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Kirchheim / Uwe Deecke  Uhr

Vor der Sitzung des Gemeinderats in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass das Land nun trotz des noch guten Fahrbahnbelages bereit ist, die Kirchheimer Ortsdurchfahrt B 27 mit einem „Flüsterasphalt“ zu versehen (die BZ berichtete). Der Grünen-Abgeordnete Daniel Renkonen hatte diese Lösung durch Gespräche mit dem Regierungspräsidium ermöglicht, das die Gelder in Aussicht stellte. Bezahlen muss die Kommune in diesem Fall aber für die Sanierung der Schächte und Schachtdeckel, die auf rund 200 000 Euro veranschlagt werden.

Ursprünglich wurde davon ausgegangen, dass sich Tempo 30 und der neue Asphalt gegenseitig ausschließen. Doch das ist offenbar nur eine Frage der Asphaltqualität. Denn es gibt Beläge, die auch mit der niederen Geschwindigkeit lärmmindernd wirken können, wie in der Sitzung deutlich wurde. Die Unabhängigen als größte Fraktion im Gemeinderat haben Tempo 30 als klares Ziel und sind auch bestrebt weitere Verkehrsmaßnahmen im Gremium anzustoßen.

Kommune ist Planungsträger

Nach einem neuen Urteil des Verwaltungsgerichtshofs ist die Kommune jetzt selbst als Planungsträger für die Umsetzung der Maßnahmen zuständig. Das Landratsamt Ludwigsburg hatte daher Mitte Februar die Verantwortung an die Gemeinde zurückgegeben und kann vorgeschlagene Maßnahmen nur dann ablehnen, wenn diese rechtswidrig abgewogen wurden. Der Gemeinderat versucht nun einen Kompromiss zwischen dem zugesagten „Flüsterasphalt“ und Tempo 30 zu erreichen. Es soll dort gelten, wo die Messwerte es verlangen und auf der B 27 bis zur Hofener Straße reichen.

Schleichverkehr verhindern

Beantragt werden dort auch Engstellen an der Hauptstraße, ein verkehrsberuhigter Bereich am Rathaus, alternierendes Parken in der Wilhelmstraße und ein Lkw-Verbot für Nicht-Anlieger in der Schillerstraße, was den Schleichverkehr durch den Ort verhindern soll. Bekannt wurde auch, dass die im letzten Jahr beantragte Vollampel B 27/Hohensteiner Straße nun geplant wird. Das Landratsamt beauftragte für die Lieferung der Verkehrszahlen den kommunalen Verkehrsplaner Leutwein & Partner, der seit geraumer Zeit die Untersuchungen zum Lärmaktionsplan für Kirchheim durchführt, so Bürgermeister Uwe Seibold auf Anfrage der BZ.

Die Befürchtungen, dass mit Einführung von Tempo 30 täglich 2000 Autos und Lkw mehr die Schleichwege mitten durch den Ort benutzen, allen voran die Bahnhofstraße, Wilhelmstraße und Schillerstraße, haben sich mit den Planungen abgemildert. Die Kirchheimer Bürgerinitiative „B27 raus aus Kirchheim“ habe das Asphalt-Thema in einer Vorstandssitzung diskutiert und sei zum Schluss gekommen, dass dieser „nicht die ideale Lösung“ sei, sagt Rolf Riecker von der BI auf Anfrage der BZ. Motorgeräusche seien immer lauter als die Rollgeräusche.

Primär verfolge die Initiative Tempo 30, da es in erster Linie um Sicherheitsaspekte gehe, so Riecker.