Erligheim „Gute Situation“ bei Flüchtlingen

Gegenüber der Bankfiliale in der Löchgauer Straße in Erligheim befindet sich die Flüchtlingsunterkunft der Gemeinde Erligheim. 27 Personen wohnen momentan dort.
Gegenüber der Bankfiliale in der Löchgauer Straße in Erligheim befindet sich die Flüchtlingsunterkunft der Gemeinde Erligheim. 27 Personen wohnen momentan dort. © Foto: Roland Willeke
Erligheim / Roland Willeke 19.06.2017

Fröhliches Kinderlachen tönt aus dem Hof hinter dem Gebäude Löchgauer Straße 9. Drei Kinder aus Afrika spielen Fangen, vom Balkon grüßt freundlich ein Mann. In dem Haus, das der Gemeinde gehört, leben momentan 27 Flüchtlinge aus mehreren Ländern. Als letzte ist im April eine siebenköpfige Familie aus Syrien eingezogen.

Insgesamt beherbergt Erligheim zurzeit 41 Flüchtlinge, darunter zehn Personen, deren Asylanträge genehmigt wurden oder die eine entsprechende Gestattung haben. Viele sind bereits bei privaten Vermietern untergekommen. Für sie alle fühlt sich der 2015 gegründete Runde Tisch Asyl verantwortlich, der in seiner ehrenamtlichen Arbeit von Debora Schüz professionell unterstützt wird. Die 26-jährige Diakonin und Sozialarbeiterin ist seit September 2016 beim evangelischen Kirchenbezirk Besigheim zu 100 Prozent für die Flüchtlingsarbeit in Bönnigheim, Erligheim und Kirchheim angestellt.

Neue Unterstützer gesucht

Der Runde Tisch Asyl kann auf 23 Unterstützer zurückgreifen. Neue Helfer werden ständig gesucht. Ein Kernteam von fünf Personen, darunter die Vorsitzende Karin Gall, steht im ständigen Kontakt mit den Asylsuchenden. Sie gehen in die Unterkünfte und engagieren sich bei der Sprachförderung und der Alphabetisierung der Flüchtlinge.

Karin Gall, die seit anderthalb Jahren beim Runden Tisch Asyl mitarbeitet und vor einem halben Jahr dessen Leitung übernommen hat, zitiert als Beweggrund für ihre Arbeit den Artikel eins des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, wobei das Gesetz – laut Gall – nicht zwischen inländischen und ausländischen, christlichen oder nicht-christlichen Menschen unterscheide.

Vorbild der 62-jährigen Rentnerin ist Martin Luther King. Ihr „großer Traum“ ist indes weniger die Rettung der Welt. Sie will vielmehr, einen Beitrag leisten „zum Frieden in unserem schönen Erligheim“. Die Rentnerin kann den Ausspruch einer Flüchtlingsfrau nicht vergessen: „Ich wollte kein Flüchtling sein. Ich wurde dazu gezwungen.“ Dass von den 41 betreuten Personen 24 aus Syrien stammen, ist für Karin Gall ein „glücklicher Zufall“. Gerade in Erligheim scheine man mit Syrern gute Erfahrungen zu machen, wie Bürgermeister Rainer Schäuffele zuletzt im Gespräch mit der BZ erklärt hat.

Hohe Motivation

Aber auch den anderen Flüchtlingen, beispielsweise aus Afrika, bescheinigt Pietro Leonetti, Leiter des Hauptamtes im Erligheimer Rathaus, eine hohe Motivation und deutliche Integrationsfortschritte. Ganz anders als vor zwei Jahren, als man sich erklärtermaßen schwer tat, mit einer der Kommune zugewiesenen Großfamilie vom Balkan zurecht zu kommen. Inzwischen wurde diese Familie abgeschoben. Jetzt, so Leonetti, herrsche „eine gute Situation“ in Erligheim.

In einer öffentlichen Sitzung des Runden Tisches berichteten am vergangenen Mittwoch dessen Mitglieder von ihrer Arbeit. Karin Gall kümmert sich um drei Personen, die Hilfe bei der Alphabetisierung, das heißt dem Vertraut werden mit dem europäischen Schriftsystem, benötigen. Noch während des Treffens am Mittwoch konnte sie einen weiteren Helfer für diese Arbeit gewinnen. Der Deutsch-Kurs ist momentan ausgesetzt, weil niemand mehr kam. Karin Gall begründet das mit der allgemeinen Belastung der Flüchtlinge – alle besuchen einen Integrationskurs, einige arbeiten bereits – und dem Fastenmonat Ramadan, der noch bis Samstag, 24. Juni, andauert.

Für Samstag, 1. Juli, planen die Mitglieder des Runden Tischs, in Zusammenarbeit mit der örtlichen Kulturszene, einen Film aus Syrien vorzuführen. Dazu soll es syrisches Essen geben, zubereitet von den syrischen Frauen im Ort. Ab kommender Woche werden jede Woche zwei Stunden Nachhilfe für die Schulkinder unter den Flüchtlingen angeboten. Und am 8. Juli soll es einen Erste-Hilfe-Kurs auf Deutsch für die Flüchtlinge geben. Die Freie Christengemeinde Erligheim wird am Samstag, 24. Juni, ab 15.30 Uhr wieder ihr stets gut besuchtes Café Zuflucht öffnen.

Info Wer sich als Mitstreiter für den Betreuerpool des Runden Tisch Asyl melden möchte, kann sich an (07143) 26 02 24 oder per E-mail an
buero@runder-tisch-asyl-erligheim.de wenden.

www.runder-tisch-asyl-erligheim.de

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