Interessengemeinschaft „Kulturkopf“ stellt Burgruine vor

Stefan Weber, Vorsitzender der Interessengemeischaft
Stefan Weber, Vorsitzender der Interessengemeischaft © Foto: Martin Kalb
Bönnigheim / Von Susanne Yvette Walter 18.05.2018

Es ist spannend, gemeinsam mit einem „Anwalt“ der Burgruine virtuell durch die alten Gemäuer der Burgruine Blankenhorn bei Eibensbach zu schleichen und sich dabei zu überlegen, wie die Burg einmal ausgesehen haben könnte. Stefan Weber nutzte als „Kulturkopf“ der historischen Gesellschaft in Bönnigheim am Mittwochabend die Gelegenheit die Interessengemeinschaft, die sich 2012 um die Burgruine Blankenhorn gebildet hat, näher vorzustellen. „Wir sind kein eingetragener Verein, haben also auch nicht die einem Verein zwingend zugrunde liegenden Strukturen. Jeder Interessierte kann sich auf seine Weise einbringen. Jede Hilfe ist willkommen und bringt uns unseren Zielen näher.“, erklärte er im Nebenraum der „Alten Apotheke“. Einmal im Quartal lädt die historische Gesellschaft zusammen mit dem Kulturfenster Bönnigheim zu ihrer beliebten Reihe „Achtung! Kulturköpfe“ ein. Das Besondere an diesen Treffen: Man kommt direkt mit den „Kulturköpfen“ ins Gespräch.

Neben der Sanierung und Pflege der Mauern sei die weiterführende Erforschung der Burg und ihrer Geschichte ein großes Anliegen der IG. Beim Erforschen der Burggeschichte helfen viele der Artefakte, die Weber und seine Mitstreiter auf dem Burggelände gefunden haben. Ziegel, Tierknochen aus dem Abfall, Scherben aus der ganzen Siedlungsgeschichte hat der 48-Jährige mit in die Alte Apotheke gebracht, darüber hinaus Teile einer Armbrust und Podkin-Spitzen für den Kriegseinsatz. „Mit denen kann man ein Kettenhemd sprengen“, witzelte Stefan Weber.

200 Bücher über Burgen

Der Eibensbacher hat in den umliegenden Wäldern und an der Ruine selbst als Kind schon gespielt. Auch wenn Stefan Weber seit Jahren in Brackenheim lebt, ständig zieht es ihn zur Burgruine Blankenhorn und zu anderen vergleichbaren Burgen in der Umgebung, die eventuell Rückschlüsse liefern können. Seine Bibliothek zuhause ist entsprechend: 200 teils alte Bücher über Burgen und Schlösser finden sich. Zwei hatte er mitgebracht „Kunst und Altertumsdenkmale im Königreich Württemberg“ mit Kupferstichen auch von der Burgruine Blankenhorn und ein kleines Büchlein mit dem Titel „Burgen, Klöster, Kirchen und Kapellen von 1860“. „Da drin findet sich eine wunderschöne Beschreibung der Burgruine Blankenhorn“, erklärte Weber.

Genehmigung zum Restaurieren

Besonders freuen sich Weber und seine Leute darüber, dass ihnen das Landesdenkmalamt soweit vertraut und entgegenkommt, dass es ihnen eine Genehmigung zum „Restaurieren“ erteilt hat. Das führte dazu, dass sich die IG jetzt intensiv mit dem Erhalt der Mauern auseinandersetzt. „Zuerst ging es darum, Mauerreste vom Bewuchs zu befreien. Mit Kieselsäureesther werden dann die Mauerteile eingestrichen, die lose und brüchig sind, um sie wieder mit der festen Mauersubstanz zu verbinden“, erzählte Stefan Weber. Doch bevor es an diese „Königsdiziplin“ ging waren die Ruinen-Anwälte mit weitaus profaneren Aufgaben schwer beschäftigt. Die Burg musste zunächst einmal von Wildwuchs befreit werden, von Bäumen und Sträucher, die das Mauerwerk immer weiter zerstören. „Jetzt kann wieder Licht und Sonne an die Mauern und sie trocknen besser ab“, ließ Stefan Weber wissen.

Eines der Mitglieder in der IG hat ein eigenes Vermessungsbüro, erläuterte Stefan Weber. Er fertigte ein 3 D-Modell an, in dem man die Burg frei schwebend sieht. Es ist ein Modell, das man nach allen Seiten hin drehen kann. Dadurch ist es wohl auch möglich, selbst in kleine Spalten und Ritzen im Mauerwerk zu schauen. Die Palastmauer und auch die anderen erhaltenen Mauern seien so aufgebaut, dass zwischen einer Wand aus Buckelquadern innen und außen eine Zwischenschicht aus Sandsteinbruch eingelegt ist, als zusätzliches Dämm- und Federmaterial, das auch verhindert, dass die Mauern reißen, wenn sie beschossen werden. „47 verschiedene Steinmetzzeichen haben wir in den Buckelquadern entdeckt. Die Steine verraten uns auch, ob sie schon einmal woanders verbaut gewesen waren“, erzählte Stefan Weber, immer das Ziel im Auge, durch diese Arbeit irgendwann einmal zusammensetzen zu können, wie diese Burg einmal ausgesehen hat. „Das ist die spannende Frage am Ende unserer Bemühungen“, erklärte der Kulturkopf, der sich mit den anderen Hobbyforschern auch sehr viel in Archiven umsieht, um der Geschichte der Burgruine möglichst nahezukommen. Die Fülle an Steinmetzzeichen an den Burgsteinen lasse  schon jetzt Rückschlüsse darauf zu, welche Werkstatt an welcher Stelle der Burg gearbeitet hat.