Spiele „Winterspiel“ ist wieder im Kommen

Eine konzentrierte Runde beim Binokel-Turnier des SKV Erligheim in der Kesselschenke
Eine konzentrierte Runde beim Binokel-Turnier des SKV Erligheim in der Kesselschenke © Foto: Helmut Pangerl
Von Susanne Yvette Walter 08.01.2018

Binokelabende sind längst zu Raritäten geworden. Früher gehörte es zum guten Ton in beinahe jeder Kneipe, dass am Stammtisch zumindest einmal die Woche Skat oder Binokel „geklopft“ wurde. Im SKV Erligheim finden sich Anhänger dieses geselligen Kartenspiels, die seit sechs Jahren an vier Abenden im Winter zum Turnier ins Sportheim Kesselschenke nach Erligheim einladen.

Kein Tisch ist frei. In der Kesselschenke versucht jeder Spieler mit seiner eigenen Strategie, sich den Pokal zu sichern. Sechs Abende lang begegnen sich hier Männer und Frauen zwischen 23 und 74 Jahren am Spieltisch. Die meisten sind alte Binokel-Hasen, Spieler, die das Spiel in ihrer Kindheit von den Eltern oder gar den Großeltern gelernt haben.

Stilles Miteinander

Nebenher plaudern geht gar nicht, und doch ist die Atmosphäre im Raum nicht angespannt. „Es geht uns um dieses spezielle Miteinander“, bestätigt Spieler Heinz Bruker und hebt beim Erzählen kaum die Augen von seinem Blatt. „Seit das hier vor sechs Jahren wieder angefangen hat“, ist er in jedem Jahr beim Turnier dabei.

Spieler aus dem Umland

Früher habe es einmal eine Zeit gegeben, in der der Verein Binokel-Turniere veranstaltet hat. „Dann ist es eingeschlafen. Das fanden wir schade und haben die Tradition wiederbelebt“, sagt Peter Ullrich vom Vorstandsteam des SKV Erligheim. Sein Vater, der ebenfalls Peter Ullrich heißt, ist mit 74 Jahren der älteste Spieler im Raum. Er hat das Binokeln schon von seinen Eltern gelernt und spielt es immer noch gern.

Doch warum ausgerechnet Binokeln, kann keiner genau sagen. Es ist nicht zu kompliziert, macht Spaß, und war an vielen Erligheimer Wohnzimmer-, Küchen- und Stammtischen zuhause. Heute etabliert sich das Spiel etabliert als Besonderheit. Darauf sind Peter Ullrich Junior und seine Mitstreiter ein bisschen stolz, denn die rund 30 Spieler an diesem Abend kommen nicht nur aus den umliegenden Gemeinden Bönnigheim, Cleebronn oder Zaberfeld. Einige reisen von weiter weg an, auch Stuttgarter Kennzeichen hat Peter Ullrich gesichtet.

In einer Ecke der Kesselschenke warten Geschenkkörbe auf die Sieger. Für den Letztplatzierten gibt es ein Trostpflaster: „Der bekommt bei uns immer eine schwarze Wurst“, sagt Peter Ullrich lachend. Die Preise stellt der Verein, Sponsoren gibt es nicht. Die Spieler sorgen mit ihren Preisgeldern für den Erhalt des Turniers.

Beim Blick durch den Saal sind auch junge Leute unter den Spielern, wie Moritz Bäzner (23), seine 24-jährige Schwester Mareike Bäzner, und ihr gleichaltriger Verlobter Danny Zottl. „Bei uns spielt die ganze Familie. Die Oma Renate Schüdi hat’s uns beigebracht“, sagt Mareike Bäzner, die sich wünscht, dass noch mehr junge Spieler in Erligheim dazustoßen. Aber: „Neulinge trauen sich nicht an die Spieltische“, hat Peter Ullrich beobachtet. „Wir haben angeboten, dass man Binokeln lernen kann, das wurde nicht so angenommen“, lässt er wissen. Die Hoffnung auf Nachwuchs bleibt. Peter Ullrich will seinen Teil dazu beitragen und im kommenden Jahr seinem Enkel Lukas (10), die Tür zum Binokelturnier öffnen.

Info Die Turnierabende finden jeweils Freitags im Sportheim Kesselschenke statt, am 16. Februar und 2. März. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Die Anmeldung erfolgt ab 30 Minuten vor Spielbeginn. An allen Terminen ist die Kesselschenke bereits ab 19 Uhr geöffnet.