Zukunftsplanung „Eine Gemeinde ist nie fertig“

Die Kirschenanlage in Erligheim aus der Luft. Im Gemeindeentwicklungskonzept werden weitere Aktionen in der Anlage vorgeschlagen. Am Sonntag, 22. April, ist wieder Kirschblütenfest.
Die Kirschenanlage in Erligheim aus der Luft. Im Gemeindeentwicklungskonzept werden weitere Aktionen in der Anlage vorgeschlagen. Am Sonntag, 22. April, ist wieder Kirschblütenfest. © Foto: Werner Kuhnle
Erligheim / Von Roland Willeke 17.04.2018

Getüftelt worden war an dem Gemeindeentwicklungsplan seit November 2016. Damals war in einem Treffen der Gemeindeverwaltung mit dem langjährigen Sanierungspartner der Gemeinde, der STEG Stadtentwicklung GmbH, der Startschuss für die Erarbeitung eines Gemeindeentwicklungskonzepts für Erligheim gefallen. Das Vorliegen eines solchen Konzepts ist seit einiger Zeit Voraussetzung, dass die Gemeinde auch zukünftig Mittel aus dem Landessanierungsprogramm beantragen kann.

Im März 2017 waren dann die Erligheimer Bürger gefordert, in einer Art Workshop Stärken und Schwächen ihres Wohnortes zu formulieren und daraus ihre Wünsche an die künftige Entwicklung Erligheims abzuleiten. Kurze Zeit später wurde eine ähnliche Veranstaltung für Jugendliche durchgeführt. Der Gemeinderat ging mit den gewonnenen Erkenntnissen im letzten Sommer in Klausur, bevor er dem Konzept, das jetzt im nagelneu renovierten Bürgerhaus das Licht der Öffentlichkeit erblickte, im Februar zustimmte.

Mäßig besucht

In der nur mäßig besuchten Versammlung am Donnerstagabend erläuterte STEG-Planerin Verena Kreuter ihre Vorgehensweise sowie Sinn und Zweck der Planung, die bei den wenigen Zuhörern auf großes Interesse stieß, vor allem, was Fragen des Verkehrs betraf. Jeweils unter einen Leitsatz gestellt, präsentierte die Planerin vier Handlungsfelder als Richtschnur und Säulen der Planung für die kommenden Jahre.

Arzt und Zahnarzt halten

Der Leitsatz „Erhaltung und Weiterentwicklung einer generationenfreundlichen, zukunfts- und umweltgerechten Gemeinde“ ist Motto für das Handlungsfeld „Klimaschutz, Energie und Wohnen“. Hier sind Maßnahmen wie die geplante neue grüne Mitte im Bungalowgebiet Rosenfeld – die Arbeiten hierfür haben bereits begonnen – oder die Steigerung der Erlebbarkeit des den Ort durchfließenden Ensbachs aufgeführt. Auch die Errichtung von Ladestationen und die Anpassung des Stromnetzes an die E-Mobilität wurden hier festgehalten. Fragen aus dem Publikum nach der Realisierbarkeit rief die im Plan niedergeschriebene Forderung, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, hervor.

Das Handlungsfeld „Verkehr und Mobilität“ wurde unter dem Motto „Nachhaltige Mobilität für alle Erligheimer sichern und verbessern“ vorgestellt. Hier steht ein Kreisverkehr beim Netto-Markt auf der Agenda. Auch der bisher unerfüllte Wunsch nach einem Kreisverkehr an der Löchgauer Straße an der Ortsausfahrt in Richtung Löchgau ist nach wie vor auf der Wunschliste zu finden, ebenso die Forderung nach einer Umgehungsstraße. Daneben gibt es Vorschläge zu Fußgängerüberwegen und zum Radwegekonzept. Die Nahverkehrsanbindung in Richtung Heilbronn sollte verbessert werden. Beim Wunsch nach einem wirksamen Lärmschutz räumte Bürgermeister Rainer Schäuffele ein, der Gemeinde sei hier bisher nur die billigste Lösung, nämlich die Aufstellung von Tempo-30-Schildern, zugestanden worden.

Der Leitsatz „Erligheim soll eine offene und generationengerechte Gemeinde bleiben“ führte in das Handlungsfeld „Bildung, Betreuung und Soziales“ ein. Hierunter wurden zum Teil schon bestehende Angebote, wie das Netzwerk „Bürger für Bürger“, subsumiert. Aber auch die Forderung nach einem Baugebiet in der Nähe der Schule und der Wunsch, Arzt und Zahnarzt in der Gemeinde halten zu wollen, tauchten auf.

„Sicherung der Qualität durch fokussierte Angebote im Bereich Kultur und Freizeit“ lautet die zentrale Forderung für das Handlungsfeld „Kultur und Freizeit“. Hier folgte man einem Wunsch der Dorfjugend, die ein Open-Air-Kino mit mobilem Dönerstand gewünscht hatte. Die Kirschenanlage sollte weiter entwickelt werden, unterstützt durch Aktionen, wie einem „Kirscherntefest“ und einer „Kirschwoche“. Für die Vereine sollte eine Vereinsschuppenanlage errichtet werden. Damit, so Rainer Schäuffele, könne die Hintere Kelter, die bisher von den Vereinen als Lagerraum benutzt wird, frei gemacht werden.

Einige der Vorschläge sind bereits verwirklicht oder in Arbeit. Alle Beteiligten betonten, das Gemeindeentwicklungskonzept werde jetzt nicht in irgendwelchen Bürokratenschubladen verschwinden, sondern spätestens, wenn es um die Haushalte der kommenden Jahre gehe, wieder hervorgeholt. Denn, so das Fazit von Hauptamtsleiter Pietro Leonetti, „eine Gemeinde ist nie fertig“.

Info Die Präsentation der Städteplanerin Verena Kreuter wird in den nächsten Tagen auf der Internet-Seite der Gemeinde veröffentlicht.

www.erligheim.de