Bönnigheim / SUSANNE YVETTE WALTER  Uhr
Den feinen Unterschied zwischen "Blech und Blech" präsentierten die selbsternannten "Ventilartisten und Zugakrobaten" der Formation "SoaBlech" in der Cyriakuskirche Bönnigheim.

Sie nennen sich "Ventilartisten" und "Zugakrobaten" und lieben die moderne Blasmusik ebenso wie klassische Arrangements nach Bach und Händel. Gemeinsam treten Hans Bachstetter aus Tamm, Dr. Gert Wägerle Nordhausen, Martin Moser, Brackenheim, Hermann Röser aus Gemmrigheim, Bernd Mauerer aus Mundelsheim, Nico Greiner aus Burgstetten und Walter Schiedel als charmantes Blechblas-Ensemble auf. "SoaBlech" kam am Sonntag zum ersten Mal nach Bönnigheim.

So ein Blech, statt so ein Pech. Das Wortspiel stimmt, die Kombo auch. "Ventilsartisten" und "Zugakrobaten" sind die gut aufeinander eingespielten Herzblut-Musiker aus der Region. Am Sonntagabend kamen sie musizierend den Mittelgang in der Cyriakuskirche in Bönnigheim entlang und schenkten rund 150 Zuhörern einen erfrischenden Abend mit "Blechmusik". Dazu gehörten Arrangements von Bach und Händel ebenso wie spritzige Brass-Spielereien auf hohem Niveau. "2011 haben wir angefangen. Die Spieler stammen aus der ,Neuen Blasmanufaktur', die sich 2011 aufgelöst hat nach zehnjährigem erfolgreichen Bestehen", sagt ihr Sprecher Walter Schiedel. Selbst Musiker durch und durch wollte Walter Schiedel lieber wieder spielen, statt wie bei der "Neuen Blechmanufaktur" weiter am Dirigentenpult zu stehen und 22 Musiker anzuleiten, erzählt er.

Kontraste beleben ein Konzert. Geistliche und weltliche Musik begegnen sich zwanglos in der Cyriakuskirche. "SoaBlech" ist breit aufgestellt und lässt das auch hören. Im Liebeslied "Gabrielas Song" zeigten die "Ventilartisten" und "Zugakrobaten", wie sensibel und fein Posaune, Trompete und Co. miteinander in den Dialog gehen können. Eine verjazzte Fassung der Peer-Gynt-Suite ließ aufhorchen. Die Akrobaten kletterten weiter, hinein in die "Opera Seria Rinaldo" von Georg Friedrich Händel. Dort findet sich nämlich eine Sarabande, die die Truppe immer wieder reizt. Dazu gesellt sich ein Satz von Johann Sebastian Bach überschrieben mit "Bist du bei mir, geh ich mit Freuden...".

Das kreative Miteinander verlieh den Musikern hörbar Flügel. Martin Moser hat für sie eine lustige Polka komponiert und nennt sie "Salopp Galopp". Die Kirche pulsierte. Man hätte die berühmte Stecknadel im Kirchenschiff fallen hören, so fesselt diese Klangreise. Das Faszinierende: Ein System aus Zahnrädern entsteht, Einzelstimmen, die miteinander eine ganz individuelle Verbindung eingehen. Melodiefäden verweben sich zu einem bunten Klangteppich, der langsam in Richtung Neuzeit fliegt.

Klassisch bliebt die Auswahl auch beim Beatles-Medley, das keine Wünsche offen ließ. Über die gute Resonanz auf ihr erstes Konzert in der Cyriakuskirche freute sich "SoaBlech spürbar". Die Mischung kam an. Darin hatte sogar ein Stück seinen Platz, das Bach von einem Anonymus aus dem Jahr 1539 in seine Johannespassion übernommen hatte.

Walter Schiedel profitierte, wie seine Kollegen auch, von seiner langjährigen Erfahrung. "Mit acht Jahren habe ich angefangen, Musik zu machen", erzählt er. 38 Jahre leitete er später die Walter-Schiedel-Band, die sein Bruder und sein Neffe übernommen haben.