Vor knapp vier Jahren war das Vorhaben, die stadteigene Fläche des Reitvereins auf dem Schlossfeld den Hohenstein Instituten zur Verfügung zu stellen, im Bönnigheimer Gemeinderat. Es folgten Diskussionen im Verein bis hin zum Rücktritt des Vorstandes, die Suche nach einer Ersatzfläche, der Erwerb der neuen Grundstücke und Verhandlungen mit dem Regierungspräsidium, um den regionalen Grünzug bei Hofen überhaupt bebaubar zu machen (die BZ berichtete). Und artenschutzrechtliche Einwände, die das Ganze nun weiter verzögern: Fledermäuse, Schleiereulen und Rauchschwalben haben sich auf dem Schlossfeld angesiedelt und zwei Gebäude dürfen daher bis zum Herbst nicht abgerissen werden. Sie sollen, so der Plan der Verwaltung, am besten mit umziehen und bei Hofen dann ihren neuen Lebensraum finden.

Dautel ist zufrieden

„Es ist ein Ergebnis, das an der Stelle funktioniert und dem Reitverein gerecht wird“, sagte Bürgermeister Albrecht Dautel, selbst erst seit einem Jahr mit der Problematik befasst, zum neuen Platz. Es sei ein zukunftsfähiger Standort, so der Bürgermeister, sowie eine gelungene Standortverlegung. Hauptamtsleiter Klaus Walz, der das Verfahren über die Jahres mühsam voran brachte, berichtete auch von der Bürgerveranstaltung zum Schlossfeld, in denen es große Bedenken hinsichtlich des Verkehrszuwachses gab. „Sehr gut und sachlich“ sei diese verlaufen. Die Kritiker befürchten durch das starke Wachstum der Institute aber immer noch bis zu 1000 Fahrzeuge täglich, die durch das Wohngebiet zu ihrem Arbeitsplatz und zurück fahren werden.

Dass das Landratsamt auch hier mit schwäbischer Gründlichkeit alle Verordnungen anwenden und Maßnahmen prüfen würde, war keine Überraschung. So wurde zur Brutzeit keine Abbruchgenehmigung für die beiden Gebäude erteilt und eine artenschutzrechtliche Untersuchung verlangt, die gerade läuft. Auch bei den Ausgleichsmaßnahmen gibt es Probleme. Das anvisierte Waldrefugium mit einem Alt- und Totholzkonzept wurde nicht anerkannt, weil ein paar Quadratmeter fehlen, wie Andreas Tiefau vom Büro KMB bekannt gab.

Ärgerlich für Walz, der bald aus dem Amt scheidet, sind nun auch die Einwände, die nach so langer Zeit von privater Seite kommen. So etwa sieht die Open Grid GmbH den Bebauungsplan kritisch, da ihre mögliche Erdgastrasse durch das Gebiet von den Bäumen beeinträchtigt sei und Stellplätze einen möglichen Arbeitsstreifen beim Leitungsbau verhinderten. Dies führe zu „erheblichen Erschwerungen der geplanten Leitungsbaumaßnahme“, argumentiert das Unternehmen. Auch Telefónica Deutschland hat Einwände: Durch ihre Richtfunkstrecke müssten die Gebäudehöhen an der Stelle von zwölf auf zehn Meter reduziert werden, wie Tiefau erläuterte.

Bei den Stellungnahmen der Schlossfeld-Bewohner stand der Verkehr im Mittelpunkt: Die Zahl der Fahrzeuge habe sich seit 2016 deutlich erhöht, die Lärmemissionen seien höher geworden und die Situation für spielende Kinder gefährlich. Zufahrten über die Kastanienallee, die Schlossbergsteige und an den Weinbergen von Hofen her sollten geprüft werden, um das Wohngebiet zu entlasten. Tiefau hatte hier eine gute und eine schlechte Nachricht. Die Anfahrt zum Parkhaus könne nun auch über die Hohensteiner Schlosssteige stattfinden. Gleichzeitig sei aber nicht vorgesehen, die Sudetenstraße als Spielstraße auszuweisen.

„Warum macht man die Untersuchung nicht gleich?“, wollte Dittmar Zäh (UWG) zu den Fahrzeugzahlen wissen. Erst wenn das Parkhaus gebaut sei, wisse man, wie die Verkehrsströme laufen, erklärte Walz. „Wir sollten darauf achten verschiedene Optionen zu bieten, wie an- und abgefahren wird“, schlug Jörg Stolzenberger (Grüne) vor. Die Verwaltung wurde einstimmig ermächtigt nach den nötigen artenschutzrechtlichen Maßnahmen eine verkürzte Auslegung durchzuführen.