Besigheim „Volle Power auf Kernkompetenz“

Komet hat mit Claude Sun (rechts) und Gerhard Bailom zwei neue Geschäftsführer. Sie kommen vom neuen Eigentümer Cerazitit und sollen die Integration in dessen Strukturen vollenden und das Wachstum vorantreiben.
Komet hat mit Claude Sun (rechts) und Gerhard Bailom zwei neue Geschäftsführer. Sie kommen vom neuen Eigentümer Cerazitit und sollen die Integration in dessen Strukturen vollenden und das Wachstum vorantreiben. © Foto: Martin Kalb
Zum 1 / Michael Soltys 13.04.2018

Zum 1. März haben Claude Sun und Gerhard Bailom die Geschäftsführung des Werkzeugherstellers Komet in Besigheim begonnen. Beide sind Manager, die schon lange im Dienste des neuen Eigentümers, der Ceratizit-Gruppe in Luxemburg (9000 Mitarbeiter, 34 Produktionsstandorte), oder eines ihrer Unternehmen sind. Ihre Aufgabe in Besigheim: Die Integration des Spezialisten für Bohrwerkzeuge in die Gruppe der Zerspanungsunternehmen von Ceratizit vollenden, den Vertrieb der europäischen Unternehmen unter einen Hut bringen und das Wachstum deutlich vorantreiben.

 Mit seinen 820 Mitarbeitern, davon 706 in Besigheim, der Rest in Stuttgart, konzentriert sich Komet in Besigheim künftig auf Produktion und Entwicklung von modernen Bohrwerkzeugen und digitalen Anwendungen, erläuterten Sun und Bailom am Donnerstag in Besigheim. Komet geht in der Ceratizit-Einheit „Cutting-Tools Europe“ auf. Diese Einheit mit weiteren Unternehmen in Kempten, Balzheim bei Memmingen, Reute und Bulgarien hat etwa 2500 Mitarbeiter und erwirtschaftete zuletzt rund 400 Millionen Euro, wozu Komet etwa 100 Millionen Euro in Europa beigesteuert hat. Das Ziel: Künftig soll die Einheit jährlich rund 20 Millionen Euro an Umsatz zulegen. Alle 210 Vertriebler der Einheit, auch die 60 von Komet, sollen künftig alle Produkte aus einer Hand anbieten können, erläuterte Sun.

Kein Personalabbau

Die Entscheidung, Komet in Besigheim und Stuttgart als Kompetenzzentrum zu stärken, geht einher mit dem Verlust von Zentralfunktionen wie Controlling und Finanzen. Ein Personalabbau sei damit nicht verbunden, einige frei werdende Stellen werden nicht mehr besetzt, sagte Bailom. Teilweise böten sich sogar für Mitarbeiter neue Perspektiven in der Gruppe. Der Standort Besigheim etwa wird in der Gruppe für die Informationstechnologie zuständig sein.

In der Produktion werde eine neue 3D-Technologie installiert, kündigte Bailom an. Aus Polen werden vier Maschinen zurückgeholt, mit denen Wendeschneid-Werkzeuge hergestellt werden. Über deren Auslagerung war damals ein Interessensausgleich mit dem Betriebsrat vereinbart worden. Die Investitionen steigen 2018 um rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sagte Bailom.

Gute Ergänzung

Bailom und Sun sind sich einig, dass diese Entscheidungen die Arbeitsplätze bei Komet sichern werden. Das Besigheimer Unternehmen, das weltweit zuletzt 174 Millionen Euro Umsatz gemacht hat, biete für Ceratizit eine gute Ergänzung im Portfolio. „Volle Power auf die Kernkompetenz“, gab Sun als Devise aus. Komet öffne der Gruppe die Tür zur Automobilindustrie, wo Ceratizit vom Projektgeschäft profitieren will.

Die Integration des Neuerwerbs sehen beide Manager auf einem guten Weg. Ängste und Sorgen habe es auf beiden Seiten gegeben, bei Komet sowohl wie bei den anderen Unternehmen der Zerspanungsgruppe. „Die Akquisition hat die gesamte Gruppe verändert“, betonte Sun. Mittlerweile hätten sich die Mitarbeiter kennengelernt, der gegenseitige Respekt sei gewachsen. „Dann kann man arbeiten“, sagte Sun.

Von den 707 Projekten mit dem Ziel der Integration seien 480 abgearbeitet, stellten die beiden Geschäftsführer fest, die bei Ceratizit zuvor mit ähnlichen Aufgaben betraut waren. Der Teamgeist entwickele sich in die richtige Richtung. Die Mitarbeiter in Besigheim seien froh etwas bewegen zu können, „neue Produkte zu entwickeln und zurück zur Kernkompetenz zu kommen“, sagte Sun. Im Sommer, am Samstag, 16. Juni, werde in Besigheim ein Familientag veranstaltet, zu dem auch die Mitarbeiter aus anderen Standorten kommen.