Am Sonntag wurde im Pädagogisch-Kulturellen Centrum Ehemalige Synagoge Freudental (PKC) das Buch "Adolf. Bruchstücke einer deutschen Jugend" vorgestellt, in dem es um den in Freudental geborenen Juden Adolf Herrmann geht, der nach Flucht und Internierung im Alter von 19 Jahren in Auschwitz ermordet wurde. Jüdische Verwandte und Nachfahren waren eigens zur Veranstaltung nach Feudental gekommen - aus Israel, den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland. Mit dabei die Cousine von Adolf Herrmann, Suse Underwood, die in Kürze 90 Jahre alt wird und in London lebt. Im Rahmen der Workshops "Junges PKC" erzählte Suse Underwood von ihren Kinderheitserinnerungen in Freudental: Wie war es damals, als Adolf und Suse in Freudental mit allen anderen Kindern gespielt haben? Noch bevor es den jüdischen Kindern verboten war, die Volksschule zu besuchen? Bevor im Novemberpogrom die Synagoge gestürmt und die Väter verprügelt wurden? Und wie war es, Deutschland verlassen zu müssen?

Suse war damals ein Kind. Fast 90-jährig erinnert sie sich gut an die Besuche bei Tante Sidonie und ihrem Cousin Adolf in Freudental. Besonders eindrücklich schilderte sie ihre Ausreise mit dem Kindertransport von Heilbronn über Stuttgart und Frankfurt nach Dover, England. Damals war sie zwölf Jahre alt. Etwa so alt wie die sechs "Jungen PKC'ler", die trotz Ferien zu diesem Treffen gekommen waren.

Wie es Adolf erging, erzählte Steffen Pross, Historiker und Autor der Freudentaler Adressbücher. Für die aktuelle Publikation "Adolf. Bruchstücke einer deutschen Jugend" hat er viele Archive durchforstet, aber auch nach persönlichen Erinnerungen geforscht. Unter zwei Briefe, die an Suse bis heute aufbewahrt, hat Adolf einen kurzen Gruß geschrieben. Sonst ist kaum etwas von ihm erhalten. Wie es ihm erging, nachdem er mit nicht einmal 16 Jahren Freudental verlassen hatte, lässt sich nur anhand von Dokumenten nachvollziehen. Mehrfach schien es so, dass er nach USA, zu seinem Bruder auswandern kann. Letztlich wurde er nach Auschwitz deportiert und dort im Alter von 19 Jahren ermordet.

Die Teilnehmer des Jungen PKC haben sich mit vielen Geschichten jüdischer Mitbürger befasst. Jan, 15 Jahre, hat die Freudentaler Adressbücher schon fast ganz gelesen. Er hat sich besonders gefreut, Autor Pross als profunden Kenner persönlich sprechen zu können: "Es ist sehr beeindruckend, was in den Archiven alles zu finden ist und wie sich die Geschichte zusammenfügt."

Aus Anlass der Buchpräsentation waren weitere Nachfahren der Familie Herrmann aus Israel und Düsseldorf angereist. Sie waren umgekehrt beeindruckt vom großen Interesse der "Jungen PKCler".

Info
Die Mädchen und Jungen freuen sich schon auf den nächsten Termin "Junges PKC", teilen die PKC-Leiterinnen Isolde Siegers und Barbara Schüßler: Ein Workshop mit Übernachtung in der Tagungsstätte des PKC wird vom 4. bis 6. Mai stattfinden. Dazu sind alle jungen Neugierigen im Alter von acht bis 16 Jahren eingeladen.