Seit vielen Jahren wird der schlechte Zustand der Friedhofskapelle mit den Aufbahrungsräumen kritisiert, die in Bönnigheim am westlichen Rand des Friedhofsgeländes steht. Auf dem Friedhof wurde zuletzt ein Urnengarten angelegt, nachdem die Nachfrage für Urnengräber stark gestiegen ist. 25 Gräber pro Hügel gibt es nun, so dass der Garten für 125 Gräber Platz bietet. Nachdem es wegen zu hoher Kosten eine zweite Ausschreibung gab, wurde die Maßnahme schließlich für 125 000 Euro abgeschlossen. Für eine fünfte Urnenwand soll es noch in diesem Jahr eine Ortsbegehung geben. In Hofen soll der Friedhof ebenfalls einen Urnengarten bekommen, während in Hohenstein umfassender saniert werden soll.

Nun kann aufgrund von Malerarbeiten die in die Jahre gekommene Friedhofskapelle vom 16. bis 22. September nicht genutzt werden. In dieser Zeit stehe die Stadtkirche für Trauerfeiern zur Verfügung, teilt die Stadtverwaltung mit. Zugleich werde die über 50 Jahre alte Orgel auseinandergebaut und generalüberholt.

Der äußere Zustand von Kapelle und Räumen ist schlecht und sie ist viel zu klein für größere Bestattungen. Schon im Jahr 2002 wurde von der damaligen Gemeinderätin Elfriede Mederake die Sanierung und Erweiterung der von der Firma Amann gestifteten Kapelle angeregt, es tat sich aber nichts. 2013 sammelte dann eine Bönnigheimer Interessengemeinschaft rund 500 Unterschriften für die Sanierung des Gebäudes. Renate Opiolla und Reiner Sartorius vom damaligen Kirchengemeinderat kritisierten den Zustand, „der einer Stadt wie Bönnigheim“ nicht würdig sei. Die im Jahr 2014 für die SPD in den Gemeinderat gewählte Schulrektorin und Reiner Sartorius hatten damals mit dem evangelischen Stadtpfarrer Eyub Aksoy und seinem katholischem Kollegen Hans R. Drescher Gespräche mit Bürgermeister Kornelius Bamberger geführt. Getan hat sich indes nichts. Auch die 500 Unterschriften, die man gesammelt hatte, wurden danach nicht übergeben.

Unterstützung erhielt die Initiative auch von den beiden Pfarrern. Aksoy kritisierte, dass durch die Enge in den Aufbahrungskammern ein Gebet und ein würdiger Abschied mit den Angehörigen von dem Verstorbenen kaum möglich seien. Der katholische Pfarrer Hans R. Drescher befand den Zustand als „nicht mehr zeitgemäß“. Die Aussegnungshalle sei im aktuellen Zustand kein Ort, an dem man würdig Abschied nehmen könne. Dass es in der Bönnigheimer Aussegnungshalle nur eine einzige klimatisierte Zelle gibt, wurde in der Initiative ebenso kritisiert wie die Rampe im Gebäude und der allgemeine Zustand.

Trauerfeiern in der Stadtkirche

Der jetzige evangelische Pfarrer Ulrich Harst übernimmt aufgrund der Größe der Kapelle oft Trauerfeiern in der Cyriakuskirche, die schon aufgrund der Teilnehmerzahlen in der Kapelle nicht möglich wären. Dann wird der Sarg mit dem Auto zum Friedhof gefahren und die Angehörigen und Teilnehmer folgen auf einem kleinen Weg durch die Stadt ans Grab. „Ein würdiger Rahmen ist dort nicht möglich“, urteilt auch er zur alten Kapelle, die einfach zu klein sei. „Ich sehe, dass sich die Stadt Gedanken machen muss, wie es da weiter geht“, so Harst. Man müsse sich ein Gesamtkonzept überlegen, wie man hier vorgehen könnte. Auch in Hofen und Hohenstein seien Gemeindemitglieder nicht glücklich mit der momentanen Situation.

Problematischer Standort

Bestattungen sind im Grunde Sache der Kommune. Dass es an der Kapelle mit dem neuen Gemeinderat und dem neuen Bürgermeister Albrecht Dautel nun endlich voran gehen könnte, ist die Hoffnung vieler Bönnigheimer. „Was wir machen sind Unterhaltungsarbeiten, aber wir haben hier Handlungsbedarf“, sagt Dautel auf Anfrage der BZ. Auch ihm ist die langjährige Diskussion bekannt, aktuell sei eine echte Sanierung aber nicht im Haushaltsplan vorgesehen. Problematisch sei die laute Lage an der Spitze des Friedhofs an der Lauffener Straße, wo es viel Lkw-Verkehr gebe, gibt Dautel zu bedenken. Aber es gehe auch um die Größe der Halle, die in der Diskussion ein Thema sei. Er ist im Gespräch mit den Pfarrern, um in der Frage einer passenden Konzeption nun einen Schritt weiter zu kommen.