„Gestern in der Stadt haben sich zwei Männer geküsst“, sagt ein Mann. Widerwärtig findet er das, „Abschaum“ seien diese Schwulen. Die Menschen um ihn herum bleiben ruhig: „Warum sind diese Menschen Abschaum für dich?“, fragen sie. Dieser Dia­log ist Teil des Handlungs- und Argumentationstrainings, das am vergangenen Samstag im Pädagogisch-Kulturellen-Centrum (PKC) Ehemalige Synagoge in Freudental stattfand. „Kompetent gegen rechte Sprüche“ war Titel und Ziel der Veranstaltung. Die acht Teilnehmer setzten sich mit rechtem Gedankengut und Vorurteilen auseinander, mit dem Ziel, ihnen im Gespräch argumentativ entgegentreten zu können.

Rechtes Gedankengut, Homophobie, Sexismus, Islamfeindlichkeit, Antisemitismus – also gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit – sei nicht Sache von extremen Minderheiten, berichtet Zarin Aschrafi von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. In der Diskussion gehe es um darum, zuzuhören und nachzufragen. Dabei bringt die Warum-Frage wenig, sie ziele auf eine Rechtfertigung des Gegenübers und birgt die Gefahr, dass dieser aus der Diskussion aussteigt, erklärt Maria Dries, die mit Aschrafi das Training leitet.

Die Teilnehmer haben unterschiedliche Gründe, dabei zu sein: „In den Seminaren bei mir an der Uni gibt es immer wieder solche Kommentare, da möchte ich dagegen argumentieren können“, meint einer. „Ich will lernen, wie man seine Meinung besser vertreten kann“, ein anderer.

Die Idee, das Training zu veranstalten, entwickelte sich aus dem Studientag 2017, erklärt Isolde Siegers, Leiterin der Geschäftsstelle des PKC, die das Team der Landeszentrale eingeladen hat. Damals fand nur ein Workshop zu dem Thema statt, man entschied, nun ein ganztägiges Training zu veranstalten.

Taktisches Vorgehen sei im Streitgespräch wichtig, ebenso wie sachlich zu bleiben. Fragen, um die Motive des anderen offenzulegen, und geschickt dagegen argumentieren. „Es ist wichtig, sich zu fragen: Wofür stehe ich?“, erklärt Aschrafi. Die eigene Vision, wie man leben will, müsse kraftvoll vertreten werden.

Am Ende der Diskussion über das schwule Pärchen stehen die Empörten mit relativ leeren Händen da: „Ich habe gedacht: Was soll ich da jetzt entgegnen?“, gesteht der Eine. „Warum ist Homosexualität für dich widernatürlich, bei Tieren gibt es das doch auch?“, „Was würdest du gerne mit diesen Menschen machen?“: Auf diese Fragen könne er keine Antworten geben.