft so, dass man nach einem Beileidswunsch wieder ins Alltägliche übergeht und der Trauernde keine Möglichkeit hat, sein Leid über eine längere Dauer anderen mitzuteilen“, erklärt Meike Junginger. Die Trauergruppe gibt es seit zwei Jahren. Sie trifft sich einmal im Monat, mittwochs um 16.30 Uhr in der Sozialstation. Im neuen Jahr wird das jeder erste Mittwoch im Monat sein. Zusätzlich gibt es immer wieder Angebote zum Besuch des Trauercafés am Sonntag, weil es oft die Wochenenden sind, an denen Trauernde sich allein gelassen fühlen.

„Wir sitzen zusammen und jeder zündet für jemanden eine Kerze an. Dann gibt es Gespräche, die Menschen in einer ähnlichen Lebenslage oft verbinden.“ Themen sind die Hochs und Tiefs im Alltag des Trauernden. Belastende Erlebnisse kommen genauso zur Sprache wie positive.

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