Bönnigheim Amann-Areal macht Wandel sichtbar

Kornelius Bamberger an seinem Schreibtisch im Bönnigheimer Rathaus. Nach 16 Jahren im Amt wird der Bürgermeister am Freitag, 13. Juli, feierlich verabschiedet.
Kornelius Bamberger an seinem Schreibtisch im Bönnigheimer Rathaus. Nach 16 Jahren im Amt wird der Bürgermeister am Freitag, 13. Juli, feierlich verabschiedet. © Foto: Helmut Pangerl
Bönnigheim / Michael Soltys 06.07.2018

Sein Büro im Rathaus, das war 16 Jahre lang sein Zuhause als Bürgermeister. Sich in wenigen Tagen davon zu verabschieden, das löst bei Kornelius Bamberger durchaus zwiespältige Gefühle aus, bekennt er im Gespräch mit der BZ. Seine Rolle in der Öffentlichkeit und im Leben wird sich verändern. Es  sei in erster Linie eine private Entscheidung von ihm und seiner Frau gewesen, nach 16 intensiven Jahren nicht mehr für eine dritte Amtsperiode zur Wahl anzutreten.  Nach 35 Jahren in Rathäusern sei es jetzt Zeit für einen anderen Lebensabschnitt, für Familien, Freunde, Kultur, eventuell auch beruflich für eine  beratende Tätigkeit. Festgelegt sei er in dieser Hinsicht noch nicht, die Immobilienbranche, in der sich einige ehemalige Amtskollegen tummeln, reize ihn jedenfalls nicht. Auf absehbare Zeit werde die Familie in Bönnigheim bleiben. Es sei noch nicht abzusehen, ob er eines Tages ins Allgäu ziehen werde, wo er ein Haus besitzt.

Die Stadt hat sich verändert in den beiden Amtsperioden Bambergers – sichtbar vor allem durch die Umgestaltung des Industrieareals der Firma Amann in ein Wohnquartier. Wer von Erligheim her jetzt nach Bönnigheim hineinfährt, der empfinde den Ortseingang jetzt als „richtig städtisch“, sagt Bamberger. Das Projekt hat ihn von seinen ersten Tagen an begleitet, nachdem der damalige baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring den Förderbescheid über vier Millionen Euro übergeben hatte.

Wichtig sind Bamberger jedoch auch die übrigen Projekte der Stadtkernsanierung, ob privat oder im Besitz der öffentlichen Hand. Der Meiereihof mit Zehntscheuer und Schnapsmuseum sei beispielsweise zu einem „Herzstück der Innenstadtsanierung“ geworden. Viele kleine Baumaßnahmen gehören dazu, so die Sanierung des Kölleturms oder die Außensanierung des Schlosses. Aktuelles Beispiel für das Engagement privater Bauherren ist die Sanierung der Kirchbergschule neben der Stadtkirche, die in diesen Tagen abgeschlossen wird.

Das Land hat dabei finanziell kräftig mitgeholfen und die verschiedenen Stadtsanierungsprogramme bewilligt. Ein weiteres wird folgen.  Bamberger ist zuversichtlich, dass im Jahr 2019, spätestens 2020 ein Förderbescheid auf dem Schreibtisch seines Nachfolgers landet.

Das größte Projekt der Stadtkernsanierung musste Bönnigheim jedoch allein bezahlen. Mit rund drei Millionen Euro schlägt die Gestaltung der Altstadt-Straßen mit dem neuen Pflaster zu Buche. Abschnitt für Abschnitt wurden in den vergangenen drei Jahren die Straßen der Altstadt aufgerissen und erneuert – nicht immer zum Vergnügen der Anwohner und Geschäftsleute. Das Ziel sieht er erreicht: „Wir wollten die Altstadt hell und freundlich machen, ohne dass ihr Charakter verändert wird.“

Um rund 900 Einwohner ist Bönnigheim gewachsen in den letzten 16 Jahren, laut dem letzten Zensus  leben hier 7814 Menschen. Viele von ihnen sind ins Schlossfeld gezogen, das unter Bambergers Ägide kräftig aufgesiedelt worden ist und vor der Erweiterung steht. Der Zuzug und die gesetzlichen Vorschriften zur Betreuung haben den Bau einer Kita notwendig gemacht, die schon bald erweitert werden musste. Und auch das wird nicht reichen, meint Bamberger. In zwei bis drei Jahren dürfte eine weitere Kita notwendig werden.

Dies ist eines der Projekte, die Bambergers Nachfolger Albrecht Dautel auf seinem Schreibtisch vorfinden wird. Ein anderes sind die Veränderungen auf dem Schulgelände, hervorgerufen durch den Ganztagesbetrieb. „Der freie Raum ist erschöpft“, sagt Bamberger, die Prüfung läuft, wie das Schulzentrum ausgestattet werden kann.

Eines hat Bamberger in seinen beiden Amtszeiten allerdings nicht geschafft: eine Stadthalle zu bauen. Andere Dinge haben das Geld verschlungen, das dafür angespart war: der Bau des neuen Feuerwehrhauses (2,7 Millionen Euro), das 2010 eingeweiht wurde oder eben die Kita samt Erweiterung (1,7 Millionen Euro).  Seine Prognose: „In der nächsten Legislaturperiode des Gemeinderats muss die Halle gebaut werden.“ Allein schon deswegen, um Platz in den Schulen zu schaffen. Denn die altehrwürdige Turn- und Festhalle, die immer noch als Stadthalle dient, wird schon jetzt für den Mensa-Betrieb benötigt.

Und wie hat er seine persönliche Rolle als Bürgermeisters gesehen? Es ist das traditionelle Bild eines schwäbischen Schultes, das Bamberger auf diese Frage hin entwirft: „Wenn ich aus der Haustür gehe, bin ich immer der Bürgermeister.“ Er habe keine Hemmschwelle auf der Straße von Bürgern auf ihre Anliegen angesprochen zu werden, im Gegenteil: „Ich bin froh darüber.“ Sein Anliegen sei es immer gewesen, den Bürgern auch zeitnah eine Antwort auf ihre Fragen geben zu können oder ihnen zumindest einen Ansprechpartner zu nennen. „Das wussten die Leute“, so Bamberger. Zu Geburtstagen sei er ebenso gerne gegangen wie zu Ehejubiläen. Das für das Amt des Bürgermeisters keine fachlichen Qualifikationen gefordert werden, findet er richtig. Er hoffe, dass ihn die Bönnigheimer als Bürgermeister „mit Leib und Seele“ sehen und erlebt haben und als jemanden, der seinen Mitmenschen gegenüber positiv eingestellt sei.

Info Am Freitag, 13. Juli, 19 Uhr, wird Bürgermeister Kornelius Bamberger bei einer Feierstunde in der Turn- und Festhalle in Bönnigheim verabschiedet.

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