Literatur Auf literarischen Pfaden

Das „Katharinenplaisir“ bei Tripsdrill mietete Dichterin Barbara Juliane von Krüdener im Jahr 1809 gemeinsam mit einer aus Cleebronn stammenden Seherin.
Das „Katharinenplaisir“ bei Tripsdrill mietete Dichterin Barbara Juliane von Krüdener im Jahr 1809 gemeinsam mit einer aus Cleebronn stammenden Seherin. © Foto: Martin Kalb
Von Uwe Deecke 12.10.2018

Der literarische Radweg von Lauffen über Brackenheim nach Cleebronn, Bönnigheim und Kirchheim fristet noch ein ziemlich unbekanntes Dasein. Das soll sich zur Bundesgartenschau 2019 ändern.

Seit rund zehn Jahren gibt es ihn, und er verbindet auf einer schönen Strecke die Orte namhafter Schriftsteller: Hölderlin, Heuss, Sophie La Roche, Juliane von Kruedener und Heimito von Doderer sind die Literaten, die auf dem Weg liegen und neu entdeckt werden sollen. Die Idee zu dem Radweg-Projekt hatte Dr. Thomas Schmidt vom Literaturarchiv in Marbach, der Germanistik und Literaturwissenschaft studiert hat, und den literarischen Radweg 2008 als erstes Projekt seiner Zeit in Marbach verwirklichte.

Die Touristikgemeinschaft Heilbronner Land will im Rahmen der Bundesgartenschau diesen Radweg besonders bewerben und als Attraktion im nächsten Jahr vorstellen. Der ADFC wurde bereits vom Literaturarchiv beauftragt, die Strecke und ihre Beschilderung zu prüfen sowie Verbesserungen vorzuschlagen.

Zur Bundesgartenschau

In einem Treffen der jeweiligen Museumsleiter und Kulturbeauftragten im Landratsamt Heilbronn sollen nun in den nächsten Wochen Vorgehen und Möglichkeiten des Projekts erörtert werden, erklärt Charlotte Nerl-Steckelberg, Kuratorin des Museums Sophie La Roche in Bönnigheim. „Die Idee war, Radfahren und Literatur zusammen zu bringen“, so die Bönnigheimerin, die sich für den Radweg stark macht und die Chancen der Buga nutzen möchte. Ihr Museum, das gerade ein neues Originalbild der Sophie La Roche zur Verfügung gestellt bekam, liegt ihr natürlich besonders am Herzen.

Aber auch das „Katharinenplaisir“ bei Tripsdrill, das Barbara Juliane von Krüdener (1764 bis 1824) im Jahr 1809 gemeinsam mit einer aus Cleebronn stammenden Seherin mietete. Der Michaelsberg spielt natürlich eine Rolle als Ort des erfolgreichen Kampfes von Gut gegen Böse, der in Eduard Mörikes „Erzengel Michaels Feder“ (1837) Thema war. Das Heuss-Museum in Brackenheim und das Hölderlin-Museum in Lauffen sind wichtige Stationen der Erkundung, aber auch der Kirchheimer Bahntunnel, wo der Held aus Heimito von Doderers „Ein Mord, den jeder begeht“ einen Zug abwarten muss, bevor er mit dem Bahnwärter ein zweites Mal die Schienen nach späten Spuren des Verbrechens absuchen konnte.

„Per Pedal zur Poesie“ heißt das Projekt, das elf solcher Radwege im ganzen Land vereint und von Dr. Thomas Schmidt neben seiner eigentlichen Arbeit initiiert wurde. Der erste Radweg war der über den Michaelsberg, das Pilotprojekt. „Wir wollen dabei nicht nur die Ausstellungen zeigen sondern erreichen, dass auch Orte wie der Michaelsberg als literarische Orte erfahren werden“, macht Schmidt auf Anfrage der BZ deutlich. Die Streckenlänge von 37 Kilometer sei noch im Rahmen der selbst gesteckten Grenze von 40 Kilometer, doch die Steigung zum Michaelsberg sei schon eine Ermessenentscheidung gewesen, mit den heutigen Fahrrädern aber doch machbar.

Besondere Aktivitäten

Ein zweiter Radweg um Albrecht Goes, Eduard Mörike, Wilhelm Ganzhorn, Nikolaus Lenau und Justinus Kerner, der in Weinsberg startet, soll ebenfalls besonders beworben werden. Dafür wird es im Buga-Pavillon des Landkreises Informationsstände für die Besucher geben, aber zu besonderen Anlässen auch um reale Personen wie Hölderlin gehen. Für das Projekt braucht es aber nicht nur gemeinsame Öffnungszeiten der Museen am Wochenende. Geplant sind besondere Aktivitäten auf der Strecke, Sonderführungen und interaktive Angebote für die Radfahrer. All dies soll beim nächsten Treffen im Landratsamt Thema sein, wie Charlotte Nerl-Steckelberg erklärt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel