Bönnigheim / Uwe Deecke

Weder Eisenbahn noch Fluss gibt es hier, erklärte Kurt Sartorius zu Beginn der sonntäglichen Stadtführung im Rahmen der 3B-Glanzpunkte, die sich um die Bönnigheimer Straßen drehte. Doch fast wäre es anders gekommen. Überlegt wurde nämlich früher einmal eine Bahnverbindung nach Kirchheim, wo es mit Schiff und Bahn in alle Richtungen ging. Der Plan wurde nicht umgesetzt, was heute wohl viel Autoverkehr erspart hätte, wenn es die Bahnverbindung noch gäbe. Stattdessen fuhr an der Poststation die Kutsche ab 1848 zwei bis vier Mal täglich nach Kirchheim.

Alter Handelsweg

Die Nord-Süd-Ausrichtung der Bönnigheimer Hauptstraße resultiert aus dem alten Handelsweg, der der Stadt auch Zolleinnahmen und einen gewissen Reichtum verschafft hat. Zwei Stadttore gibt es, eines im Süden am Schloss und den Köllesturm im Norden. Wer hier mit Waren durch wollte, der musste bezahlen. Oben im Turm saß der Turmwächter, der Reiter und Soldaten erspähte und ankündigte. Unten war das Torwächterhaus, das im Jahr 2005 abgerissen wurde. Der Torwächter verschloss bei Dunkelheit das Stadttor. Zoll bezahlt wurde bereits am Bellevue außerhalb der Stadt. Im Norden liegt die Karlstraße, die mit etwas Glück heute anders verlaufen würde. Doch ein Bauer habe sich geweigert seinen Grund zu verkaufen, so dass es heute nur über zwei 90-Grad-Kurven in Richtung Michaelsberg und Cleebronn geht, erläuterte der Vorsitzende der Historischen Gesellschaft.

Funde aus der Jungsteinzeit fanden sich am Schloss. „Das zeigt, dass es vor 7000 Jahren schon Handelsbeziehungen gegeben hat“, so Sartorius. Wichtig war die Strecke von Cannstatt über Bietigheim, Brackenheim ins Badische und weiter nach Frankfurt. Heute erinnern noch Straßennamen wie der Niederländer Weg oder die Speyerer Straße an diese Vergangenheit. Die Handelsstraße habe ihre Bedeutung mit dem Vorgänger der Bundesstraße 27 verloren. Die ehemalige Württembergische Staatsstraße Nummer 1 führte von Heilbronn nach Stuttgart und wurde um 1772 zu einer befestigten Chaussee ausgebaut. „In jedem Viertel gab es einen Bürgermeister“, erklärte Sartorius am Ganerbenbrunnen die Rolle Bönnigheims als viergeteilte Ganerbenstadt. „Bönnigheim war bereits eine Vier-Sektorenstadt, als man über Berlin noch gar nicht nachdachte“.

Holz aus dem Schwarzwald

Auch Flößerholz aus dem Schwarzwald wurde mit dem Pferde-Fuhrwerk aus Bietigheim hierher gebracht. Am Steinhaus, dem ältesten Bönnigheimer Gebäude aus dem Jahr 1296, wurde geflößtes Holz nachgewiesen, das mühsam hierher transportiert worden war.

Am Marktplatz, gleich neben dem Ganerbenbrunnen, steht auch das liebevoll restaurierte „Ratsstüble“, ein schönes Fachwerkgebäude, das nur einen Nachteil habe: „Man kommt nicht mehr heraus“.