Bönnigheim „Prozession“ zum Schulanfang

Schulleiter der Ganerbenschule Bönnigheim, Uwe Schäfer, und Konrektorin Martina Höllige freuen sich auf Einschulung und die daran gekoppelten „Prozession“ durch den Ort von der Cyriakuskirche bis zur Ganerbenschule.
Von Susanne Yvette Walter 12.09.2018

Der erste Schultag ist ein einschneidendes Erlebnis für die „Abc-Schützen“ und ihre Angehörigen. In Bönnigheim an der Ganerbenschule prägen ihn seit Jahren Rituale, die auch an der Bönnigheimer Bevölkerung nicht einfach vorbeigehen. Konrektorin Martina Höllige unterrichtet heute an der Ganerbenschule, wo sie selbst einst ihre Grundschuljahre verbracht hat und erzählt, was sich seit ihrem ersten Schultag verändert hat.

Mehr als 40 Jahre ist es her, als Konrektorin Martina Höllige selbst mit einer Schultüte bewaffnet, den ersten Schritt ins Schulleben an der Ganerbenschule in Bönnigheim machte. Sie ist gebürtige Bönnigheimerin und steht heute als Lehrerin in den Klassenzimmern, wo sie selbst als Schülerin einst die Schulbank drückte. Damals schon seien die Kinder dort am ersten Schultag liebevoll empfangen worden. „Es war ein feierlicher Moment und diese Feierlichkeit hat sich im Laufe der Jahre noch gesteigert. Das ist auch gut so, denn der Moment zwischen Loslassen alter Gewohnheiten wie der Besuch des Kindergartens und das Ankommen im neuen schulischen Umfeld ist ein ganz entscheidender“, stellt sie fest.

Seit Jahren beginnt der Schulanfang für die Erstklässler an der Ganerbenschule mit einem kirchlichen Segen, an dem nicht nur die Erstklässler selbst, fein herausgeputzt, teilnehmen, sondern auch ihre Angehörigen. „Meistens kommen die Erstklässler heute mit den Eltern, den Paten und den Großeltern in die Kirche. Das sind in der Regel sechs Personen pro Kind, die gemeinsam den neuen Erstklässler bei dem ersten Schritt in die Schule begleiten“, erklärt sie. Das füllt die Cyriakuskirche oft bis in die hinteren Reihen. Schulleiter Uwe Schäfer hält eine kleine Ansprache. Dann zieht die Schülerschar mit dem neuen Klassenlehrer grüppchenweise von der Kirche zur Ganerbenschule. Das ist ein Bild, das, nach Worten des Schulleiters, einer Prozession gleicht, und das auch die Bevölkerung liebevoll betrachtet.

„Seit meiner Einschulung hat sich nicht viel verändert. Die Schultüten enthalten immer noch vorwiegend Süßigkeiten und kleine nützliche Dinge für die Schule. In den Augen der Kinder mischen sich immer noch Stolz über ihren neuen Status und ein bisschen Muffe, was da wohl alles auf sie zukommt. Das ging mir damals auch schon so“, beobachtet Martina Höllige.

Festliches Gefühl

Seit Jahren übernehmen an der Ganerbenschule traditionell die Eltern der Zweitklässler die Bewirtung. „Alles ist noch besser durchorganisiert als zu meiner Kindheit, und durch den kirchlichen Rahmen kommt ein sehr festliches Gefühl auf“, beschreibt sie die Stimmung. Der große Tag werde bewusst immer auf einen Samstag gelegt, so dass auch berufstätige Eltern dabei sein können. „Den kirchlichen Segen empfangen bei uns auch Schüler aus anderen Glaubensrichtungen. Diese Schüler und ihre Familien sind genauso integriert wie alle anderen“, erklärt Schulleiter Uwe Schäfer. Die anschließende „Prozession“ durch Bönnigheim hat für ihn fast schon Züge einer St. Martinsprozession.

So gewaltig mag es zum Schulbeginn der Bönnigheimer Konrektorin Martina Höllige noch nicht gewesen sein und doch blieb auch ihr der erste Schultag als ein ganz besonderer lebendig in Erinnerung. „Was sich seit damals total verändert hat, ist die Kinderbetreuung“, vergleicht sie. „Heute wird von Anfang an ein strikter Stundenplan eingehalten. Kein Kind, wenn es nicht gerade krank ist, verlässt die Schule vor 12 Uhr. An drei Tagen in der Woche hat das Kind Anspruch auf eine Betreuung bis 15.30 Uhr durch die Schule.

Von rund 60 Schulanfängern nehmen dieses Angebot rund 20 Kinder, also ein Drittel, in Anspruch. „Die gehen an diesen Tagen über die Mittagszeit nicht nach Hause, sondern essen auch in der Schule und werden dann um 15.30 Uhr erst abgeholt“, berichtet sie und vergleicht: „Das war zu meiner Zeit noch völlig undenkbar. Da verbrachten wir die Nachmittage zuhause und machten dort unsere Hausaufgaben oder draußen mit Freunden“, erinnert sie sich. Daran gekoppelt sei auch eine veränderte Hausaufgabensituation. „In der Hausaufgabenbetreuung erledigen die betreuten Kinder heute ihre Schularbeiten nach dem gemeinsamen Mittagessen“, beschreibt Martina Höllige eine Form der Gruppendynamik, die Kinder dazu anleitet, in der Gruppe die ungeliebten Hausaufgaben unter den Augen der Betreuung zu machen.