Wahl Auf den Neuen im Rathaus kommt Vieles zu

Willkommen im Rathaus: Am Sonntag, 15. April, wählen die Bönnigheimer ihr neues Stadtoberhaupt für die nächsten acht Jahre.
Willkommen im Rathaus: Am Sonntag, 15. April, wählen die Bönnigheimer ihr neues Stadtoberhaupt für die nächsten acht Jahre. © Foto: Martin Kalb
Michael Soltys 14.04.2018

Angesichts des Mangels an Alternativen dürfte es keinen Zweifel daran geben, dass Albrecht Dautel an diesem Sonntag, 15. April, zum Bürgermeister von Bönnigheim gewählt wird. Festgelegt hat er sich als Kandidat zwar wenig, wie in der Berichterstattung der BZ deutlich wurde, aber seine Schwerpunkte und sein Amtsverständnis hat der Noch-Bürgermeister von Walheim offen gelegt. Doch was denken die Männer und Frauen, mit denen Dautel  im Gemeinderat künftig zusammenarbeiten muss? Schließlich ist er auf ihre Stimmen angewiesen, wenn er beispielsweise die Bürgerbeteiligung voranbringen will oder auf eine neue Stadthalle zustrebt. Immer wieder fällt im BZ-Gespräch mit den Fraktionsvorsitzenden das Stichwort von der Kontinuität, andere wollen ihn an seinen Aussagen messen.

„Herr Dautel weiß, was in Bönnigheim  ansteht“, sagt Frank Sartorius, Sprecher von Freie Wähler/CDU. „Aufgaben haben wir genug“, die Frage sei, wie sie finanziell bewältigt werden könnten. Die von Dautel angesprochene Stadthalle sei ein „Wunschgedanke“, so Sartorius, „aber andere Dinge haben Priorität.“ Vorrangig denkt der Sprecher der FW/CDU dabei an die Ausstattung und den Bau von Kindergärten und Schulen. Als Folge der Bebauung im Schlossfeld sei der Bedarf an Räumen gewachsen. „Das ist die Zukunft, das muss funktionieren“, sagt Sartorius.

So wie angekündigt, müsse Dautel Prioritäten setzen, aber „das hat man seither auch schon gemacht.“ In Bönnigheim sei die Entwicklung in den vergangenen Jahren jedenfalls nicht verschlafen worden, „es gibt keine Defizite“, die der neue Bürgermeister jetzt aufgreifen müsse. ist Sartorius überzeugt.

Hans-Martin Jäger von der Unabhängigen Wählergemeinschaft UWG, erwartet vom künftigen Chef der Verwaltung schlicht und einfach, „dass er sein Geschäft recht macht“. Und davon gibt es in Bönnigheim genug, ist er sich sicher. Noch vor der Amtseinsetzung des neuen Bürgermeisters werde der Gemeinderat weitere Beschlüsse fassen, die Dautel dann „abarbeiten müsse“, machte Jäger deutlich. Der Bürgermeister sei eben nicht die einzige Kraft in der Gemeinde, „letztlich entscheidet der Gemeinderat.“ Vieles sei vorbereitet. Ob beim Thema Verkehr, Infrastruktur oder der Unterbringung von Asylbewerbern: „Das war alles schon Thema im Gemeinderat.“  Nur weil Bönnigheim einen neuen Bürgermeister bekomme, stellen Verwaltung und Gemeinderat nicht die Arbeit ein.

Jürgen Carstens von den Grünen hofft, dass Dautel einige Dinge, die er im Wahlkampf angekündigt hat, auch umsetzen kann. Er findet es gut, dass Dautel das Thema der Stadthalle wieder aufgegriffen hat. Eine solche Halle biete gute Möglichkeiten für die Musikschule und die Stadtkapelle. Dieses Thema sei liegen geblieben, „weil die Finanzen bisher nicht gut waren“, sagt er. Auch, dass Dautel einen Standort weiter Richtung Freibad ins Gespräch gebracht habe, „finde ich gut.“ Die Idee mit den Nachbarkommunen zu sprechen, um eine Busspur in Richtung Bietigheim einzurichten, unterstützt Carstens schon aus eigener Erfahrung, da er morgens bei der Fahrt nach Bietigheim oft genug am Ortseingang im Stau stehe.

Dorothea Bechtle-Rüster von der SPD erwartet, dass Dautel ernst macht mit seinem Versprechen der Bürgerbeteiligung und frühzeitigen Informationen. Frühzeitig die Bebauungspläne und die Ausweisung von Bauland zu erörtern, beispielsweise in Form von Bürgergesprächen, „das wäre im Sinne der Bürger“, sagte sie. Dautel sollte zudem die Möglichkeiten in Bönnigheim nutzen, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Genügend Spielraum sei vorhanden, da die Stadt im Schlossfeld viele Grundstücke besitze. Es gehe dabei nicht um Flüchtlinge, betonte Bechtle-Rüster. Viele Menschen, die früher noch zum Mittelstand gehörten, könnten sich heute kaum noch Wohnraum leisten.

Was die Flüchtlinge angeht, wünscht sich die SPD-Sprecherin künftig mehr Engagement von Seiten der Kommune, vor allem im Hinblick auf die „Integration in Arbeit“. Dazu könnten beispielsweise örtliche Gewerbetreibende angesprochen werden. „Es wird vieles auf ihn zukommen“, ist sich Bechtle-Rüster sicher.

Ergebnis liegt am Montag gegen 19 Uhr vor

6037 Männer und Frauen aus Bönnigheim sind am Sonntag, 15. April, berechtigt, den neuen Bürgermeister zu wählen. Der geringe Anteil an Briefwählern lässt befürchten, dass auch die Wahlbeteiligung gering sein wird. Das wäre wenig verwunderlich angesichts der mangelnden Auswahl. Verwaltungsfachmann Albrecht Dautel ist der aussichtsreichste Kandidat. Seine Gegner, der Musikpädagoge Ulrich Raisch und die selbst ernannte „Aufdeckungspolitikerin“ Friedhild Miller, sind erfolglose Dauerkandidaten.

Die Wahllokale für die sechs Wahlbezirke der Stadt haben am Sonntag von 8 bis 18 Uhr geöffnet.  Das Ergebnis der Wahl wird aller Voraussicht am Sonntag kurz nach 19 Uhr im Rathaus bekannt gegeben, nachdem der Wahlausschuss getagt hat. Wenig später wird es auf der Facebook-Seite und der Homepage der BZ veröffentlicht.   sol