Rund 380 Bürger hatten an der Einwohnerversammlung vor zwei Wochen teilgenommen und ihre Sorgen wegen einer zentralen Unterbringung von Flüchtlingen in der Erstaufnahme zum Ausdruck gebracht. Über 200 Unterschriften waren im Vorfeld gesammelt worden, mit denen sich die "Initiative Gaisgraben" gegen einen solchen Modulbau für bis zu 64 Flüchtlinge in der vorläufigen Unterbringung wendete (die BZ berichtete). Fragen nach der Sicherheit waren ebenso vertreten wie solche nach einer Anschlussnutzung, wenn das Gebäude nicht mehr für Flüchtlinge benötigt wird. Auch Bedenken, dass Freudental als kleine Gemeinde ohne Nahversorgung für eine solche Unterkunft ungeeignet sein könnte, wurden darin laut. Dezentral möchten die Gemeinde Freudental und der örtliche Asyl-Arbeitskreis am liebsten die Flüchtlinge unterbringen, doch bisher mangelte es an geeigneten Flächen.

Bürgermeister Alexander Fleig ist mit dem Ablauf der Einwohnerversammlung "sehr zufrieden und froh, dass alle informiert sind". Dass aufgrund der stark zurück gehenden Flüchtlingszahlen ein solcher Bau auf falschen Prognosen beruht, beunruhigt die Gemüter. "Die Frage ist berechtigt", sagte Fleig im Gespräch mit der Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung: "Eine Anpassung wird schnell kommen müssen." Momentan arbeite die Bauverwaltung des Landratsamts unter Hochdruck an zehn bis 15 Projekten, und das Personal sei ausgelastet, so Fachbereichsleiter Martin Schliereke bei der Einwohnerversammlung. 39 Sammelunterkünfte sind noch in Planung, aufgrund der hohen Flüchtlingszahlen vom Jahresende: 17.000 Flüchtlinge kamen im Oktober nach Baden-Württemberg, im Februar waren es nur rund 5900, im März dürften es nochmals deutlich weniger sein. Viele solcher Unterkünfte in anderen Bundesländern sind aber inzwischen nur zu 20 Prozent ausgelastet.

Das mögliche Problem der Anschlussnutzung wird sich nach der Verteilung der Flüchtlinge in andere Unterkünfte in vielen Fällen stellen. "Sie ist bei jedem Objekt unterschiedlich. Es gibt keinen Grundsatz, Unterkünfte anschließend für Obdachlose zu nutzen. Wir haben auch zahlreiche Wohnungen angemietet, allerdings war es nicht möglich, die große Zahl von Flüchtlingen dezentral unterzubringen. So sind unsere Unterkünfte ,aus der Not heraus' immer größer geworden", sagt Annegret Kornmann, Sprecherin des Landratsamtes Ludwigsburg.

Dezentral will man es am liebsten auch in Freudental versuchen. Fleig wirbt seit Monaten bei den Bürgern, Objekte zur Verfügung zu stellen, um die 37 Plätze aus der aktuellen Verteilungsquote zu erfüllen. Nun ist man fündig geworden und kann im April zwei Wohnungen erwerben.

Kämen noch weitere hinzu, könnte Freudental seinen Beitrag bei der Verteilung womöglich auch ohne Sammelunterkunft leisten. Um Vorurteile abzubauen, wollen die Gemeindeverwaltung und der Asyl-Arbeitskreis in Kürze einen Informationstermin für die Freudentaler Bevölkerung in einer der bestehenden Wohnungen anbieten.